Neonazi erneut verurteilt: Kevin S. muss drei Jahre ins Gefängnis

Der Neonazi Kevin S. ist wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Schwalmstadt zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Zuvor war S. bereits wegen eines Überfalls auf ein linkes Zeltlager verurteilt worden, damals hatte der Neonazi mit einer Glasflasche auf den Kopf einer schlafenden 13-Jährigen eingeschlagen. Das Landgericht Kassel verurteilte S. damals wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Zunächst sollte die Anklage auf versuchten Mord lauten, da das Mädchen einem ärztlichen Gutachten zufolge sogar in Lebensgefahr geschwebt hatte. Das Landgericht hatte aber eine Verurteilung wegen versuchten Mordes abgelehnt, weil dem jungen Mann kein Tötungsvorsatz nachgewiesen werden könnte.

Der vorsitzende Richter bezeichnete S. in dem Prozess als Ideengeber des Überfalls, der bei der Ausführung überlegt und planvoll vorgegangen sei. Auch die motorische Leistung und die nur wenigen Gedächtnislücken sprächen gegen eine verminderte Schuldfähigkeit. Die von Kevin S. gewählte Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung stehe im Bereich der niedrigen Beweggründe sittlich auf einer der untersten Stufen. Einen von Kevin S. angeregten Täter Opfer Ausgleich lehnte das Gericht ab, da er neben der Haftstrafe nicht vorgesehen sei. 

Im aktuellen Fall war S. nach Angaben der Frankfurter Rundschau mit zehn Kameraden im Juni 2008 nachts nach Todenhausen gefahren und hatten vor dem dortigen Jugendclub drei junge Leute überfallen, die sie für Antifaschisten hielten. Einer damals 18-Jährigen schlugen die Angreifer dem Bericht zufolge derart brutal das Handy aus der Hand, dass ihr die Bänder im Daumen rissen. Und ein 20-Jähriger war von den Gewalttätern erst mit faustgroßen Steinen beworfen, dann zusammengetreten und an seinen Haaren über die Straße gezerrt worden.

„Sagt Ihnen Anti-Antifa was?“

Sein Handy nahmen die rechten Kameraden mit, um später das Adressbuch abzutelefonieren. Sie hätten, erklärte Kevin S. der FR zufolge freimütig, die Namen zu den gespeicherten Nummern recherchieren wollen – um sie der Liste ihrer Gegner hinzuzufügen: „Sagt Ihnen Anti-Antifa was?“ Auch dass er getreten hatte, gab der 20-Jährige demnach offen zu. „Ich habe eingesehen, dass die Tat sinnlos, nutzlos und einfach nur brutal war“, beteuerte er in seinem Schlusswort seine angebliche Reue und Läuterung.

Abnehmen aber mochte ihm das niemand so recht, berichtet das Blatt weiter. Phrasenhaft, hohl, „geradezu eingedrillt“ hätten die Sätze des langjährigen extrem rechten Aktiven gewirkt, meinte Opferanwalt Michael Gühlcke dem Bericht zufolge.

S. Bewerbungsmappe ist schon voll

Nach seiner Haftentlassung, so wusste die Jugendgerichtshilfe laut FR zu berichten, strebe Kevin S. übrigens einen Job in der „Medienarbeit“ an. „Da hat er gewisse Vorerfahrungen aus seiner Freizeitgestaltung.“ Das stimmt: Bis zu seiner Festnahme hatte der 20-Jährige unter dem Label „Volksfront Medien“ ein neonazistisches Hetzvideo nach dem anderen produziert und ins Internet gestellt. Die Macher der Videos kamen allesamt aus dem Umfeld des damaligen NPD-Landeschefs in Hessen, Marcel Wöll. Ein Video trug den Titel: „Augen auf, Deutscher, Du bist im Krieg!“ Seinen Krieg konnte S. weitestgehend ungehindert von Polizei und Behörden führen, wie ein Beitrag von Panorama eindrucksvoll zeigte.

Aus dem Video “Deutscher, Augen auf! Du bist im Krieg!”
Deutscher, Augen auf, du bist im Krieg! Das System fördert und unterstützt Homosexuelle, die bekommen keine Kinder. Das System fördert nichtrassige Ehen, denn die bekommen auch keine deutschen Kinder … Abtreibung, denn da werden deutsche Kinder ermordert […] das System verblödet unsere Kinder schon im Kindergarten und in der Schule […] antifamiliäre Subkulturen […] gleichgeschaltete Medien […] dem einzigen, dem deutsche Kinder im Weg stehen, das sind die Auserwählten*, diese ‘One-World-Fetischisten’, die uns schon so oft, zum letzten Mal am 24.3.33 im ‘Daily Express’** den Krieg erklärt haben. Letzte Bomben fielen zwar 45, aber ihr Krieg, der geht weiter […] dieser Krieg wird für sie erst zu Ende sein, wenn der letzte Tropfen ‘reinen Blutes’ aller Völker verflossen ist. Sie die Weltherrschaft erhalten […] Augen auf, du bist im Krieg … wird es auch zu deiner Pflicht, das System hat dir den Krieg erklärt, es wird Zeit, darauf zu antworten…

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