„Rechter Gesprächskreis“: Showdown zwischen NPD-Voigt und DVU-Faust

Soviel Chuzpe muss man erst einmal haben: Während weltweit am 1. September des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen gedacht wird, sagt der NPD-Vorsitzende Udo Voigt am Abend des 01. September 2009: “Wenn Opel seinen Zafira im noch immer polnisch besetzten Gleiwitz bauen will, dann ist das die Sache der Rüsselsheimer!“ Für seine Worte erntet Voigt brandenden Applaus – und es sind nicht nur  NPD- Parteigänger, die ihm zujubeln.

Von Stefan Schölermann, NDRInfo

Schauplatz: Das Kellergewölbe einer bürgerlichen Gaststätte im Westen Berlins. Hier soll es an diesem Abend zum Showdown der beiden Häuptlinge der jeweils nach eigenem Selbstverständnis „einzigen wirklich nationalen Parteien“ in Deutschland kommen. Am Rednerpult neben Udo Voigt: der Vorsitzende der rechtsextremen DVU, Matthias Faust.

Etwa 80 Zuhörer sind gekommen, ein Drittel sind NPD- Mitglieder, die anderen sind  bürgerlich anmutende Gäste eines rechten Gesprächskreises, der seit 18 Jahren einmal im Monat hier im Berliner Westen zusammenkommt. Das Forum heißt „Dienstagsgespräche“ und wird veranstaltet von Hans-Ulrich Pieper, der nach eigenen Angaben früher einmal Referent des CDU- Politikers Kurt Biedenkopf war.  Heute veranstaltet er seinen Gesprächskreis, und weist stolz auf eine lange Liste von Prominenten hin, die er hier schon begrüßen konnte: Ex- Generalbundesanwalt Alexander von Stahl, den CDU Politiker Heinrich Lummer und den geschassten Bundeswehrgeneral Schultze –Rhonhof.  Allesamt Persönlichkeiten die in der rechten Szene klangvolle Namen haben. Nur einer will nicht so recht dazu passen: „Auch Harald Juhnke war schon bei uns“, sagt Pieper strahlend.

Bürgerliches Publikum, Ordner der Kameradschaft

Stolz ist er auch auf sein Publikum: „Viele Führungskräfte aus der Wirtschaft sind schon bei uns gewesen, aber auch Militärs und Politiker“, wirft sich der Mann  im eleganten Zweireiher stolz in die Brust. Dass HartzIV-Empfänger eher selten auf der Einladungsliste stehen, wird schon am Eingang klar: 25 Euro kostet der Sitzplatz im  Publikum –  dafür aber gibt es an diesem Abend Matjes satt für jedermann. Seine Stammgäste hat der Kneipenwirt per Aushang vorsichtshalber darauf hingewiesen, dass dieser Abend eine “geschlossene Veranstaltung“ ist. Damit sie das auch bleibt, halten am Kneipeneingang fünf schlagfertige Männer des berüchtigten NPD- Ordnerdienstes Wache. Sie teilen sich diese Aufgabe im regelmäßigen Wechsel mit der nicht minder „einsatzfreudigen“  Freien Kameradschaft “Frontbann 24“, deren Angehörige erst kürzlich eine polizeiliche Hausdurchsuchung über sich ergehen lassen mussten.

„Sicherheit ist wichtig“, sagt Hans- Ulrich Pieper, der sich auf die Polizei allein nicht verlassen mag. Bei den  Ordnungshütern scheinen diese  Treffen durchaus bekannt zu sein. Zwei Beamte in Zivil schauen am Abend kurz herein und verschwinden alsbald wieder. Zum Einschreiten besteht für sie kein Anlass – wohl aber für die  „inoffiziellen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes zum Mitschreiben“, die Pieper zu Hauf im Publikum vermutet: „Das ist in unseren Kreisen nun mal so.“

DVU als NPD-Light

Als Moderator will der sonnengebräunte Pieper den beiden führenden Köpfen des „nationalen Lagers“ vor der Bundestagswahl politisch auf den Zahn fühlen, damit jeder der Teilnehmer sich selbst davon überzeugen kann, was sie „patriotisch gesinnten  Menschen zu den Kernfragen des deutschen Volkes“ zu bieten  haben. Doch schnell wird klar, dass die DVU  sich programmatisch und vor allem rhetorisch zur Zeit als eine Art „Light- Ausgabe“ der NPD darstellen will.

Während Matthias Faust beispielsweise beim Thema Kriminalitätsbekämpfung sich für eine „strenge Anwendung der Gesetze“ ausspricht, setzt Voigt immer noch eins drauf, zum Beispiel beim Thema Kindesmissbrauch: “Wenn der Staat nicht in der Lage ist, die Menschen von solch perversen  Schweinen zu schützen, dann fordern wir die Wiedereinführung der Todesstrafe.“ Auch beim Thema Ausländerpolitik ist man sich in der Sorge vor „Überfremdung „zwar einig“. Während aber Faust davon spricht, dass Integration die Voraussetzung für Einbürgerung sei, macht Voigt einmal mehr deutlich, warum seine NPD den Anspruch erhebt, im rechtsextremen Lager „das Original“ zu sein. “80% der Ausländer haben überhaupt keinen Arbeitsplatz sondern halten die Hand auf. Wir müssen den ausländischen Sozialschmarotzern die Grundlage entziehen.“

Regelmäßig  fällt der Beifall für den NPD-Chef lauter aus, als für sein DVU-Pendant, Faust, der in Begleitung seines Pressesprechers und früheren NPD-Spitzenmannes  Andreas Molau und des Hamburger Neonazis Christian Worch nach Berlin gekommen ist.

Patrioten in Sorge vor Sozialismus der NPD…

Widerspruch aus dem Kreis der patriotischen Gäste ist bei diesen Aussagen so gut wie nicht zu hören. Nur einmal wendet eine Zuhörerin ein, dass ihr die Thesen des DVU-Chefs sympathischer seien: „Herr Voigt, was sie da fordern, ist sozialistisch. Ich bin gegen jede Form von Sozialismus –  auch wenn Ihrer national orientiert ist.“

Richtig aneinander geraten die beiden rechtsextremen Parteichefs nur einmal –  als es um den gescheiterten Deutschlandpakt der beiden  Parteien geht. Schnell wird deutlich, dass dieses Thema wohl fürs erste zu den Akten gelegt werden kann: Für Udo Voigt ist klar: Die DVU habe im Europawahlkampf versagt (0,4 % Prozent ließen die Partei an der Hürde zur staatlichen Parteienfinanzierung scheitern), deshalb „müssen wir als stärkste Kraft es jetzt alleine machen“.

Voigt der bessere GröFaZ?

Die rhetorischen Versöhnungsversuche des DVU Chefs prallen an dem NPD- Mann ab. Er versucht es mit einem Beispiel aus der Geschichte: “Hätte Deutschland sich des Bündnispartners Italien frühzeitig entledigt, hätte man uns im Krieg nicht so über den Tisch gezogen.“

Im Publikum allerdings  erntete Voigt mit dieser drastischen Absage an den Deutschlandpakt wenig  Beifall: Eine grauhaarige Dame mit Designerbrille und Zentimeter breitem Goldarmreif bringt es so auf den Punkt: “Ich könnte das Kotzen kriegen, wenn ich sehe, wie die beiden sich in dieser Frage hier einen Schlagabtausch liefern. Sie sind doch die einzigen beiden Parteien, die deutlich machen, dass ein Drittel des Deutschen Reiches  noch in Unfreiheit lebt.“ Eine andere  Teilnehmerin formuliert ihren Appell zur Geschlossenheit ähnlich: “Sie müssen zusammenhalten, damit endlich im Bundestag deutlich gesagt werden kann, dass das Dritte Reich nicht untergegangen ist.“ Die Patrioten im Zuhörerraum dürften ähnliche Wünsche gehabt haben. Der Beifall für die beiden Damen ist stürmisch und laut.

Siehe auch: DVU-Parteizentrale zieht von München nach Hamburg, Hintergrund: “Frontbann 24″, NPD und DVU treten in zwölf Ländern gegeneinander an, DVU tritt gegen die NPD zur Bundestagswahl an, NPD und DVU: (Deutschland)Pakt schlägt sich, Pakt verträgt sich, Die NPD nach dem Machtkampf: Angriff ist die beste Verteidigung

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