Kommentar: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

Es gebe nicht viele Probleme, die sich von selbst lösten, doch die NPD gebe sich alle Mühe, so eines zu sein, mutmaßte so mancher Beobachter Anfang des Jahres.

Kommentar von Patrick Gensing für die taz

Eine Hoffnung, für die es gute Gründe gab: ein schmutziger Machtkampf um die Parteiführung, eine ausufernde Finanzaffäre sowie Konflikte mit „Autonomen Nationalisten“ und anderen Neonazi-Banden. Und in den folgenden Monaten überwarf sich die NPD auch noch mit dem Bündnispartner DVU, brach den „Deutschlandpakt“.

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Seitdem konkurrieren NPD und DVU wieder offen miteinander. Die DVU möchte sich dabei als moderne „Neue Rechte“ profilieren, ohne NS-Mief. Eine bekannte Strategie – und wenig glaubwürdig bei Wahlkampfpersonal wie dem Neonazi-Kader Christian Worch. Aber auch Teile der NPD setzen auf ein moderates Auftreten, vor allem dort, wo es um viel Geld und einflussreiche Posten geht, in Sachsen etwa. Neonazis wie Holger Apfel oder Jürgen Gansel versuchen sich als patriotische Schwiegersöhne anzubiedern – obwohl sie das wahrscheinlich gar nicht müssten, denn die Stammwählerschaft der NPD scheint sowieso nur wichtig zu sein, rassistische Parolen in den Parlamenten zu hören. Die NPD-Bundespartei hingegen setzt auf einen offenen NS-Kurs. Sie weiß, dass die NPD zurzeit eine unverbietbare Organisation ist – wegen der angeblich unabkömmlichen V-Leute des Verfassungsschutzes.

Als Kitt zwischen den Fraktionen und Strömungen dient die Ideologie, bei einigen in neurechte Vokabeln verpackt, bei anderen im NS-Sprech propagiert. Daher war es vorschnell, die NPD als parlamentarischen Arm dieser Bewegung – wieder einmal – totzusagen. Die Streitigkeiten gehören zu der extremen Rechten in Deutschland wie die Minderwertigkeitskomplexe und der Größenwahn. Bei den Konflikten zwischen NPD, DVU, „Autonomen Nationalisten“, Freien Kameradschaften, usw. geht es aber nie um die Lösung von konkreten Sachfragen oder um grundlegende Themen, sondern um persönliche Streitereien oder um die optimale Strategie.

Vereint sind die Akteure in ihrer braunen Utopie: eine politisch, kulturell und ethnisch homogene Volksgemeinschaft nach NS-Vorbild. „Das Reich ist unser Ziel – und die NPD ist unser Weg“, brachte es NPD-Chef Voigt auf den Punkt. Dafür nutzen die Nazis jeden Freiraum, der sich ihnen bietet. Zurücklehnen gilt nicht.

Siehe auch: “Rechter Gesprächskreis”: Showdown zwischen NPD-Voigt und DVU-Faust, NPD-Machtkampf: “Nalis”, “Porno-Affäre” und ausgesperrte Journalisten, Ist die NPD erledigt?

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