Neue Ermittlungen gegen Thüringer NPD-Chef Schwerdt

Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt nach Informationen des MDR gegen den NPD-Bundesvize und Thüringer Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, Frank Schwerdt. „Wir haben ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung eingeleitet“, sagte ein Behördensprecher MDR 1 RADIO THÜRINGEN. Dabei gehe es offenbar um Immobiliengeschäfte an denen Schwerdt beteiligt war, berichtet der MDR.

Schwerdt war dem Bericht zufolge seit 2002 Chef der Kendzia+Partner Betreuungs- und Vermittlungsgesellschaft mbH. Diese Gesellschaft wurde laut Handelsregister im Oktober 2005 aufgelöst. Ein Insolvenzantrag am Amtsgericht Charlottenburg ging jedoch erst am 29. Juli 2008 ein. Eine Gerichtssprecherin bestätigte dem MDR, dass man den Vorgang an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet habe.

Jürgen Rieger und Frank Schwerdt am 01. Mai 2003 in Berlin (Quelle: ADF Berlin)
Jürgen Rieger und Frank Schwerdt am 01. Mai 2003 in Berlin (Quelle: ADF Berlin)

Die Kendzia+Partner Betreuungs- und Vermittlungsgesellschaft war laut MDR im November 1991 von dem Berliner Rechtsextremisten Rudolf Kendzia gegründet. Er war uunter anderem zwischen 1967 und 1969 Landeschef der rechtsextremistischen NPD in West-Berlin. Zu den Immobiliengeschäften gehörte unter anderem die Planung einer Wohnanlage in Berlin Alt-Heiligensee – ein Gelände, das sich im Besitz der Familie Schwerdt befand. Anscheinend kam das Projekt in eine finanzielle Schieflage, so dass das gesamte Gelände verkauft werden musste.

In der Anlage habe bis Ende der 1990er-Jahre auch der Verein „Die Nationalen“ seinen Sitz, dessen Vorsitzender Frank Schwerdt war, heißt es weiter. Der Verein habe bis zu seiner Auflösung als Sammelbecken für Rechtsextremisten aus Berlin und den ostdeutschen Ländern gegolten. Frank Schwerdt bestätigte dem MDR die Ermittlungen gegen ihn. Jedoch sei an den Vorwürfen nichts dran.

Schwerdt, der seit Jahren enge Kontakte zu Neonazi-Kreisen pflegt, tritt als Spitzenkandidat der neonazistischen NPD bei der Landtagswahl in Thüringen an. Er ist bereits verurteilt worden und musste auch schon ins Gefängnis.

Siehe auch: NPD will sich mit Wahlgeld sanieren, Wahlkampfauftakt der NPD im Parkhaus, Thüringen: Diskussion um Kandidatur des vorbestraften NPD-Landeschefs Schwerdt