JN-Stützpunktleiter Thomas B.: „Zustände offensiv bekämpfen“

In Baden-Württemberg ist gegen einen 22-jährigen JN-Funktionär Haftbefehl erlassen worden, da er möglicherweise Bombenanschläge geplant hat. Zudem fand die Polizei mehrere Waffen bei dem Neonazi.

Bei dem JN-Funktionär handelt es sich offenbar um Thomas B., der den JN-„Stützpunkt“ Lörrach angeführt haben soll. Dieser Stütztpunkt wurden am 13. Juni 2009 gegründet, auf den Seiten der JN hieß es:

über 50 Aktivisten aus ganz Südbaden [kamen] zusammen um der Gründung des JN Stützpunktes Lörrach beizuwohnen. Unter ihnen auch der JN Landesvorsitzende Lars Gold. Zu Beginn hielt Lars Gold vor den anwesenden Kameraden eine Rede, in der er die Notwendigkeit einer bundesweit agierenden nationalen Jugendorganisation betonte.

Immer wieder weisen Neonazis darauf hin, dass die JN als „unverbietbare“ und bundesweite Organisation extrem wichtig ist. Zudem geben sich die Neonazis in der JN stets gerne besonders radikal. So heißt es in dem JN-Bericht zur Gründung des Stützpunktes weiter:

Danach übergab er das Wort an den frischgebackenen Stützpunktleiter [gemeint ist der verhaftete Thomas B.] und seinen Stellvertreter, die ihre Stützpunktfahne feierlich überreicht bekamen. In ihren Reden gingen sie insbesondere auf die regionalen Zustände ein und kündigten an, auf die unerträglichen Zustände in diesem System aufmerksam machen zu wollen und diese organisiert in der JN offensiv zu bekämpfen.

Ein Strategie- und Diskussionspapier in der Ausgabe des „Aktivist“, des Zentralen Mitgliederorgans der Jungen Nationaldemokraten (JN) ließ zudem im März 2009 aufhorchen. Autoren des Papiers waren nach einem Bericht des blick nach rechts der JN-Bundesvorsitzende Michael Schäfer und der für Schulung und Propaganda zuständige Beisitzer im JN-Bundesvorstand, Matthias Gärtner. Und das Papier ließ durchaus den Schluss zu, dass die JN sich zu einer elitären Denkfabrik entwickeln sollen, die sich zudem an die Spitze einer “Volksfront von Rechts” stellen und aus dieser Volksfront heraus eine Art neuer SA aufbauen wollen.

„Kampfpartei“

Die Jungen Nationaldemokraten sollen Scharnier zwischen neonazistischen Subkulturen und der NPD sein. Sie versuchen, extrem rechte Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 35 Jahren für die parteipolitische Arbeit zu gewinnen – oder zunächst einmal zu disziplinieren. Denn in vielen rechten Cliquen ist der Alkoholkonsum hoch, viele junge Neonazis werden gewalttätig. Probleme mit der Polizei und der Justiz sind die Folge. Die konstant hohe Zahl der extrem rechten Überfälle – in den vergangenen Jahren jeweils mehr als 1.000 Opfer im Jahr – zeigt die Dimension der Gewaltbereitschaft.

Viele JN-Mitglieder lehnen Gewalt offenbar nicht generell ab, den rechten Terror auf den Straßen aber betrachten sie als kontraproduktiv für ihre politische Mission an. So heißt es in einem Strategiepapier der JN:

Revolutionär ist ideologischer und nicht bewaffneter Kampf. Voraussetzung für das Beschreiten des revolutionären Weges ist ein geschärftes politisches Bewußtsein unserer Mitstreiter. […] Die Konsequenz daraus heißt nun logischerweise, daß man dieses System nicht reformieren kann, sondern beseitigt und durch etwas Neues ersetzt werden muß. […] Ist das Bewußtsein der aktiven nationalistischen Kampfgefährtinnen und Kampfgefährten dahingehend ausgerichtet, geht es im nächsten Schritt darum, das Bewußtsein möglichst  vieler Menschen in diese Richtung zu schärfen. In Verbindung mit der zunehmenden Verschärfung der sozialen Frage wird die Revolution wahrscheinlich und die Chance für eine revolutionäre Kampfpartei wird zunehmen. Dann wird der organisierte Nationalismus vom Objekt zum Subjekt der Politik, vom Verteidiger zum Angreifer!

Das heißt konkret: Die JN sehen noch nicht die Zeit gekommen für ihren „Angriff“ und für ihre „Kampfpartei“. Das dies aber das Ziel ist, wird nicht verheimlicht. Und offenbar laufen konkrete Vorbereitungen für diesen Kampf.

Siehe auch: Verfassungsschutz: Zahl der Rechtsextremisten angeblich halbiert, Haftbefehl gegen JN-Funktionär: Anschläge auf Antifas geplant?

6 thoughts on “JN-Stützpunktleiter Thomas B.: „Zustände offensiv bekämpfen“

  1. „Kanake“, „Dönerfresser“ und „Sieg heil“ kommen nicht aus dem NICHTS…

    Zu den allgemeinen Zuständen (auch innerhalb der angeführten „Programmatik“ des NS-Mob in BaWü), speziell auf dem Lande, unter Jugendlichen, und unter dem Flächendeckenden Einfluss der NPD/JN, „passt“ vielleicht auch jene Meldung:

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0828/brandenburg/0020/index.html

    Da machen Berliner Fussballer eine Auszeit in Brandenburg, latschen in das nächste Kaff – und werden im örtlichen Shop als „Kanaken“ und „Dönerfresser“ beschimpft. Vor der Tür steht noch einer der einheimischen Dorftrottel und brüllt „Sieg heil!“.

    Wer möchte es den Sportlern da verübeln, unter einer solchen „Gastfreundlichkeit“ (und mit dem Wissen im Rücken, als „Un-Arier“ auf dem Dorfe um die körperliche Versehrtheit fürchten zu müssen), sich zum Schutze etwas „aufzurüsten“…

    Eisenstangen und sonstige „Utensilien“ klingen in den Ohren von Polizei und Justiz (und dies mit Recht) nicht gerade Vertrauenserweckend: Wer sich aber an diesen Dingen echauviert, sollte sich einmal dem fremdenfeindlichen, stetig gewaltbereiten und NPD-Propaganda-Geschwängerten Mob aussetzen (egal ob abends an Tankstellen, in Kneipen, an „Bagger-Seen“, Camping-Plätzen etc.).

    Es sind ja nicht nur die deutsch-türkischen Fussballer, die abseits der Brandenburger Villen-Seen, Yachten-Marinas und Golfplätze für Herrn Jauch, Herrn Becker etc., rassistisch angegangen werden: Weit ab von den Patrouillen der Sicherheitsfirmen für unsere „Haute Volaute“, wird seit Jahren ALLES angegangen, was der NPD/JN-unterwanderten Dorfjugend nicht in ihr „völkisches“ Dorfbild passt. – Da werden Touristen angepöbelt, einer Holländischen Familie angedroht deren Kind zu ertränken, wenn man weiter am „Toitschen See“ verweilt, Schulklassen verprügelt, Seminare und Vorträge bedroht und eingeschüchtert, Imbiss-Stände „abgefackelt“, der engagierte „Dorf-Bulle“ verdroschen und seine Familie bedroht usw.

    Mit dem Kleinreden des Problems, erreicht man auf Dauer nur Eines: DAS, was man verhindern möchte, und zwar das Ausbleiben von Touristen oder Investitionen (aus Angst!), wird beschleunigt. Anstatt offeniv das Problem zu benennen, weigert man sich (faßt durch die Bank weg‘) von durchorganisierten NS-Gruppierungen auszugehen, die gezielt eine „völkische Reinigung“ betreiben: Mit Einschüchterung, Terror, und unter der Vorgabe durch die NPD/JN, die es OFFEN PROPAGIERT: „Nationaler Widerstand zur Schaffung national befreiter Zonen!“

    Letztendlich kann man den politisch Verantwortlichen (speziell im Bundestag) nur „empfehlen“, ohne Dienstwagen und Personenschutz einmal einen ausgiebigen Urlaub auf dem Ostdeutschen Lande zu verbringen.

    Sofern ich über die „Ost- und Mitteldeutschen“ Dörfer reisen müsste, hätte ich keine Eisenstange bei mir, sondern einen Bautrupp, der mir blitzschnell zwei- oder drei Raketen-Silos bastelt – die schaffen dann auch „flächendeckende No-Go-Area‘ s“… g 😉

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