Hamburger NPD: Gewalt im Wahlkampf und vorbestrafte Kader

Die Hamburger NPD bemühe sich im Bundestagswahlkampf um ein bürgernahes Image – und scheitere an der unkontrollierbaren Gewalttätigkeit ihrer Mitglieder, schreibt das Infoportal Antifainfo zu den Attacken von Neonazis in Hamburg. Für Beobachter der Hamburger Neonaziszene komme es allerdings wenig überraschend, dass die Gewalt seitens der NPD im sich zuspitzenden Wahlkampf zur Bundestagswahl im September immer weiter eskaliert. Denn die Hamburger NPD gehört zu den radikalsten Landesverbänden in der ohnehin nicht als moderat geltenden extrem rechten Partei.

Neben diversen ehemaligen Kadern der verbotenen Kameradschaft „Hamburger Sturm“ und des ebenfalls verbotenen Neonazi-Musiknetzwerkes „Blood&Honour“ finden sich laut Antifainfo nicht eben wenige Kameraden auf der NPD-Landesliste wieder, die wegen Gewaltverbrechen verurteilt wurden. Besonders hervorzuheben sei Willi Wegner und Detlev Brüel, heißt es weiter. Wegner, seit den frühen 70ern in militanten Neonazigruppen aktiv, darunter unter anderem die „Wehrsportgruppe Neumann“ und die FAP, wurde 1976 zu einer mehrjährigen Haftstrafe wegen Anschlägen, Grabschändungen und Raub von Maschinenpsitolen verurteilt, 1981 folgte eine erneute Haftstrafe wegen Behilfe zum Mord (an dem homsexuellen FAP-Mitglied Johannes Bügner). Brüel trainierte den Angaben zufolge ebenfalls in einer „Wehrsportgruppe Dems“ für den gewaltsamen Umsturz, war Aktivist der „Wiking-Jugend“, Schatzmeister der FAP und wurde unter anderem 1993 vom Landgericht Hamburg zu fünf Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt. Bei zahlreichen Verfahren wegen politischer Gewaltdelikte wurde Brüel vom Hamburger Landesvorsitzenden und stellvertetenden Bundesvorsitzenden der NPD, Rechtsanwalt Jürgen Rieger, vertreten.

Offensichtlich chancenlos für den Einzug in den Bundestag, versuche die Nazipartei in Hamburg trotzig durch eine Vielzahl an Infoständen und das Verteilen von Flugblättern etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen. Fast immer seien mit dabei: die NPD-Mitglieder Willi Wegner und Detlev Brüel. Häufig sei es Wegner, der mit seinem Wagen das Material der Infotische anliefere.

Erst vor wenigen Tagen wurde ein schwarzer Brite von drei NPD-Anhängern angegriffen und verletzt. Nach Angaben von Antifainfo sind mindestens zwei der Täter seit Jahren in der Bergedorfer Neonazi-Szene aktiv.

Siehe auch: Wahlkampf der NPD: Neonazis attackieren erneut Passanten, NPD-Stand in Hamburg: Passantin von Neonazis angegriffen, “Die Reihen fest geschlossen” – Anatomie der Hamburger NPD und ihres Umfeldes

2 thoughts on “Hamburger NPD: Gewalt im Wahlkampf und vorbestrafte Kader

  1. euch ist ein kleiner Fehler unterlaufen, Johannes Bügner war nicht Mitglied der FAP sondern von Michael Kühnens Nazibande ANS („Aktionsfront Nationaler Sozialisten“, später „Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten“), die FAP war bis zum ANS/NA-Verbot Ende 1983 nur ein Altnazi-Stammtisch mit Eintragung ins Parteienregister um Martin Pape; auf der Suche nach einem neuen legalen Arm kam es dann zu koordinierten Eintritten in die FAP durch die in der „Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front“ zusammengeschlossenen Exmitglieder der ANS/NA

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