Neonazis in sozialen Netzwerken: Jugendschutz.net appelliert an Betreiber

Rechtsextreme haben nach Angaben von Jugendschutz.net im vergangenen Jahr ihre Aktivitäten im Internet verstärkt. Sie nutzten die Möglichkeiten des Web 2.0, um menschenverachtende Inhalte zu verbreiten und Jugendliche mit Videos und Musik zu ködern, so Jugendschutz.net im Jahresbericht 2008. Neonazis gründen demnach eigene soziale Netzwerke für Gleichgesinnte, in denen sie ungehindert gegen Minderheiten hetzen und demokratiefeindliche Thesen verbreiten können. Hier seien die Betreiber dieser Dienste gefordert, so Jugendschutz.net. Sie müssten weitere Anstrengungen unternehmen, um den Missbrauch ihrer Plattformen durch Rechtsextreme zu verhindern.

Die Anzahl der allein von jugendschutz.net dokumentierten unzulässigen rechtsextremen Beiträge in Sozialen Netzwerken und Videoplattformen hat sich 2008 auf mehr als 1.500 verdoppelt. Auch gebe es derzeit so viele Szene-Websites wie nie zuvor: 1.707 Angebote recherchierte jugendschutz.net im vergangenen Jahr. Ein Trend ziehe sich dabei durch beinahe alle Bereiche: Rechtsextreme sprechen mit bunten Websites, Symbolen aus verschiedenen Jugendszenen und griffigen Slogans junge Internetuser an. Vor allem Neonazi-Kameradschaften und so genannte Autonome Nationalisten, von denen jugendschutz.net 2008 insgesamt 321 Angebote sichtete, nutzten multimediale Möglichkeiten wie Filme und verschleiern ihre rassistischen und antidemokratischen Botschaften. In vielen Fällen sei der rechtsextreme Kontext nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen.

2008 wuchs den Angaben zufolge auch die Zahl der so genannten Neonazi-Hoster, die speziell Gleichgesinnten Speicherplatz im Netz anbieten, weiter an. Mittlerweile sicherten mindestens 12 solcher Dienste Szene-Strukturen im Netz. Daneben existieren rechtsextreme Angebote zur Website-Gestaltung, zur Erstellung von CDs, Flirt-Börsen oder diverse Services rund um die Durchführung von Konzerten und lokalen Aktionen (z.B. Sprühvorlagen, Graffiti-Motive). Die Anzahl der Internet-Radios aus der rechtsextremen Szene, bei denen Live-Sendungen angehört und teilweise als Musikdatei heruntergeladen werden können, habe sich 2008 von 9 auf 16 erhöht.

Keine Angaben zur Aktualität

Erneut gilt es hier zu kritisieren, dass die Zahlen von Jugendschutz.net nur teilweise aufschlussreich sind. Wie viele Seiten aktuell gehalten werden, lässt sich nicht herauslesen. Zudem ist eine steigende Zahl von Internet-Seiten nicht zwingend ein Zeichen dafür, dass es immer mehr aktuelle Seiten gibt. Denn oft legen Neonazis zur Mobilisierung zu Demonstrationen Seiten an, die nach wenigen Wochen wieder verlassen sind. Die Übersicht über die unterschiedlichen Arten der Web-Seiten ist jedoch schon hilfreich.
“Verbreitung verhindern”

Der Leiter des Arbeitsbereichs Rechtsextremismus von jugendschutz.net, Stefan Glaser, nahm die Betreiber von Musik- und Videoseiten in die Pflicht: “Hier müssen auch die Betreiber der Plattformen konsequent an effektiven Lösungen arbeiten, um die Verbreitung unzulässiger Inhalte über ihre Dienste auch eigeninitiativ zu verhindern.”

Das Team von jugendschutz.net geht auch gezielt gegen unzulässige Inhalte vor, zum Beispiel durch die Kontaktaufnahme zu in- und ausländischen Providern. Insgesamt konnte jugendschutz.net im vergangenen Jahr in 80 Prozent der unzulässigen Fälle die Entfernung der Inhalte erreichen.

Hier der zehnseitige Projektbericht von Jugendschutz.net für 2008.

Siehe auch: Völkische Fantasien eines “altlinken Dorfschulmeisterleins”?, Wie braune Propaganda zur Nachricht wird

One thought on “Neonazis in sozialen Netzwerken: Jugendschutz.net appelliert an Betreiber

Comments are closed.