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Berliner Touristen verprügelt und Holocaust geleugnet: Bewährungsstrafen für vier junge Männer

22. Juli 2009 17:08 58 mal gelesen Kein Kommentar

Wegen Körperverletzung und Volksverhetzung hat das Amtsgericht Pasewalk am 22. Juli 2009 vier junge Männer zu Freiheitsstrafen zwischen acht und 20 Monaten verurteilt. Wie die Opferberatung Lobbi Ost mitteilte, seien die Strafen für zwei Jahre, bei einem Angeklagten für drei Jahre, zur Bewährung ausgesetzt worden. Das Schöffengericht sah es den Angaben zufolge als erwiesen an, dass die vier Angeklagten aus dem Uecker-Randow-Kreis vor einem Jahr auf dem Zeltplatz Ückeritz auf der Insel Usedom mehrere Jugendliche attackiert und antisemitische Parolen gebrüllt hatten.

Lobbi Ost schreibt weiter: In der Nacht zum 22. Juli 2008 grölten die Angeklagten mit weiteren Personen rechtsradikale Sprüche auf dem Campinggelände. Unter anderem sangen sie nach der Melodie der „Vogelhochzeit“ Textzeilen wie „In Buchenwald, in Buchenwald, da machen wir die Juden kalt“ und „In Majdanek, in Majdanek, da machen wir aus Juden Speck“. Berliner Jugendliche, die in Nähe zelteten und dies hörten, stellten die vorpommersche Gruppe daraufhin zur Rede. In der folgenden Diskussion leugneten die Rechten, dass in der Zeit des Nationalsozialismus überhaupt „Drecksjuden“ ermordet wurden. Nachdem einer der Täter einen Countdown herunter zählte, schlugen die Angeklagten auf die Urlauber ein und verletzten drei von ihnen.

Englische Musik als Grund für Gewalt…

Eine weitere Berliner Campergruppe wurde von den gleichen Tätern umstellt und angepöbelt, dass sie „nicht arisch“ wären, weil sie eine arabische Wasserpfeife bei sich hatten. Außerdem forderten sie von einem Jugendlichen, die englischsprachige Musik, die er vom Handy abspielte, zu löschen. Als er sich weigerte, schlugen die Täter ihn nieder und traten auf ihn ein. Die Täter wurden noch in der Nacht von der Polizei festgenommen.

Die angegriffenen Jugendlichen gaben während ihrer Zeugenaussagen laut Lobbi Ost an, künftig keinen Urlaub mehr in dieser Region zu verbringen. Der Richter würdigte in der Verhandlung die Zivilcourage der jungen Berliner und wies die Angeklagten auf die verheerende Wirkung der Taten hin. Die weitgehend schweigenden Täter zeigten laut Lobbi Ost vor Gericht keinerlei Reue. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Siehe auch: Neonazi-Überfall in Berlin: Haupttäter kommt offenbar aus BrandenburgJahreshöchstzahlen bei rechtsextremen Straf- und Gewalttaten, Linktipp: Karten zur extrem rechten Ideologie und Gewalt in Deutschland, Neonazi tötet 18-Jährigen: Gericht sieht keinen rechten Hintergrund, Verfassungsschutzbericht 2008: Politisch motivierte Kriminalität rechts steigt, Das war 2008: Mehr als 1000 Gewalttaten, 350 Waffenfunde und mindestens zwei Todesopfer, Stichwort: Was ist eigentlich Rechtsextremismus?

Kein Kommentar »

  • Axel Mylius said:

    Dann kann man ja wieder beruhigt seien, dass es sich nur um vier Jugendliche gehandelt hat – also somit nicht um eine Gruppe, die vielleicht organisiert seien könnte…

    Aber solche Gruppen gibt es natürlich nicht in deutschen Touristen-Gebieten, und wenn ja, dann sind es ja eh`alles V-Leute… *lölchen* ;)

  • Christian said:

    Warum solche Leute allen ernstes mit Bewährung davonkommen wird mir immer rätselhaft bleiben..

  • smoe said:

    @Christian:

    Die waren vielleicht noch unbeschriebene Blätter. Im dt. Rechtsystem wird bei solchen Vergehen fast immer Bewährung verhängt, wenn der Täter nicht vorbestraft ist.

    Wenn, dann sollte schon für alle das Gleiche gelten, auch für Nazis. Ansonsten wäre das System fürn Arsch und unglaubwürdig. Dann hätten die Nazis schon zur Hälfte gewonnen und der von ihnen angestrebten “Umbau” des Rechtssystems fände mehr Anklang in der Bevölkerung.

    Das kann niemand wollen. Außerdem steht auch bei Nazis die Resozialisierung im Vordergrund und ich meine, besser diese Leute wieder auf den richtigen Weg gebracht (zumindest versucht), als für immer an diese Ideologie verloren.

    Grüße

  • Christian said:

    @Smoe:

    Ja, ich finde auch dass für alle Straftäter genau das selbe gelten sollte. Resozialisierung ist ja schön und gut, aber mehrere Menschen zusammenzuschlagen/treten muss meinem Rechtsverständis nach zumindest eine fühlbare Strafe nach sich ziehen. Die Opfer werden daran wahrscheinlich eine lange Zeit zu knabbern haben, ich spreche da aus Erfahrung im Freundeskreis. Das ist einfach etwas anderes als ein Ladendiebstahl, Schwarzfahren oder ähnliches..