Die NPD und der Realitätsverlust: “Der deutsche Soldat hat immer das internationale Recht eingehalten”

Die NPD in Löbau-Zittau hat eine Kampagne gegen eine Ausstellung zu den Verbrechen der Wehrmacht in Polen gestartet. Die Ausstellung mit dem Titel „,Größte Härte …‘ – Verbrechen der Wehrmacht in Polen September/Oktober 1939“ wird derzeit in Görlitz in Sachsen gezeigt. 150 polnische Städte wurden ab dem 1. September 1939 bombardiert, Zehntausende Zivilisten getötet, Kriegsgefangene massakriert und Juden misshandelt und umgebracht. Entgegen den Behauptungen, die Deutsche Wehrmacht sei erst mit dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen, zeigt die Ausstellung, was deutsche Soldaten in polnischen Städten bereits 1939 angerichtet hatten. Der Titel „Größte Härte …“ ist ein Zitat aus einer Rede Adolf Hitlers eine Woche vor dem Angriff auf Polen.

Die NPD spricht hingegen von „zahlreichen Besetzungskriegen“, die Polen geführt habe. Ohnehin: Ein Krieg sei immer tragisch, so NPD-Funktionär Andreas Storr, aber im September 1939 war es rechtens. Weiter Storr: „Auch der deutsche Soldat hat ehrenvoll gekämpft und er hat das internationale Recht immer eingehalten – ganz im Gegensatz zur Roten Armee, ganz im Gegensatz auch zu den Engländern oder Amerikanern, die einen Bombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung durchgeführt hat. Einen vergleichbaren Kriegsschlag hat die deutsche Armee nie geführt.“

Mit solchen Ausführungen zeigt die NPD einmal mehr, dass sie sich nicht von dem Thema NS-Zeit und Nazi-Rassenkrieg trennen kann, immer wieder fallen ausgerechnet diejenigen, die eigentlich einen Schlussstrich fordern, auf diese Zeit zurück. Die Neonazis können einfach nicht vom Thema Kriegsschuld und Verbrechen der deutschen Soldaten lassen. Durch die Mobilisierung gegen die Ausstellung in Görlitz erhofft sich die NPD zudem sicherlich Sympathien in konservativen bis rechtsradikalen Kreisen.

Proteste gegen Wehrmachtsausstellung

Im Jahr 1997 hatten NPD und JN mit ihren Proteste gegen die Ausstellung „Verbrechen der Wehrmacht – Dimension des Vernichtungskriegs 1941 bis 1944“ einen überraschenden Erfolg erreicht – bei einer Demonstration in München kamen 4500 Teilnehmer – längst nicht nur aus dem Neonazi-Spektrum. Beim klick nach rechts wurden Dokumente zu dieser Auseinandersetzung gesammelt, unter anderem das Flugblatt, mit welchem zu einer Gegenkundgebung aufgerufen wurde.

Weitere Informationen zu der Ausstellung: Vortrag bei der Eröffnung am 2. September 2005 in der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn

Siehe auch: Kapitulation und Kriegsende 1945: Das Geschenk der FreiheitDie Nazis und der 1. Mai: Homogenität statt Egalität, Die Nazis und der 1. Mai: Von Niedriglöhnen und dem Ende der Gewerkschaften, Die letzten Tage des “Führers”: Hitler tat alles, um seine erbärmliche Existenz zu verlängern

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