NPD-Gera lädt ein: 2000 Neonazis “rocken für Deutschland”

In Gera sind nach Medienberichten rund 2000 Neonazis zu der NPD-Veranstaltung „Rock für Deutschland“ gekommen. Unter dem Motto „Hier bleiben – A N P A C K E N !!!“ sprechen auf dem Festival, welches seit 2003 veranstaltet wird, unter anderem NPD-Chef Udo Voigt sowie weitere regionale Parteifunktionäre. Als Bands waren „Die Lunikoff-Verschwörung“, Brainwash, Sleipnir und Blitzkrieg angekündigt. „Frontalkraft“ musste ihren Auftritt offenbar absagen, da der Schlagzeiger im Krankenhaus sein soll.

Nach Angaben der Südthüringischen Zeitung demonstrieren immerhin etwa 700 Menschen gegen die Neonazi-Veranstaltung, die mitten im Wahlkampf für die Landtagswahl stattfindet. Der Experte für Rechtsrock Christian Dornbuch hatte es zuvor in der Ostthüringer Zeitung als „Armutszeugnis bezeichnet, dass Gera ein solches Nazi-Großereignis über Jahre ermögliche. Dies sei wohl einmalig in Deutschland und eine Katastrophe für das Renommee der Stadt. In Jena, wo die NPD das „Fest der Völker“ für zehn Jahre angemeldet hatte, habe die Zivilgesellschaft mittlerweile den Neonazis den Ort unleidlich gemacht, so Dornbuch. In Gera bezeichnete ein Kommunalpoltiker der Wählervereinigung AFG hingegen antifaschistische Demonstranten als “Gesocks” und “Viehzeug”, wie aus einer Pressemitteilung des Antifaschistischen Aktionsbündnisses heißt. Die SPD wählte etwas moderatere Begriffe wie „Chaoten“.

Gewaltfreie Sitzblockade

Trotz der hohen Zahl angereister Neonazis sprach Norman Beberhold vom Jenaer Aktionsnetzwerk auch von ermutigenden Zeichen in Gera. Erstmalig sei „es uns gemeinsam mit vielen Menschen in Gera gelungen Aktionen zivilen Ungehorsams zu leisten“. Auf einem der Zugänge zum Nazi-Festival hatten sich um 14.00 Uhr rund 300 Menschen in einer gewaltfreien Sitzblockade den Nazis entgegengestellt. Das Jenaer Aktionsnetzwerk gegen Rechtsextremismus hatte von 10.30 bis 11.00 Uhr auf dem Museumsplatz Trainings in gewaltfreier Aktion durchgeführt. Als Zeichen der Solidarität beteiligten sich 60 Menschen aus Jena an den Protesten gegen das größte Nazi-Musikfestival am 11. Juli in Gera.

In Jena hatten in den Jahren 2005 bis 2007 mehrere Tausend Bürger die bis dahin jährlichen Nazi-Aufmärsche gewaltfrei blockiert. Daraufhin verlagerten die Rechtsextremen ihre Aufmärsche in andere Orte. „Wenn es der Geraer Bevölkerung in den nächsten Jahren nicht gelingt aus ihrer Apathie auszubrechen, droht Gera zum Wallfahrtsort der europaweiten Nazi-Szene zu werden“, so Beberhold.

Thüringen – das braune Herz Deutschlands?

Mit dem „Thüringentag der nationalen Jugend“ in Arnstadt, dem „Rock für Deutschland“ und dem anstehenden „Fest der Völker“ wird einmal mehr deutlich, welch wichtige Rolle das Bundesland für die Infrastruktur der Neonazis spielt. Dabei kommt es den Initiatoren solcher Festivals auch immer wieder entgegen, dass große Teile der Zivilgesellschaft den Nazi-Aktivitäten mit Gleichgültigkeit begegnen. In Arnstadt sprachen Beobachter sogar von einem Schulterschluss des Bürgermeisters mit den Neonazis.

Siehe auch: Thüringen: Proteste gegen NPD-Open-Air in Gera, Schüler rocken gegen Rechts in Jena, “Thüringentag der nationalen Jugend”: “Schulterschluss” des Arnstädter Bürgermeisters mit Neonazis, Neonazistisches “Fest der Völker” am 12. September in Pößneck geplant, Thüringen: Unterwanderung der FDP?Jena: “Kampf um die Straße” statt “Kampf um die Parlamente”Kampagnenstart: “Kein Ort für Neonazis in Thüringen”

7 thoughts on “NPD-Gera lädt ein: 2000 Neonazis “rocken für Deutschland”

  1. „In Gera bezeichnete ein SPD-Kommunalpolitiker hingegen antifaschistische Demonstranten als “Gesocks” und “Viehzeug”, wie aus einer Pressemitteilung des Antifaschistischen Aktionsbündnisses heißt.“

    Im angegebenen Link ist nachzulesen, dass der Mann Mitglied bei der Wählervereinigung AFG und nicht bei der SPD ist.

    Ups, sorry an die Sozen und danke für den Hinweis!

  2. Der MDR spricht von 4000 Teilnehmern. Wie kommt die hier erwähnte Zahl von 2000 zustande?

  3. Komische Methoden, so eine Nazikundgebung runter zu rechnen. Der MDR spricht von 4000 und mehr Besucher. Die Veranstalter von über 5500. Und hier wird einfach runter gerechnet. Recherche ist nicht gerade die Stärke des NPD-Blog

  4. Wären Tesky und die „Komischen Methoden“ den Links gefolgt, dann hätte sich die Frage erledigt: Die Südthüringer Zeitung meldete es. Wer den NPD-Blog wegen mangelnder Recherche anklagt, möge zuerst einmal lesen….

    Danke, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, darauf hinzuweisen. Ich hatte ehrlich gesagt einfach keine Lust.

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