Mit Energie und ohne Energie für mehr Toleranz

Das Fußballfest unter dem Motto „Mit Energie für Toleranz“ ist wie geplant am 04. Juli 2009 in Storkow in Brandenburg gefeiert worden – trotz und wegen der Neonazi-Partei NPD. Zur 800-Jahrfeier der Stadt wollte der FSV Germania Storkow damit ein Zeichen setzen, dass sich auch der Sport an der landesweiten Aktion „Tolerantes Brandenburg“ beteiligt. Es habe „eine fröhliche und freudige Stimmung“ geherrscht, sagte der FSV-Vorsitzende Johann Kney nach Angaben der Märkischen Oderzeitung. Zum Spiel des Seniorenteams seines Vereins gegen eine DDR-Traditionsmannschaft seien rund 1000 Menschen gekommen.

Eigentlich sollte der Bundesliga-Absteiger Energie Cottbus auflaufen, doch der Verein verhielt sich einem Absteiger gebührend und sagte das Spiel ab, da die NPD, bzw. deren Landeschef Klaus Beier, im Internet mit Protesten gedroht hatte, da ihm das Motto für „mehr Toleranz“ offenbar nicht passte. Die MOZ berichtet nun, es habe weder auf dem Platz noch am Rande irgendwelche Zwischenfälle gegeben. „Die ganzen Bedenken waren vollkommen unbegründet“, sagte Kney zur Absage des Zweitligisten.

Die Polizei war den Angaben zufolge in Storkow mit starken Kräften vertreten. Gegendemonstranten protestierten gegen den NPD-Aufmarsch und kehrten symbolisch den „rechten Dreck“ aus der Stadt. Auch nach Angaben eines Polizeisprechers kam es bis zum Nachmittag zu keinen nennenswerten Zwischenfällen. Nach Angaben von Augenzeugen waren etwa 110 Neonazis in Storkow, um gegen das Freundschaftsspiel zu demonstrieren. Darunter befanden sich auch Nazis aus der Haupstadt, die sonst nichts (mehr) mit der NPD zu tun haben. Möglicherweise hat sich durch die Kandidatur in Brandenburg eine neue Allianz ergeben, da bald wieder Geld fließen könnte.

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Neonazi-Modenschau in Storkow am 04. Juli 2009
Foto: Maik Baumgärtner
 

Wecker-Konzernt verhindert

Mit der Drohung der NPD werden Erinnerungen wach an das Jahr 2006, als  ein NPD-Funktionär durch eine Drohung den   Auftritt des Liedermachers Konstantin Wecker in Halberstadt vorerst verhinderte. An solchen Beispielen zeigt sich: Die Neonazis sind immer nur so stark, wie es die Verantwortlichen und Bürger vor Ort zulassen.

Siehe auch: Nach NPD-Drohung: Energie Cottbus sagt Freundschaftsspiel für Toleranz ab, NPD-WM-Planer Beier “traurig” über “Instrumentalisierung des Sports” , NRW: NPD auf Abramovich`s Spuren, Lesetipps: Fußball, Heimatkult & RechtsextremismusOwomoyela: “Die NPD-Sache hat mich sehr aufgebracht”, “WM-Planer”: Bewährungsstrafe für NPD-Chef Voigt, WM 2006: Die Welt zu Gast bei Feinden?, Brandenburg: NPD-Drohung “war nur Spaß”, Rathenower NPD-Chef soll Fußballfan geschlagen haben, Schönbohm: NPD in Brandenburg nicht kampagnenfähig

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