NPD-Spitzenfunktionäre wollen KdF-Museum gründen / Szeneinterne Kritik

Für mehre hundert Polizeibeamte wird es in Wolfsburg ein heißer Sonnabend – und dass nicht nur wegen der Witterung: In unmittelbarer Näher des Stammwerks der Volkswagen AG wollen Rechtsextremisten um den Hamburger Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger einen Verein auf offener Straße gründen, dessen Ziel die Schaffung eines rechtsextremen Museums sein soll. Das Museum soll an die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF) erinnern und auch deren Namen tragen.

Von Stefan Schölermann, NDR Info 

Die Neonazis sprechen selbst von einer „bewussten Provokation“ der Volkswagen AG und der Stadt Wolfsburg, die im Dritten Reich von den Nazis als „KdF-Stadt“ bezeichnet worden war. Zu dieser „Provokation“ erwartet Riegers langjähriger Gesinnungsgenosse Thomas Wulff 200 braune Mitstreiter.

Doch die Neonazis um Jürgen Rieger haben die Rechnung nicht nur ohne den Wirt gemacht, sie haben sich selbst in eigenen Kreisen offenkundig viele Sympathien verscherzt. Die tatsächliche Zahl der braunen Demonstranten dürfte einige Dutzend nicht überschreiten.

Hat Wulff die Unwahrheit gesagt?

Die Stadt Wolfsburg setzt sich mit ihren Mitteln zur Wehr: Eine außerplanmäßige Sitzung der Ratsversammlung soll eine Resolution gegen Rechtsextremismus verabschieden. Außerdem werden Gegendemonstranten in erheblicher Überzahl erwartet. Auch juristisch ist die Stadt vorsorglich mit Verbotsverfügungen aktiv geworden. Der Grund: Angeblich hatte Jürgen Rieger bereits vor geraumer Zeit Teile eines Gewerbegebäudes unmittelbar gegenüber dem VW- Werk für sein „Museum“ angemietet.

So hatte es zumindest Thomas Wulff öffentlich erklärt. Eine solche Nutzung untersagte die Stadt aus rechtlichen Gründen. Zugleich wurde aber deutlich dass Thomas Wulff offenkundig die Unwahrheit gesagt hatte, als er von dem Mietvertrag sprach. Die Eigentümerin des Gebäudes hat in einem Hintergrundgespräch bei Wolfsburger Behörden nach Informationen von NDRInfo die Existenz eines solchen Mietvertrages bestritten.

Auftakt zum NPD-Bundestagswahlkampf

Mag das Museumsvorhaben also schon jetzt erkennbar gescheitert sein, will der selbst in Szenekreisen umstrittene Rieger den Aufmarsch in Wolfsburg für eine großspurige Eigenwerbung nutzen. Vorsorglich ließ er die Veranstaltung als „Auftakt zum NPD-Bundestagswahlkampf“ anmelden, um ein Versammlungsverbot der Wolfsburger Behörden zu unterlaufen. In Szenekreisen wird Rieger dieses Verhalten als „großspurige Anmaßung“ ausgelegt, was die Teilnehmerzahl auf der rechten Seite deutlich zusammenschrumpfen lassen dürfte.

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So wirbt die NPD für ihren Auftakt zum Bundestagswahlkampf… 

Ungemach droht den „Museumsgründern“ auch von anderer Seite. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft prüft zurzeit, ob ein Flugblatt, mit dem die Neonazis szeneintern für die heutige Veranstaltung geworben hatten, gegen Strafgesetze verstoßen könnte. Dass dieses Flugblatt überhaupt die braunen Kreise verlassen konnte ist zugleich Beleg für die Zerrissenheit der Szene. Das Flugblatt trug als Aufdruck die ausdrückliche Bitte der Geheimhaltung. Wenige Tage waren die Inhalte im Internet nachzulesen. Dies brachte Riegers Mitstreiter Thomas Wulff den Vorwurf „dilettantischer Vorbereitung“ ein. Nicht nur deshalb dürfte der braune Anwalt an seinem „KdF“-Museum wenig Freude haben.

Siehe auch: Rechtsextremes “Kulturzentrum” in Wolfsburg?Neonazis wollen in Wolfsburg “Kraft durch Freude”-Verein ins Leben rufen.

2 thoughts on “NPD-Spitzenfunktionäre wollen KdF-Museum gründen / Szeneinterne Kritik

  1. Bei dem Zeichen handelt es sich offensichtlich um ein verbogenes Hakenkreuz. Damit dürfte die Strafbarkeit gegeben sein.

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