Bundeswehr unterstützt Gedenkfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppen e.V.

Die Bundeswehr wird die Gedenkfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppen e.V. unterstützen. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung (16/13064) auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion (16/12793) hervor. 66 Soldaten würden aus diesem Anlass eingesetzt. Die entstanden Kosten von mehr 3.800 Euro würden dem Kameradenkreis in Rechnung gestellt. Die in Rede stehende „intensive Zusammenarbeit“ zwischen der Bundeswehr und dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe e. V. gibt es laut Regierung hingegen nicht.

Die Fragesteller hatten schon mehrfach ausgeführt, dass der Kameradenkreis die Wehrmachts-Gebirgstruppen trotz ihrer massenhaften Verbrechen für traditionswürdig hält. Sein Ehrenpräsident war der in Nürnberg wegen Kriegsverbrechen verurteilte General a. D. Hubert Lanz. Bisheute bekennt sich der Verein zu diesem faschistischen Massenmörder. Noch im vergangenen Jahr zitierte der Vorsitzende der Mittenwalder Ortskameradschaft Hubert Lanz mit den Worten, die deutschen Gebirgstruppen hätten zur „Elite“ der Wehrmacht gehört.

Denkmal mit „Sprengkraft“

Die Gemeinde Mittenwald hatte am 04. Juni 2009 ein Denkmal für NS-Opfer abräumen lassen. Das Denkmal wurde im Münchner Merkur als “Geschenk mit Sprengkraft” bezeichnet. Enthüllt hatte das Denkmal – sichtlich bewegt – unter anderem der französische Jude Maurice Cling (79). Als 15-Jähriger war er Teilnehmer des berüchtigten Todesmarsches vom KZ Dachau nach Tirol, der in Mittenwald wegen der heranrückenden Amerikaner ein abruptes Ende fand.

Das Denkmal ist dem Bericht des Blatts zufolge ein “Schwarzbau” und könnte den Bürgermeister in Bedrängnis bringen. Sollte er dieses nicht abbauen lassen, “werden sicher Vorwürfe von Seiten des Kameradenkreises der Gebirgstruppe laut”. Offenbar reichte diese Befürchtung, um ein Denkmal für die NS-Opfer abzubauen.

“Affront gegen die Überlebenden”

Der Arbeitskreis “Angreifbare Traditionspflege” hatte das Projekt realisiert. Die Entfernung des am Pfingstsamstag enthüllten Denkmals sei “ein Affront gegen die Überlebenden und die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen”, heißt es in einer Stellungnahme. Das Denkmal trug folgende Inschriften:

“In Trauer um die Opfer der Kriegsverbrechen, die im 2. Weltkrieg von Gebirgsjägern der deutschen Wehrmacht in ganz Europa begangen wurden. In Gedenken der unter Beteilung der Gebirgstruppe deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden. In Erinnerung an den Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Dachau, der am 1. Mai 1945 in Mittenwald endete. Dem Markt Mittenwald gestiftet am 30. Mai 2009 vom AK Angreifbare Traditionspflege. Die Steine stammen aus den Ruinen des italienischen Dorfes Falzano di Cortona. Deutsche Gebirgsjäger haben am 27. Juni 1944 das Dorf in der Toskana zerstört und 14 Dorfbewohner ermordet. Nie wieder Krieg Nie wieder Faschismus”

“Kampagne über die Verbrechen der Gebirgsjäger”

Die Steine in der Glasvitrine wurden von der Gemeinde Cortona dem AK Angreifbare Traditionspflege für diesen Zweck überlassen. Der Abbau des Denkmals sei “ein besonderer Affront gegen die Opfer dieses Verbrechens von Gebirgsjägern, ihren Angehörigen sowie der Gemeinde Cortona”.

Der Arbeitskreis kündigte an, die internationale Kampagne und Diskussion müsse fortgesetzt werden. Man habe eigentlich die “Kampagne über die Verbrechen der Gebirgsjäger und gegen deren jährliche Traditionsfeier auf dem Hohen Brendten abschließen” wollen. Das Denkmal sollte einen dauerhaften Erinnerungsort für die genannten NS-Opfer schaffen. Die Diskussion im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt um das Denkmal hätten aber gezeigt, dass die Bevölkerung in der Gemeinde Mittenwald keine Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Gebirgstruppen im Zweiten Weltkrieg wünsche, nicht einmal ein Gedenken an die Opfer der Verbrechen zulassen wolle. Der Abbau des Denkmals von offizieller Seite spreche für sich.

Der Arbeitskreis kritisierte zudem, dass der Auschwitz-Überlebende Maurice Cling auch bei seinem zweiten Besuch in Mittenwald nicht von einem Vertreter der Gemeinde offiziell begrüßt wurde. Cling sagte bei der Enthüllung des Denkmals am Pfingstsamstag, dass er das Denkmal stellvertretend für die enthüllen würde, die auf dem Todesmarsch ermordet wurden. Erst mit diesem würdigen Gedenken sei für ihn der Todesmarsch beendet.

Die Frankfurter Rundschau zum Thema. Die Kampagne “Keine Ruhe den NS-Tätern!

Siehe auch: Bundesregierung: Klage richtet sich nicht gegen NS-Opfer, Studie: Milde gegen NS-Mörder, Härte gegen Kommunisten, Deutschland muss im Fall Civitella NS-Opfern Entschädigung zahlen, Bayern: Prozess gegen bereits verurteilten Kriegsverbrecher, Dokumentation: Anfrage im Bundestag zu Entschädigung von NS-Opfern, Ehrenerklärung für mutmaßlichen Kriegsverbrecher / Juristische Mittel gegen Entschädigungsforderungen, Keine Neubewertung der deutschen Besatzungspolitik in GriechenlandGriechenland unter dem Hakenkreuz , Gebirgsjäger der Wehrmacht in Griechenland 1941-1944, Blutiges Edelweiß: Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg