Polizei verprügelt angeblich Neonazi-Opfer

Die Opferberatung Chemnitz hat nach einem Bericht der jungen Welt schwere Anschuldigungen gegen die Polizei erhoben. Bei einem Einsatz im sächsischen Ort Rochlitz, etwa vierzig Kilometer nördlich von Chemnitz, hätten mehrere Beamte die Opfer eines Neonaziüberfalls verprügelt, erklärte die Organisation am Montag. Nach den Angaben waren drei Punks am vergangenen Freitag auf dem Marktplatz der Stadt von rund 15 Neonazis attackiert worden. Die Polizei sei aber nicht gegen die Angreifer vorgegangen, sondern gegen die Opfer, heißt es.

Die Polizei in Chemnitz erklärte dem Bericht zufolge, die Vorwürfe würden derzeit geprüft. Ein Polizeisprecher sagte demnach, es gebe bislang »keine Anzeichen, daß an der Sache was dran ist«. Ersten Ermittlungen zufolge seien die alkoholisierten Punks auf die Polizisten losgegangen. Der Sprecher sagte weiter, es gebe bislang keine Hinweise auf einen Neonaziüberfall. Auch seien zum Zeitpunkt des Polizeieinsatzes keine Rechtsextremisten in der Nähe gewesen. Nach seinen Angaben laufen dagegen bereits Ermittlungen gegen einen 18jährigen Punk wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gegen einen 19jährigen wegen Beamtenbeleidigung. Die anderen Vorwürfe würden ebenfalls geprüft, Strafanzeigen gegen Polizisten lägen bislang nicht vor.

Aus Sicht der Opferinitiative Chemnitz stellt sich die Situation allerdings etwas anders dar. Die mobile Beratung für Opfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt sprach von massiver polizeilicher Brutalität gegen die Punks. Diese seien von Polizisten geschubst und ins Gesicht geschlagen worden. Die noch anwesenden Neonazis seien hingegen unbehelligt geblieben.

Siehe auch: Neonazi-Aufmarsch in Dresden: Angriff auf Journalisten