Chef der Jungen Witikonen schreibt für NPD-Zeitung

Im März 2009 erreichte NPD-BLOG.INFO eine Mail von den „Jungen Witikonen“. Darin hieß es: „In diversen Artikel hatten sie die „Jungen Witikonen“ und den „Witikobund“ als rechts-extremistisch dargestellt. Wir weisen diese Behauptungen scharf von uns und verweisen auf nachstehende Presseerklärung.“

In dieser Erklärung heißt es, die Jungen Witikonen seien nach ihrer Gründung ebenfalls ins Visier der „antifaschistischen“ Zivilcourage der Straße wie des Gossenjournalismus wie der Parlamente geraten. Man weise „nachdrücklich auf ihre dezidiert christlich-konservative, vaterländische Ausrichtung und ihre Treue zur nach 1945 geraubten Heimat deutscher Stämme hin“. Im Folgenden zitierten die JW noch Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn, der es den Jungen Witikonen offenbar sehr angetan hat, denn in der jüngsten Ausgabe der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ schreibt der JW-Bundesvorsitzende und Autor der „Blauen Narzisse“, Marco Reese, über Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn.

Bemerkenswert, denn ansonsten versuchen Leute aus neurechten Kreise – wie beispielsweise der Blauen Narzisse – mögliche Verbindungen zu Neonazis eher nicht öffentlich werden zu lassen. Doch Reese scheint hier weniger Scheu zu haben. In seinem Beitrag für die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ bewirbt er zudem eine „Monographie“ über von Kuhnelt-Leddihn, die „voraussichtlich Ende des Jahres“ erscheine. Mitautoren: Marius Augustin und Martin Möller.

Mit Neonazis bei der BIA

Ein Marius Augustin* ist seit einigen Wochen für die Öffentlichkeitsarbeit der NPD-Tarnorganisation „Bürgerinitiative Ausländerstopp
München“ verantwortlich. Auch er schreibt für die Deutsche Stimme, genau wie der Stadrat der BIA, Karl Richter, von der NPD. Zudem sitzt im Vorstand der BIA der Neonazi Phillip Hasselbach, Gründer der „Freien Nationalisten München“.

Bei Martin Möller könnte es sich möglicherweise um den Betreiber der Seite „Monarchieliga“ handeln, wie es die Namensgleichheit und die dortigen Bezüge auf Erik Ritter von Kuehnelt-Leddihn nahelegen. Dieser Martin Möller war übrigens im August 2008 fast zum Zensuropfer des Magazins „Eigentümlich frei“ geworden

NPD-Funktionär als Stellvertreter

Allerdings war auch schon zuvor eine Kooperation mit NPD-Kadern offensichtlich. So ist der Stellvertreter Reeses als JW-Chef, Willi Wiener, zugleich NPD-Kreisvorsitzender Regensburg. Neben Wiener steht ihm der Braunschweiger Pädagoge Gernod Kresse als stellvertretender Bundesvorsitzender zur Seite. Kresse sei zugleich Bundesvorsitzender der „Schlesischen Jugend“ und einst Funktionär der niedersächsischen „Jungen Nationaldemokraten“ gewesen, berichtete redok. Eigenbekunden zufolge verstehen sich die „Jungen Witikonen“ als „Speerspitze der Jugendarbeit in Vertriebenenverbänden“.

Und Endstation Rechts berichtete im Januar 2009 über einen „jungen Mann aus dem Umfeld der Blauen Narzisse“, der sich in einem Video um „Kopf und Kragen geredet“ habe. Dabei handelte es sich um Reese, der demnach ausgeführt hatte, dass die „Neue Rechte“ nicht in Abgrenzung zum Nationalsozialismus definiert werden sollte, da dieser schließlich mit Blick auf die Rechte des 19. Jahrhunderts selbst „EINE UNTER MEHREREN Strömungen der NEUEN RECHTEN des 20. Jahrhunderts“ gewesen sei. Die Autorenschaft von Reese für die „Deutsche Stimme“ erklärte Endstation Rechts, das gegen die These einer Scharnierfunktion der Neuen Rechten  anschreibt, nun mit „unliebsamen Ausfransungen“ an den „Rändern“ der Neuen Rechten.

Kooperation mit der DVU

Allerdings kooperierten die Witikonen zuletzt offenbar auch mit der rechtsextremen DVU. So hieß es auf den Seiten der Volksunion, man erprobe „weiter neue Wege der Öffentlichkeitsarbeit“. Entscheidend sei „die Präsenz rechter Positionen in der Gesellschaft. Das Zusammenwirken verschiedener Kräfte, also die Vernetzung Freier Kräfte, der NPD sowie anderen Organisationen, wie dem Schutzbund und den Witikonen mit der DVU, zeigt, wohin die Reise einer einheitlichen Rechten gehen muss.“

Ein Kommentator meinte zu dem gemeinsamen Agieren von neurechten und offen rechtsextremen Kreisen: „Ich finde es sehr gut, dass die heutigen gemeinsamen Aktionen nicht nurr auf dem Papier stattfinden, sondern auch die Kameraden der Witikonen usw. erkannt haben, dass nur gemeinsame Aktionen Sinn machen. Hier wird mal wieder deutlich, wie schädlich und auch lachhaft der Kurs der REP’s ist – NUR GEMEINSAM SIND WIR STARK!“

*Anmerkung 25. Mai 2012: Herr Augustin betont, er habe sich im Jahr 2009 von der rechtsextremen Szene distanziert, er habe seitdem nichts mehr mit diesem Spektrum zu tun.

Siehe auch: Das Institut für Staatspolitik – die wichtigste Weiterbildungseinrichtung der neurechten Szene“Deutschlandpolitische Akademie” in Bad Lauterberg, Witikobund: Gesinnungsvertriebene, “Vorsätzlich geplante Vernichtungsaktion” gegen Deutsche – kein Kommentar, “Schlesische Jugend” und “Junge Witikonen” planen “Akademie”, Linktipp: “RECHTSKONSERVATIV – Im Moment sehr erheitert”

Hintergrund: Die Neue Rechte (redok)

9 thoughts on “Chef der Jungen Witikonen schreibt für NPD-Zeitung

  1. 1. Ich stehe mitnichten dem Nationalsozialismus nahe, sondern vertrete ihm gegenüber einen Standpunkt, welcher demjenigen bspw. Kuehnelt-Leddihns, aber auch anderer, ähnlich denkender Personen recht nahekommt.
    Wer den Artikel, oder auch meine Beiträge in der Blauen Narzisse liest, wird nicht umhinkommen, dies einzusehen.

    2. Ebensowenig stehen andere in Ihrem Text genannte Personen dem NS nahe.

    3. Es ist ein Irrtum zu meinen, der Autor eines Artikels müsse sämtlich mit der Auffassung der Herausgeber oder gar der Zielgruppe des veröffentlichenden Blatts einverstanden sein.

  2. Sehr geehrter Herr Reese,
    Sie weisen Vorwürfe zurück, die keiner erhoben hat. Wer den Text oben liest, wird nicht umhinkommen, dies einzusehen.
    Kein Publizist der Welt wird übrigens mit allen Meinungen und Artikeln einer Zeitung übereinstimmen.
    Patrick Gensing

  3. Wissenswert zur Kooperation zwischen NPD und Jungen Witikonen ist meiner Meinung nach auch, dass sich unter den Unterstützuern der JN-Demo am 1. Mai in Ulm auch der Junge Witikonen – Bundesverband e.V. befindet,
    siehe hxxp://1mai.jn-bw.de/ –> Unterstützer

  4. Schon heftig. Ich bin ja zwar linksliberal, aber für „Unsere Zeit“(die DKP-Hauszeitung) würde ich trotzdem nicht schreiben wollen. Ich lese sie nicht einmal.

    Bei mir ist mit der Zeit eh die Meinung gereift, dass der einzige wirklich wesentliche Unterschied zwischen Neurechten Kreisen und Nazis das Verhältnis zur Wirtschaft betrifft. Viele andere Bereiche, z.B. das Elitebewusstsein, die Ehrvorstellungen, das Verhältnis zur Zuwanderung und zu Linker Politik, weisen deutliche Ähnlichkeiten auf.

    Ansonsten: Einen inhaltlich auffälligen Blauen Nazissen-Artikel kann ich nur sehr schwer einordnen. Vielleicht hilft mir da mal jemand auf die Sprünge:

    http://www.blauenarzisse.de/v2/index.php?option=com_content&task=view&id=228&Itemid=33

  5. Übrigens gehört Herr Marco Reese ja auch der Burschenschaft Normannia Jena an, die im sog. Braunen Haus in Jena resediert. Seine Abgrenzungen hier sind nur taktischer Natur, da darf man nichts für ernst nehmen. XXX [Tatsachenbehauptungen entfernt, bitte mit Quellen belegen]

    Ich fragen Sie Herr Reese

    1. Wie stehen sie zu der historischen Verantwortung Deutschlands auf Grund der Shoa?
    2. Wie stehen sie zum Judentum und Islam?
    3. Wie stehen sie zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung?
    4. Wie stehen sie zu den Menschenrechten?
    5. Wie stehen sie zum Liberalismus?
    6. Wie stehen sie zur französischen Revolution?

  6. Der verlinkte Artikel ist – unschwer zu erkennen anhand der verwendeten Antifa-Phrasen – Satire, die genau auf die Diskrepanz zwischen der Rechten und dem NS hinweist, nur zur Abwechslung einmal aus imaginierter NS-Sicht.

    Herr Werner, ich mag es nicht, wenn mir verhörartige Fragen gestellt werden, bzw. Fragen wie aus dem Munde eines Staatsanwalts, da wir uns nicht vor Gericht befinden – oder doch vor dem antifaschistischen Gesinnungstribunal?

    noch dazu, wenn der Fragesteller sich die Antwort denken kann und gegebene Antworten ohnehin zurechtbiegt – jedenfalls steht das zu vermuten, wenn eingangs schon Ablehnendes gesagt wird.

    Dennoch versuche ich es einmal kurz:

    1. Deutschland hat in der vernichtungswütigen Moderne teils ebenso seine unrühmliche Rolle gespielt wie andere Länder und Völker auch. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Die historische Verantwortung ist eher eine gemeinsame der größenwahnsinnig gewordenen abendländischen Menschheit seit der Aufklärung. Ebenso wichtig sind die zahlreichen Gegenbilder, d. h. Vorbilder, und die stehen beileibe nicht „links“.

    2. Ich bin überzeugter Christ und habe daher entsprechend starke theologische Vorbehalte gegenüber beiden Religionen. Völkische Fragen sind aber etwas anderes, wenngleich beides einander durchdringt.

    3. Die Bezeichnung FDGO ist zumindest heute eine Phrase, die deutlich nach links weist. Ansonsten wäre das Verhältnis von Freiheit – die auch erst zu bestimmen wäre – und Demokratie – die ebenfalls genauer zu definieren wäre – zu klären. So jedenfalls erscheint mir die Bezeichnung als Konglomerat, als Amalgam. Letztlich als Phrase.

    4. Rechte hat kein Mensch aus sich heraus, sondern von seinem Schöpfer, innerhalb der Ordnungen, in die er gesetzt ist, und sie sind verknüpft mit Pflichten.
    Das Recht an sich liegt bei Gott.
    „Menschenrechte“ ist heuer ebenso eine Phrase und im übrigen nicht einmal nur heute, sondern der Ausdruck war es bereits, als in seinem Namen Menschen zum Fallbeil geschleppt wurden.

    5. Was ist Liberalismus? Aber vielleicht erhellt meine Antwort zu 6. auch diesen Punkt.

    6. Ich kann einer Revolution nichts abgewinnen, welche die Göttin der Vernunft proklamiert, das Christentum abschafft und verfolgt,die Ordnung zertrümmert, Menschen unter das Fallbeil führt, hunderttausend kirchen- und königstreue Bauern und Landadlige abschlachten läßt.
    Und weiterhin Mutter des Bolschewismus ist und auch, wie nicht nur der von mir so sehr geschätzte Kuehnelt-Leddihn, oder Graf Huyn oder Martin Mosebach und weitere Rechte/Konservative, bemerken, sondern auch Horkheimer feststellte, des Nationalsozialismus.

    Ich denke, das genügt.

    Interessieren würde mich, was vor der Bearbeitung Ihres Eintrags durch den Moderator noch zu lesen war.

    Im übrigen „wohnen“ wir NICHT im „Braunen Haus“. Ich werde Ihnen aber ganz sicher nicht auf die Nase binden, wo.

  7. Die Jungen Witikonen unterstützen sogar die JN-Großdemonstration in Ulm/Neu-Ulm am 1. Mai. Unter hxxp://1mai.jn-bw.de/ sind sie bei den Unterstützer-Gruppen eingetragen.

  8. ich kann kaum verstehen, wie herr reese von sich behaupten kann, er sei christ und das durchdringe sich mit völkischem denken. christus, der im gleichnis vom barmherzigen samariter den fremden, angehörigen eines verfeindeten volkes, als einzigen helfer darstellt. der den römischen besatzer zachäus vom baum holt und sein haus betritt, um mit ihm zu essen. der sich mit den geringsten gleichstellt kann nicht als beispiel für ein exkludierendes konzept dienen, das sich völkisch nennt.

    ich bin mir sicher, herr reese, christus hätte ihnen vergeben.

    .~.

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