Rechtsextremes “Kulturzentrum” in Wolfsburg?

Das hat der Volkswagenstadt Wolfsburg gerade noch gefehlt: Ein rechtsextremes „Kulturzentrum“, in dem Wehrmachtsfahrzeuge aus VW-Fertigung und Propaganda-Filme aus dem Dritten Reich über die Gründung der sogenannten „KDF“-Stadt gezeigt werden. Und all das genau gegenüber dem VW-Werk am Volkswagen-Stammsitz. Wenn nichts geschieht, muss sich Volkswagen auf genau dieses Szenario einstellen.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Verantwortlich für diese Pläne ist wieder einmal der Hamburger Neonazi-Anwalt Jürgen Rieger. Bereits vor Jahren hatte er rund 800 Quadratmeter in einem langgestreckten Gewerbegebiet in der Heinrich-Nordhoff-Straße angemietet, wie der langjährige Rieger-Mitstreiter Thomas Wulff bestätigte. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das Stammwerk des Volkswagenkonzerns. Hier sollen in Zukunft VW-Militäfahrzeuge aus dem „Dritten Reich“ gezeigt werden. In einem rund 50 Personen fassenden Kino sollen zudem Streifen gezeigt werden, die sich mit „Gründung der KDF-Stadt“ Wolfsburg befassen, sagte Wulff. Zugleich wolle man in „der Region Präsenz zeigen“, sagte der Rieger Adlatus.

Der Plan könnte aufgehen, da diesmal nicht von einem “ Grundstückskauf“ des vermögenden braunen Anwalts die Rede ist, sondern lediglich von “ Miete“. Damit hat die Stadt Wolfsburg nicht die Möglichkeit, Rieger das Gebäude durch Ausübung des „kommunalen Vorkaufsrechtes“ vor der Nase wegzuschnappen.

Bewusste Provokation

Bekannt geworden waren Riegers Pläne durch ein Flugblatt, dass am Wochenende am Rande der sogenannten „Sommersonnenwendfeier“ auf dem Hof des rechtsextremen Landwirtes Joachim Nahtz verteilt worden war. Auf diesem Flugblatt wird für Anfang Juli die Gründung eines Vereines mit Namen „KdF-Museum e.v.“ angekündigt. In diesem Museum wolle man „die revolutionäre Aufbauarbeit der deutschen Arbeitsfront des Dritten Reiches“ darstellen.

Neonazi-Kader Thomas Wulff will die Gründung des Vereines als eine „bewusste Provokation“ des VW-Konzerns verstanden wissen. Noch ist nicht klar, ob hinter diesen Plänen ein ernsthaftes Konzept steckt, oder eine geschickte Strategie, öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Das niedersächsische Landesamt für Verfassungsschutz war in einer ersten Stellungnahme zurückhaltend. Sowohl das Flugblatt als auch die angeblichen Museumspläne seien beim Landesamt bekannt, hieß es aus Hannover. Das Landesamt hatte als Konsequenz aus den diversen Versuchen der rechtsextremen Szene, Immobilien zu erwerben, eine zentrale Anlaufstelle geschaffen. Dort befassen sich speziell geschulte Experten mit diesen Fragen und beraten die zuständigen Stellen vor Ort über mögliche Gegenmaßnahmen. Eine solche Runde wurde gestern in der Landeshauptstadt eilends zusammengerufen. Einzelheiten sind noch nicht bekannt.

Alles nur ein Bluff?

Wenige Monate zuvor hatte eine braune Gruppierung, die sich „Neues Volk“ nannte flächendeckend Niedersachsens Schulen angeschrieben und darin „Schulungen in rechter Gesinnung“ angeboten. Das Angebot war mit der Ankündigung verknüpft, dass braune Kader eigenmächtig die Schulhöfe besuchen würden, falls das Angebot nicht schriftlich per Email abgelehnt werde. Das Schreiben hatte nicht nur bei vielen Schulleitern für Verunsicherung gesorgt, sondern auch das Kultusministerium zu einer Anordnung veranlasst, die den Pädagogen jede Kontaktaufnahme zu der angeblichen Initiative „Neues Volk“ untersagte.

Journalistische Recherchen förderten jedoch zutage, dass sich hinter dem „Neuen Volk“ lediglich ein aus wenigen Personen bestehendes braunes Internetprojekt namens „Aktionsbüro Nord“ verbarg, dessen Mitglieder gar nicht die Absicht hatten, Niedersachsens Schulen zu besuchen. Im Internet feierten die Rechtsextremisten ihren Coup als „gelungenen Bluff“. In Wolfsburg wird jetzt sicherlich auch mancher auf einen solch einen Bluff hoffen.

Siehe auch: Neonazis wollen in Wolfsburg “Kraft durch Freude”-Verein ins Leben rufen.

4 thoughts on “Rechtsextremes “Kulturzentrum” in Wolfsburg?

  1. Rieger muss nicht bluffen. Es ist bekannt, dass er Militärfahrzeuge und anderes aus dem Krieg sammelt und sicher viel Material für ein solches „Museum“ hätte. Allerdings wäre die Frage, inwiefern man einen Mietvertrag kündigen könnte. Es ist zu klären, ob der Vermieter tatsächlich weiß, wofür er sein Grundstück hergibt und ob er das möchte.

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