DVU 2.0 zwischen Selbstreflexion und Bescheidenheit – oder: die Internet-Blase ist geplatzt

Immer wenn mich Leser nach meinen Schwächen fragen, antworte ich wahrheitsgemäß: „Meine Bescheidenheit und meine übertriebene Selbstreflexion.“ Offenbar verbinden mich diese Eigenschaften mit der DVU, diese erklärt das Desaster bei der Europawahl mit… nein, nicht mit dem miesen Wetter im Juni, auch nicht mit Gammastrahlen aus dem All, sondern, selbstverständlich möchte man schreiben: angeblichem Wahlbetrug.

In einem Brief der DVU-Fraktionschefin im Landtag von Brandenburg, Liane Hesselbarth, an Medienvertreter heißt es:

„Würde man in allen Wahllokalen die Auszählung der Stimmen vom 7. Juni öffentlich wiederholen, sähe das Ergebnis für die patriotischen Kräfte sehr wahrscheinlich anders aus. Ich bin fast sicher, es gäbe mindestens eine Handvoll Mandate mehr für die NPD und auch meine Partei, die DVU, käme wohl auf ein Wahlergebnis deutlich oberhalb von 0,5 %. Es ist erschreckend, wie man im heutigen Deutschland über angebliche Wahlmanipulationen im Iran schimpft, den offensichtlichen Betrug im eigenen Land aber totschweigt.“

Hesselbarth, die auch mit der neonazischischen NPD paktiert, fordert die Bürger richtigerweise auf, die demokratischen Wahlen zu unterstützen:

„Bürger, passt auf Eure Stimmen auf! Werden Sie Wahlbeobachter! Strömen Sie massenhaft in die Wahllokale, um massenhaften Wahlbetrug zu verhindern und die Demokratie in Brandenburg zu stärken!“

Verfassungsschutz: „Doof, doofer, Dööfchen“

Selbst der Verfassungsschutz kann bei so viel Dusseligkeit nicht mehr an sich halten und kommentiert weitere „Analysen“ der DVU nach der Europawahl mit „Doof, doofer, Dööfchen“:

Magere 0,4 Prozent erhielt die rechtsextremistische DVU bei der Europawahl am 7. Juni 2009. Zu wenig für eine Wahlkampfkostenerstattung. Für die neue DVU-Parteispitze um das ehemalige NPD-Mitglied Matthias Faust und den NPD-Überläufer Andreas Molau ist das ein harter Tiefschlag. Dort hatte man sich mehr erhofft. Auch in Brandenburg verkommt die DVU mit ihren 10.601 Stimmen (1,7 Prozent) zur unbedeutenden Splitterpartei. Wahrscheinlich wird jetzt der letzte Akt im DVU-Todeskampf eingeläutet. […]

Setzt die DVU ihre Looser-Serie konsequent fort, dann scheitert sie September 2009 bei der brandenburgischen Landtagswahl und wäre am Ende. In dieses Bild passen sehr gut Äußerungen der Europawahl-Spitzenkandidatin und DVU-Fraktionsvorsitzenden im Landtag Brandenburg, Liane Hesselbarth. Im DVU-Selbstinterview zu den 0,4 Prozent ihrer Partei erklärt sie selbstbewusst: „Die Brandenburgerinnen und Brandenburger wollen, dass ich meine Arbeit hier im Land fortsetze und haben mich deswegen nicht nach Straßburg geschickt.“ Und „die Bürger“ wollten „Birgit Fechner, Sigmar-Peter Schuldt und mich nicht an das Europaparlament verlieren“. Auf der brandenburgischen DVU-Homepage findet sich dazu prompt der Kommentar eines Lesers: „… ein solches Interview mitsamt der entsprechenden Einschätzungen ruiniert … den Ruf der Fraktionsvorsitzenden total. Jeder halbwegs politisch denkende Mensch muss sich … jetzt denken ‚mein Gott, ist das ein Naivchen und Dööfchen‘.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

DVU 2.0 – die Internet-Blase ist geplatzt

Die DVU scheint somit vorerst mit ihrem Relaunch, der hauptsächlich im virtuellen Raum stattfand, komplett gescheitert zu sein. Die NPD erkennt die Schwäche des Bündnispartners und erhöht weiter den Druck, wobei die DVU ohnehin schon fast alle erfolgsversprechenden Kandidaturen an die NPD abtreten musste. DVU-Chef Matthias Faust reagierte nicht auf eine Anfrage des Autoren, wie es mit dem „Deutschlandpakt“ weitergehen solle. DVU-Pressesprecher Molau beendete unterdessen seine Podcast-Serie auf der Seite „gesamtrechts.tk“, die angeblich so gar nichts mit der DVU zu tun haben soll. Der angebliche DVU-Mäzen Patrik Brinkman ist indes damit beschäftigt, die strategische Ausrichtung der DVU zu korrigieren, er will auf Islamfeindlichkeit setzen, während auf der DVU-Seite ein Artikel zu lesen war, in dem der iranische Präsident Ahmadinedschad abgefeiert wurde.

Als besonderen Service bietet die Band „Kettcar“ allen Flachpfeiffen weitere Schuldige für Wahlschlappen, Kriminalität und andere Missstände an. Viel Spaß!

Siehe auch: NPD-Chef Voigt kündigt Ende des “Deutschlandpakts” mit der DVU an, EU09: DVU holt nur 0,4 Prozent der (wenigen abgegebenen) Stimmen, “Die Neue Rechte” DVU feiert – mit NPD, Rennicke und “Sturmwehr”