Nachtrag: Glückwunsch, Ahmadinedschad

Am 17. Juni 2009 berichtete NPD-BLOG.INFO über die Reaktionen von DVU und dem „linken“ Publizisten Jürgen Elsässer auf die Wahl und die folgenden Proteste im Iran. Auch die neonazistischen „Jungen Nationaldemokraten“ wollten da nicht nachstehen: In einem „Hintergrundbericht“ verklärt die NPD-Jugend Ahmadinedschad zu ihrem Helden. Ausschnitte aus einer „E-Post“:

Obwohl der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad in demokratischen Wahlen von 62% seines Volkes in seinem Amt bestätigt worden ist – und das bei 85 % Wahlbeteiligung, versucht die internationale Hochfinanz den ihr genehmen Kandidaten Mir Hossein Mussawi dennoch an die Macht zu bringen. Mahmud Ahmadinedschad kann als wahrer Führer seines Volkes bezeichnet werden. Er ist ein echter Volkspräsident, der besonders bei den armen Menschen seines Landes und bei der Landbevölkerung großen Rückhalt genießt.

Die Neonazis, welche sich gerne als verfolge Minderheit gerieren, feiern im Folgenden Zensurmaßnahmen ab: Kein McDonalds, keine „dekadente Musik“. Fehlt eigentlich nur noch das standrechtliche Erschießen von TV-Geräten – und Bücherverbrennungen selbstverständlich:

Doch nicht nur durch sein Vorleben des Volksgemeinschaftsprinzips (Gemeinnutz geht vor Eigennutz) fiel Ahmadinedschad auf, sondern auch durch seinen Einsatz zur Wahrung der traditionellen Werte seines Volkes. So ließ er amerikanisch geprägte Fast-Food-Restaurants schließen und gebot der Verbreitung von dekadenten Produkten der us-amerikanischen Musikindustrie als Trägern von volkszersetzenden Inhalten Einhalt.

Die wichtigste ideologische Schnittmenge bleibt der wahnhafte Antisemitismus. Dementsprechend nimmt die Hetze gegen Juden (hier zumeist als Zionisten benannt) einen beträchtlichen Teil des Textes ein:

Sein [Ahmadinedschads] unerschrockenes Eintreten für die von Israel entrechteten und unterdrückten Palästinenser und für die Forschungsfreiheit in der Zeitgeschichte brachte ihm den Hass der zionistisch eingestellten Machthaber Israels und der USA ein. So bot Ahmadinedschad mit seiner sog. „Holocaustkonferenz“ Historikern aus aller Welt – auch jüdischen Gelehrten! – die Gelegenheit, die Judenpolitik des Dritten Reiches frei – ohne Drohung durch mehrjährige Haftstrafen bei abweichenden Meinungen (wie in der BRD üblich) zu diskutieren.

Die Proteste im Iran sind, wie sollte es anders sein, von außen gesteuert…

Da außenpolitischer Druck nicht ausreichte um Ahmadinedschad zu stürzen, sondern vielmehr bewirkte, dass das iranische Volk noch enger zu seinem Führer stand, und da eine militärische Intervention nach dem Irak- und Afghanistandesaster nicht in Frage kommt, wird nun offensichtlich versucht Ahmadinedschad von innen her zu stürzen. Dazu bot sich die Präsidentenwahl an. Neben gekauften Einflußagenten sollen auch die modernen Medien, z. B. das Internet, dazu dienen, die Jugend des Landes entsprechend zu indoktrinieren. Die sog. Opposition wird vom Westen überreichlich mit Geld und technischem Material ausgestattet, um den medialen Angriff auf den iranischen Volksgeist in gang zu setzten. Auch bei der Organisation der angeblich spontanen Massenproteste wird mit US-Geldern kräftig nachgeholfen. In manchen Fällen werden die Demonstranten bezahlt, um für die westliche Presse die gewünschten Bilder zu produzieren.

Im Folgenden erklären die Neonazis, warum der neue US-Präsident Obama viel schlimmer sei, als sein Vorgänger Bush.

Bemerkenswert erscheint, dass die US-Obama Regierung nicht mehr eine offene Konfrontationspolitik mit ihren Gegnern betreibt – wie dies die Bush Regierung tat – sondern von hinten versucht die Fäden zu ziehen und dabei noch Verständigungsbereitschaft heuchelt. Insofern ist die neue US-Regierung sehr viel gefährlicher als die alte Bushregierung. Offensichtlich haben die Hintermänner, die für alle US-Regierungen weitgehend deckungsgleich sein dürften, erkannt, dass ein „weicherer“ und raffinierter Stil in der Behandlung der Gegner wirkungsvoller ist, wie ein offener – womöglich noch militärischer Konflikt.

Ob die internationale Hochfinanz, wie damals in der Ukraine, Erfolg haben wird sei allerdings dahingestellt. Zwar ist der Iranische Wächterrat, der die Verfassung des Landes schützt, und das politisch-religiöse Staatsoberhaupt des Iran, Ajatollah Chamenei, schon dahingehend eingeknickt, dass sie das Wahlergebnis prüfen lassen wollen und eventuell Neuwahlen in Erwägung ziehen. Gleichzeitig wird aber – zumindest teilweise – gegen die bezahlten Einflußagenten vorgegangen; so sind 170 Hauptaufwiegler verhaftet worden. Es bleibt für die Zukunft des iranischen Volkes und aller gegen eine „one world“ kämpfenden Menschen dieser Welt zu hoffen, dass sich die internationale Hochfinanz im Iran nicht durchsetzt.

Iran: Hitler war Jude!

Übrigens könnten die Neonazis allerdings auch ein Haar, bzw. einen Scheitel, in der Islamistensuppe finden, wenn sie denn danach suchten. So veröffentlichte die Führung des Iran im Januar 2007 ein neues Kapitel aus ihrer Irrenhaus-Prosa. Mohammad-Ali Ramin, hochrangiger Berater von Irans Präsidenten Ahmadinedschad, sagte in einem Interview, Adolf Hitler sei Jude gewesen. Dieser habe dabei geholfen, Israel zu gründen. Hitlers Bestrebungen seien von der Sowjetunion, Großbritannien sowie jüdischen Kreisen unterstützt worden, so Mohammad-Ali Ramin laut “Israel Today” vom 02. Januar 2007. Hitlers Mutter sei eine jüdische Prostituierte gewesen, so der iranische Präsidentenberater, der ein Hauptorganisator der so genannten “Holocaust-Konferenz” in Teheran im Dezember 2006 war. Auch andere Menschen aus Hitlers Umfeld sollen Juden gewesen sein. Hier der ganze Bericht bei Memri (Middle East Media Research Institute).

„Halmond oder Davidstern?“

Zudem erkennen die etwas weitsichtigeren Köpfe in der rechtsextremen Bewegung, dass sich bei dem Bündnis mit Islamisten wieder neue Probleme ergeben: Das Hetzen gegen Moslems in Deutschland fällt dann viel schwerer. Daher bemüht sich die DVU nun, den Nahostkonflikt und die Proteste im Iran wieder aus den internen Debatten zu entfernen: Auf die sinnlose Frage „Halbmond oder Davidstern?“ gibt der DVUler Patrik Brinkman die noch dümmere Antwort: „Deutschlandflagge“. 

Dank an Volker W. für den Hinweis!

Siehe auch: Völkische Querfront: Glückwunsch, Ahmadinedschad!“Anti-Rassismus”-Konferenz: Eklat nach antisemitischer Hetzrede von Ahmadinedschad, Querfront-Träume: NPD bietet Elsässer Zusammenarbeit an, Finanzkrise als Nährboden für Antisemitismus, Deutschland, Iran und die Linkspartei, 09/11, ZOG und “Judenpresse”: Wie baue ich eine Verschwörungstheorie?, Völkischer Antiimperialismus: Bei der NPD gut aufgehoben, Von der “mitteldeutschen Volksfront” bzw. der “Volksfront von Mitteldeutschland”, Die NPD und der Holocaust: Relativieren statt leugnenBiografie von Horst Mahler – eine mindestens doppelte Wandlung, Antisemitismus in Europa – und der hilflose Kampf der UNO gegen den Judenhass, “Berlin bewegt”, “Ravensbrück rührt”, “Betrifft: Bergen-Belsen”, Auschwitz: Das präzedenzlose Verbrechen, Antisemitische und rassistische Hetze: NPD erreicht mal wieder einen Eklat, Die UNO als Forum für die “Protokolle der Weisen von Zion”Die Kontakte zwischen Neonazis und Islamisten, Veranstalter der Holocaust-Konferenz fordern Verbot der Anti-Islam-Konferenz, Nazis und Islamisten: Trotz des gemeinsamen Feindes – zu viel Hass für Kooperation, Ethnopluralismus für Fortgeschrittene: “Nazis für Israel”, Analyse: Extreme Rechte & Islam, Antisemitismus in Europa – und der hilflose Kampf der UNO gegen den Judenhass, Antisemiten unter sich: Mahler schreibt an Ahmadinedschad, ‘Zwei Araber und ein Nazi’ rappen für ‘den Tod aller Juden’, Schweiz schlägt Holocaust-Konferenz vor, Iran: “Hitler war Jude”, Holocaust-Konferenz: Finkelstein doch nicht dabei, Holocaust-Leugner: Iran soll “humanitäre Hilfe” leisten, Alarmruf gegen den globalisierten Antisemitismus

One thought on “Nachtrag: Glückwunsch, Ahmadinedschad

Comments are closed.