Staatsanwalt fordert siebenjährige Haftstrafe für den Hauptangeklagten im Göttinger „Pumpgun-Prozess“

Im so genannten Pumpgun-Prozess gegen drei Personen aus der rechtsextremen Szene vor dem Landgericht Göttingen hat die Staatsanwaltschaft am 15. Juni 2009 eine siebenjährige Haftstrafe für den 34-jährigen Hauptangeklagten Mario M. gefordert. Die Strafverfolgungsbehörde wirft dem ehemaligen Bundeswehrausbilder u.a. versuchte schwere Brandstiftung sowie mehrere Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz vor. Der ursprüngliche Vorwurf des „versuchten Totschlags“ lasse sich nicht belegen, sagte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner in seinem Plädoyer.

Von Kai Budler für NPD-BLOG.INFO

Gemeinsam mit zwei 34 und 39 Jahre alten Mitangeklagten muss sich Mario M. seit April 2009 vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Er soll im November 2008 in einer Göttinger Table Dance Bar mit einer abgesägten Pumpgun auf einen Mitarbeiter geschossen haben. Nachdem er und vier weitere Neonazis aus dem Haus geworfen wurden, soll er mit den anderen beiden Angeklagten zwei Brandsätze gegen das Gebäude geworfen haben.

Der Einschätzung des Gerichts, nach der den Angeklagten eine versuchte schwere Brandstiftung nicht nachweisbar sei, folgte die Staatsanwaltschaft nicht und verwies auf das Gutachten eines Sachverständigen des Landeskriminalamtes (LKA). Der 34-jährige Göttinger sei ein „krimineller Waffenfreak“ und der „Anführer des Trupps“ in der Tatnacht gewesen. Sein Faible für scharfe Waffen sei höchst gefährlich, zumal er auch eine von ihm erworbene Schrotflinte an den gleichaltrigen Mitangeklagten Dirk N. aus Dassel bei Göttingen weiter verkauft hatte. Für den gelernten Koch forderte Heimgärtner wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Verstoßes gegen das Waffengesetz eine Gesamtstrafe von drei Jahre und neun Monaten. Der 34-jährige sei zur Tatzeit zwar erheblich alkoholisiert gewesen, so dass eine verminderte Schuldfähigkeit nicht auszuschließen sei. Allein die 14 Einträge in das Bundeszentralregister und mehrere Gefängnisaufenthalte zeugten aber von seiner „erheblichen kriminellen Energie“.

Anders verhalte es sich bei dem 39 Jahre alten Axel B., der als „kleinstes Licht in der Gruppierung“ offenbar nur Befehle ausgeführt habe, als er an einer Tankstelle Benzin und zwei Flaschen für den Bau der Molotow-Cocktails gekauft hatte. Als einzig Nüchterner habe er jedoch um die Gefährlichkeit der Situation wissen müssen. Wegen versuchter schwerer Brandstiftung forderte der Staatsanwalt für ihn eine zweijährige Haftstrafe zur Bewährung und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Die Verteidiger der Angeklagten kamen naturgemäß zu einer anderen Einschätzung: so sei für den Hauptangeklagten eine Gesamtstrafe von vier Jahren und sechs Monaten gerechtfertigt, für Dirk N. maximal eine zweijährige Bewährungsstrafe und 200 Arbeitsstunden und auch für Axel B. sei die geforderte Bewährungsstrafe zu hoch. Das Urteil vor dem Landgericht Göttingen wird für den kommenden Freitag erwartet.

Waffenarsenal gefunden

Bei Hausdurchsuchungen nach den Ereignissen in dem Göttinger Nachtclub waren die Ermittler besonders bei Mario M. neben der Tatwaffe auf ein regelrechtes Waffenarsenal gestoßen. Diese Funde hatten im Januar 2009 zu groß angelegten Hausdurchsuchungen in der südniedersächsischen Neonaziszene geführt, zwei Wochen hob die Polizei einen Waffenhändlerring mit Schwerpunkt in Osterode am Harz aus. An diesem Schlag dürften die kurz zuvor gewonnenen Erkenntnisse einen erheblichen Anteil gehabt haben.

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler dem Ring, nachdem sich ein Rechtsextremer aus dem Landkreis Osterode im Jahr 2007 mit einer Pumpgun in die eigene Decke geschossen hatte. Auch der heute 26-jährige Kraftfahrer aus Hörden am Harz war an der Auseinandersetzung in der Table Dance Bar beteiligt. Als Zeuge im „Pumpgun-Prozess“ verweigerte er auf Anraten seines Rechtsbeistandes Klaus Kunze die Aussage. Die Zukunft der bei den Angeklagten beschlagnahmten Waffen ist hingegen sicher: die Beschuldigten stimmten einer Vernichtung im Verbrennungsofen Hildesheim zu.

Siehe auch: Aus für Bombenstimmung in Göttinger Table Dance Bar, Schießerei in Nachtbar: Polizei ermittelt Herkunft der Pumpgun, Niedersachsen: Rechtsextreme orientieren sich neu, Prozessbeginn gegen Neonazis wegen Schießerei mit Pumpgun, Schwere Brandstiftung: Anklage gegen südniedersächsische Neonazis, Linke befürchtet terroristisches Neonazi-Netzwerk in Südniedersachsen, Anzeige gegen NPD-Vorstand Heise wegen Volksverhetzung, NPD-Bundesvorstandsmitglied Heise wirbt offenbar mit KZ-Szene, Waffenfunde bei Durchsuchungsaktion gegen Neonazis in Südniedersachsen, Niedersachsen: Neonazis unter Waffen, Südniedersächsische Neonazi-Szene nach Waffenfunden im Visier, Polizei stellt bei Hausdurchsuchungen Waffenarsenal sicher, Rechtsextreme beim Table-Dance mit Pumpgun und Brandsätzen, Niedersachsen: Kein Neonazi-Schwerpunkt im Südharz?