Aus dem Harz nach Walhalla: illustre Trauerliste nach Tod von Michael Müller

Am Morgen des 30. Mai 2009 ist mit Michael Müller eine der bekanntesten Personen der rechtsextremen Musikszene an einem Hirntumor gestorben. Der Liedermacher mit Wohnsitz in Bad Lauterbeg im Harz habe den „langen tapferen Kampf gegen seine heimtückische Krankheit“ verloren und sei „zur großen Armee abberufen worden“, heißt es in einem Nachruf des von dem Neonazi Thorsten Heise betrieben WB-Versandes.

Von Kai Budler für NPD-BLOG.INFO

Die Familie des mehrfach vorbestraften NPD-Bundespolitikers befindet sich auf der Trauerliste gleich hinter dem Namen der Witwe des Verstorbenen, der rechtsextremen Liedermacherin Anett Müller. Gemeinsam mit ihrem 1975 in Bayern geborenen Mann trat Annett als „Faktor Deutschland“ auf , nebenbei verfolgten beide ihre Soloprojekte. In den vergangenen Jahren waren sie gern gesehene Gäste auf Veranstaltungen der NPD und Neonazi-Kundgebungen.

Bereits im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass Müller an einem Hirntumor litt. Nach einer Strahlentherapie wähnte er sich offenbar wieder gesund und veröffentlichte daraufhin auf Heises Label die CD „Zurück von den Toten“.

Die vom WB-Versand veröffentlichte Liste der Trauergäste unterstreicht Müllers populäre Rolle in der rechtsextremen Musikszene: dort finden sich nicht nur die einschlägigen Kameradschaften, NPD-Politiker und Verbände aus der Region. Auch Neonazigrößen wie der ehemalige Sänger der Band Landser, Michael Regener alias „Lunikoff“ sowie die Rechtsrockbands Agitator, Gegenschlag und Oidoxie kondolieren.

Großväterlicher Organisator der Skinhead Szene

Deutlich über dem Altersdurchschnitt der restlichen rechtsextremen Trauergemeinde liegt der 1934 in Wien geborene Nazi Karl Polacek. Der heute 74-jährige zog 1981 in die 300-Seelen Gemeinde Mackenrode bei Göttingen und baute dort sein Wohnhaus zu einem von vier bundesweiten Zentren der 1995 verbotenen „Freiheitlichen Arbeiter Partei“ (FAP) aus. Der spätere „Gau-Kassierer“, „Göttinger FAP-Bezirksvorsitzende“ und „FAP Landesführer“ gilt als Ziehvater von Thorsten Heise und beherbergte in Mackenrode militante Neonazis, so dass sein mit Stacheldraht geschütztes Haus immer wieder zum Ausgangspunkt gewalttätiger Übergriffe in der Region wurde. Unter anderem stachen zwei seiner Schützlinge in Sylvesternacht 1990/91 einen Bundeswehrsoldaten nieder, der später an seinen Verletzungen starb.

Nach seiner Ausweisung durch Niedersachsens damaligen Innenminister Glogowski 1992 („Wir hatten schon mal einen Österreicher zu viel“) organisierte Polacek in Österreich die neonazistische Skinheadszene im Umfeld von Salzburg und gab die Hetzschrift „Braunauer Ausguck“ heraus. Darin verherrlichte er Gewalt und leugnete den Massenmord an Juden im Dritten Reich. Sechs Jahre später entzog sich der alternde Nazi durch die Flucht ins Ausland der Verhaftung wegen NS-Wiederbetätigung, wurde 2001 in Griechenland verhaftet und musste eine mehrmonatige Strafe absitzen.

Auch mit seinem Antrag beim Landkreis Göttingen, die gegen ihn verhängte Einreisesperre wieder aufzuheben, hatte Polacek wenig Glück: weil nicht zu erwarten sei, dass er seine rechtsextremen Aktivitäten einstellen werde, lehnte die Ausländerbehörde den Antrag im Jahr 2002 ab.

Demokratiefeind im Unterstützungskomitee für FPÖ-Kandidaten

Doch offenbar hat der 74-jährige inzwischen ein neues Betätigungsfeld gefunden. Erst im vergangenen Jahr meldete er sich im „JVA Report“ des „Freundeskreises Brandenburg“ aus Griechenland zurück und forderte „alle jungen Kameradinnen und Kameraden“ auf, in die NPD einzutreten. Er selbst hatte die Partei 1985 verlassen, kündigte aber an, ihr auf Heises Anraten wieder beizutreten.

Aber auch in seinem Heimatland Österreich macht der bekennende Demokratiefeind wieder von sich reden. Hatte Polacek in seinem „Braunauer Ausguck“ noch geschrieben „Wir bekennen uns zum politischen Guerillakrieg (…) Wir verzichten auf Parteien und Wahlen und den ganzen Demokrötenmist“, gehört er im Vorfeld der Europawahl zum „Partei unabhängigen Personenkomitee“ für den Kandidaten der FPÖ, Andreas Mölzer.

Die Unterstützung für das Mitglied des Europaparlamentes kommt nicht von ungefähr: Bereits im Jahr 2005 gehörte Polacek zu den Autoren der von Mölzer herausgegebenen Anthologie „Als wir „befreit“ wurden“ und durfte dort über den „Alltag in der Russenzone“ nach dem zweiten Weltkrieg schreiben. Die FPÖ scheint dieser Umstand nicht zu stören. Der Koordinator des Komitees, Walter Tributsch, kommentierte entsprechende Berichte mit dem lakonischen Hinweis, „daß jeder Unterstützer seine persönliche Solidarität mit dem freiheitlichen Spitzenkandidaten für die Europawahl bekunde und nicht umgekehrt“.

Siehe auch: Symbol der “Arischen Bruderschaft” Anlass für Razzia gegen Heise, Großrazzia bei NPD-Bundesvorstand und NPD-Kandidaten