Weitere Radikalisierung: Dammann neuer NPD-Chef in Niedersachsen

Mit einer Überraschung ist am 24. Mai 2009 der „Wahl“-Parteitag der niedersächsischen NPD in Handorf bei Lüneburg zu Ende gegangen. Nach jahrelangen Streitereien um die Führung des Landesverbandes war der bisherige Vorsitzende Ulrich Eigenfeld nicht mehr angetreten und machte so den Weg frei für Adolf Dammann als neuen Landesvorsitzenden.

Von Kai Budler für NPD-BLOG.INFO

Eigenfeld war in der Vergangenheit des Öfteren in die Kritik geraten, weil er sich als Landesvorsitzender vor allem um das Tagesgeschäft der NPD in Berlin gekümmert hatte. Nachdem er bereits 2006 wegen umstrittener Finanztransaktionen in die innerparteiliche Kritik geraten war, probte 2008 die NPD-Basis den Aufstand gegen ihren Vorsitzenden. Mit einer Unterschriftenliste forderten mehr als zehn Prozent der Mitglieder des Landesverbandes im Vorfeld der Landtagswahlen einen Sonderparteitag, dessen einziges Ziel die Abwahl des amtierenden und die Wahl eines neuen Vorstandes sein sollte. Bereits in der Vergangenheit habe der Landesvorstand die Wahlen zu sehr auf die leichte Schulter genommen und habe damit das „überlebensnotwendige Wahlziel dieses Landesverbandes“ nicht erreicht, hieß es in der damaligen Resolution.

Auch den Neonazis aus der Kameradschaftsszene war Eigenfeld ein Dorn im Auge: So hatten zahlreiche Personen und Gruppen aus der Neonazi-Szene 2005 angekündigt, nach dem von Eigenfeld verhängten Redeverbot gegen den bekannten Neonazi Dieter Riefling ihre Zusammenarbeit mit der NPD Niedersachsen einzustellen. Für den von ihnen bevorzugten Vorsitzenden Adolf Dammann dürfte die jetzige Entscheidung einer persönlichen Revanche gleichkommen. Schließlich hatte Eigenfeld im Vorfeld einer von Dammann im Jahr 2006 angemeldeten Kundgebung in Göttingen seinen Kontrahenten aufgefordert, sein Amt in der Partei niederzulegen.

Radikalisierung des Landesverbandes

Auch die weiteren Mitglieder des elfköpfigen Landesvorstandes belegen den Verdacht der offensichtlichen Radikalisierung der niedersächsischen NPD. Während als neuer stellvertretender Vorsitzender der Anführer der “Snevern Jungs”, Matthias Behrens, aus Schneverdingen, gewählt wurde, stehen Manfred Börm und Christian Berisha für das Klientel der mittlerweile verbotenen „Heimattreuen deutschen Jugend“ (HDJ). Auch die neue Beisitzerin Ricarda Riefling gilt als eine der führenden Aktivistinnen der Neonazi-Szene in Niedersachsen. Die Ehefrau des mehrfach vorbestraften Neonazis Dieter Riefling aus Coppengrave bei Hildesheim repräsentiert im Landesvorstand den Ring Nationaler Frauen (RNF) und fiel in der Vergangenheit besonders durch eine Hetzrede bei einem NPD-Aufmarsch in Bad Nenndorf auf.

Diese Entwicklung ist offenbar dem Charakter Niedersachsens als Flächenland geschuldet. Während die NPD offenbar über viel zu wenig Personal verfügt, können nur die Neonazis aus den Kameradschaften und den „Freien Kräften“ annähernd in die ländlichen Bereiche vordringen.

Siehe auch: Konspirativer Wahlparteitag der NPD-Niedersachsen, Niedersachsen: Rechtsextreme orientieren sich neu, “Deutschlandpakt” von NPD und DVU: Absprachen und Realität, Verfassungsschutzbericht 2008: Rechtsextreme Bewegung radikalisiert sich, NPD-Funktionär Molau wird DVU-Bundespressesprecher

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