NPD-Bundesvorstand Heise erneut wegen Volksverhetzung verurteilt

Der NPD-Funktionär Thorsten Heise ist am 25. Mai 2009 wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe von 15 Monaten verurteilt worden. Nach Angaben der Südthüringer Zeitung muss der 39-Jährige eine Geldstrafe von 2800 Euro zahlen. Anlass war ein Auftrag aus dem Jahr 2002 für die Produktion von 5000 CDs mit rechtsextremen Titeln. „Die Tonträger mit Liedtexten diskriminierten vor allem türkische Mitbürger und damit eine große Anzahl deutscher Staatsbürger“, sagte der Vorsitzende Richter Robert Retzer am Landgericht Mühlhausen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Heise, der auch dem NPD-Bundesvorstand angehört, ist bereits mehrfach vorbestraft – wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruch, Nötigung und Volksverhetzung sowie Verwendung verfassungswidriger Symbole. Er war Landesvorsitzender der inzwischen verbotenen Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP) und Anführer der Kameradschaft Northeim.

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Werbung mit KZ-Szene – Heises „Witwe Bolte Versand“ 

Heise gilt als wichtiges Bindeglied zwischen NPD und „Freien Kräften“ sowie als einflussreicher Akteur im Rechtsrock-Geschäft. Sein Anwesen in Fretterode war Ziel mehrerer Razzien, dabei fanden die Ermittler auch Waffen. „Die Musik bildet das Tor, durch das junge Menschen gelockt werden sollen“, sagte ein Oberstaatsanwalt zu den Durchsuchungen. Durch die Produktion und den Vertrieb von Tonträgern mit rechtsextremistischer Musik würden jährlich mehrere Millionen Euro umgesetzt. Dadurch sei eine zentrale Finanzquelle der rechten Szene entstanden.

Internationales Netzwerk 

Heise verfügt über ein internationales Netzwerk; unter anderem kooperierte er mit Neonazis in Skandinavien. Zwei Neonazis aus Dänemark sollen in Deutschland wegen Volksverhetzung, Gewaltdarstellung und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung angeklagt werden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main hatte im August vergangenen Jahres einen Auslieferungsantrag gestellt, der vom dänischen Obersten Gerichtshof bestätigt wurde.

Bei den beiden Beschuldigten handelt es sich um den dänischen Staatsbürger Flemming C. sowie den Deutschen Stephan G.. G. betrieb von Dänemark aus das deutschsprachige Internetportal “Nordisches Hilfswerk”. Beide waren im August 2008 bei einer Razzia festgenommen worden, die auf Ersuchen des deutschen Bundeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main in Dänemark und Finnland durchgeführt wurde. Den beiden Festgenommenen wird vorgeworfen, mehrere Jahre lang als Verantwortliche des rechtsextremen Musikversands “Celtic Moon” illegale Tonträger wie “Kommando Freisler – Geheime Reichssache” finanziert, deren Produktion in Auftrag gegeben und sie anschließend vertrieben zu haben. Geschäftliche Verbindungen hatten die beiden Neonazis auch zu Heise, dessen Anwesen in Thüringen im Oktober 2007 von der Polizei durchsucht worden war und der nun wegen der dabei gefundenen Waffen angeklagt wird.

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