Studenten getötet: Vorbestrafter Neonazi zu acht Jahren Haft verurteilt

Acht Jahre Jugendhaft wegen Totschlags und Diebstahls, so lautete das Urteil der Jugendkammer des Magdeburger Landgerichts nach einem Bericht der Magdeburger Volksstimme. Viel Strafminderndes habe das Gericht nicht auf der Habenseite des Angeklagten gefunden, lediglich verminderte Schuldfähigkeit durch erheblichen Alkoholkonsum und dass er ein Teilgeständnis abgelegt habe, spreche für Bastian O., so der Vorsitzende Richter bericht das Blatt.

„Wir sind mit dem Urteil nicht zufrieden“, sagte der Vater, der seinen Sohn, den Studenten Rick L., verloren hatte. „Wir wollten, dass der Täter nach Erwachsenenrecht verurteilt wird. Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, Bastian O. vor Gericht wie einen Jugendlichen zu behandeln.“ Die Rechtsanwälte, die die Eltern des Opfers als Nebenkläger vertreten haben, wollten sich nun beraten und überlegen, ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Bastian O. war zur Zeit der Tat 20 Jahre alt.

Mehrfach vorbestrafter Neonazi

Der mehrfach vorbestrafte O. habe den Studenten mit Springerstiefeln an Kopf und Körper getreten und ihn mit seinen mit Quarzsand gefüllten Handschuhen, die wie ein Schlagring wirken, geschlagen, berichtet die Volksstimme weiter. Zwei Venen im Gehirn seien abgerissen. Wäre Rick nicht am Einatmen des eigenen Blutes aus fünf tiefen Einrissen im Mundraum gestorben, wäre das die Todesursache gewesen, so der Vorsitzende Richter.

Das Gericht meinte demnach, dass es die Äußerung „Hobbynazi“ nicht ausschließen könne, aber die Beleidignung der Mutter sei dem sensiblen Rick wesensfremd gewesen. Völlig absurd und ins Reich der Fantasie gehöre jedoch die Schilderung des „Schubsens“: „Das Opfer war viel zu betrunken, 22 Zentimeter kleiner und 44 Kilogramm leichter. Er hatte gegen den Angeklagten keine Chance.“ Die Mitteldeutsche Zeitung schreibt zu dem Prozess: „Der Fall hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil Bastian O. ein vorbestrafter Neonazi ist, der ein halbes Jahr zuvor erst aus der Haft entlassen worden war. Im Mai 2006 war er bereits wegen eines ausländerfeindlichen Angriffs auf einen Togolesen verurteilt worden.“ Weiter heißt es:

„Bastian O. und Rick L., so ergab es die Beweisaufnahme in der bis zur Urteilsverkündung nicht öffentlichen Verhandlung, müssen am 16. August kurz nach 5 Uhr aufeinandergetroffen sein – beide stark alkoholisiert. Bastian O. war gerade vom Sicherheitsdienst aus der nahen Diskothek gewiesen worden, nachdem er mehrfach seine rechte Gesinnung zur Schau gestellt hatte, indem er seine Hosenbeine über die auffälligen Springerstiefel gezogen hat. Offenbar, so rekonstruiert das Gericht aus seinem Teilgeständnis, hat er dann Rick L. um eine Zigarette gebeten, worauf dieser ihm sinngemäß geantwortet haben soll, einem „Hobby-Nazi“ gebe er nichts. Dadurch gereizt habe O. angefangen zu schlagen und zu treten – an den Füßen Springerstiefel, an den Händen mit Quarzsand gefüllte Handschuhe, die wie ein Schlagring wirken. Er habe sein Rachebedürfnis gestillt, weil Rick L. „es gewagt hat, ihn so zu titulieren“, sagte der Richter. Er habe dessen Tod bewusst in Kauf genommen und auf dem Heimweg auch noch mit einer Schlägerei geprahlt und damit, dass „der andere nicht so leicht wieder aufsteht“.

Aus der rechten Gesinnung des Angeklagten machte das Gericht keinen Hehl. Er habe sich seit 2003 in der Szene bewegt, sei zwar nie aktiv organisiert gewesen, habe seine Haltung aber auch durch Tätowierung von Neonazi-Symbolen ausgedrückt. Diese Gesinnung habe aber bei der Tat nur „am Rande“ eine Rolle gespielt, sagte Kupfer. „Die Tat war spontan orientiert.“ Der Argumentation widersprach auch die Nebenklage nicht.“

Nach offiziellen Angaben wurden in der Bundesrepublik seit 1990 etwa 35 Menschen durch „rechtsmotivierte Gewalt“ getötet, Opferberatungsstellen gehen von rund 135 Todesopfern aus. Im Jahr 2008 wurden mindestens zwei Menschen totgetreten, da Neonazis sie als „minderwertig“ angesehen hatten.

Siehe auch: Verfassungsschutzbericht 2008: Politisch motivierte Kriminalität rechts steigtDas war 2008: Mehr als 1000 Gewalttaten, 350 Waffenfunde und mindestens zwei Todesopfer, Stichwort: Was ist eigentlich Rechtsextremismus?,  Rechte Gewalt gegen “Minderwertige”: Mordfall auch in Leipzig?, Oktoberfest-Attentat soll neu untersucht werden, Oktoberfest-Attentat soll neu untersucht werden