Vor 65 Jahren: Das Unternehmen “Overlord”

Im Juni vor 65 Jahren begann die Offensive der Westalliierten zur Befreiung Europas in der Normandie – die deutschen Besatzer verübten zeitgleich Massaker an der französischen Zivilbevölkerung. Dieser Artikel ist im blick nach rechts Ausgabe 10/2009 erschienen. Mit freundlicher Genehmigung des bnr von NPD-BLOG.INFO übernommen. Das Fachblatt kann hier als E-Paper abonniert werden.

Von Heiner Lichtenstein

Es war und ist das bisher größte Landungsmanöver in der Geschichte. Deshalb wird wohl auch US-Präsident Barack Obama nach Europa kommen und am 6. Juni an den Gedenkfeiern in der Normandie teilnehmen. Das ist nämlich der Tag, an dem vor 65 Jahren in den frühen Morgenstunden die ersten GIs versuchten, in der französischen Normandie an Land zu gelangen. Sie sollten einen Brückenkopf bilden, von dem aus die Westalliierten die Befreiung Europas einleiten wollten. Die Verluste der ersten Welle waren schockierend. Die Soldaten mussten ihre Landungsboote im flachen Wasser vor dem Strand verlassen und weitgehend schutzlos ins Maschinenfeuer der Wehrmacht waten. Außerdem hatten die Deutschen im Wasser unsichtbare Fallen aufgestellt und die Strände dicht vermint. Von der ersten Angriffswelle hat kaum jemand überlebt. Ehe erste feste Stellungen und Unterkünfte errichtet werden konnten, vergingen viele Stunden. Die Deutschen blieben in ihren Bunkern und Unterständen des Atlantikwalls, bis die Alliierten sie vertrieben. Erst am 25. August war das Unternehmen „Overlord“ mit der Befreiung von Paris förmlich beendet.

Theoretisch begonnen hatte es bereits im November 1943 bei der Konferenz der drei Großmächte USA, England und UdSSR in Teheran. Vor der Planung hatte Stalin sich bereit erklärt, im Sommer 1944 – exakt drei Jahre nach dem deutschen Überfall vom Juni 1941 – mit einer gewaltigen Offensive die Deutschen aus der UdSSR zu vertreiben. Voraussetzung für diesen Großeinsatz – so Stalin – war aber der Aufbau einer „zweiten Front“ in Westeuropa. Nach der Zusage Washingtons und Londons wurde dann die Zangenbewegung beschlossen.

In beiden Staaten setzten sich die Stabschefs zusammen und erörterten ungezählte Detailfragen. Wie viele Schiffe werden gebraucht, wie viele Divisionen, welche Spezialeinheiten und vieles andere mehr? Die US- und die kanadischen Streitkräfte sollten auf der britischen Insel zusammengezogen werden. Die britische und französische Bevölkerung wurde aufgerufen, Fotos von der Küste und vom Hinterland des französischen Festlandes zur Verfügung zu stellen. Jedes Haus, jeder Weg, jede Gasse wurde in London Teil einer riesigen Karte, damit die Landungstruppen sich orientieren konnten.

Die Planer in den USA befanden sich zu dem Zeitpunkt in großen Schwierigkeiten. Der Schwerpunkt ihres militärischen Engagements lag damals nämlich im Pazifik im Kampf gegen die japanischen Invasoren. Auch deshalb begannen amerikanische Werften mit dem Bau der „Liberty-Schiffe“, die ohne aufwändige Technik schnell fertig waren. Die Industrie und die Militärs leisteten Hervorragendes in kürzester Zeit. Am 6. Juni vor 65 Jahren war alles bereit. Die Befreiung Europas begann.

Die deutschen Verteidiger taten sich schwer mit dem Rückzug. Um so grausamer war ihre Rache an der französischen Bevölkerung. Das hing auch mit dem wachsenden Widerstand der Zivilbevölkerung zusammen, die den Tag der Freiheit kommen sah. Angriffe auf die Besatzung häuften sich. Telefonnetze, Eisenbahnschienen und Kommunikationssysteme wurden unterbrochen oder zerstört, das Besatzungssystem geriet ins Wanken. In dem kleinen Ort Oradour-sur-Glane zum Beispiel war es Partisanen gelungen, einige deutsche Soldaten zu erschießen. Die Rache ist in die Geschichte des Zweiten Weltkrieges eingegangen.

Am 10. Juni 1944, also vier Tage nach „Overlord“, umstellte die SS-Kompanie „Das Reich“ das Dorf. SS-Obersturmbannführer Adolf Diekmann befahl, der Bürgermeister solle 30 Geiseln benennen. Diese seien den Partisanen zu übergeben. Dafür müsse ein von örtlichen Partisanen gefangen genommener SS-Führer freigelassen werden. Ein anderer SS-Führer entschied jedoch, die männlichen Bewohner erschießen zu lassen. Die Frauen und Kinder sollten zuvor in der Dorfkirche lebendigen Leibes verbrannt werden. 642 Tote waren das Ergebnis – eines der schlimmsten Kriegsverbrechen, das kaum gesühnt werde konnte. Die Beteiligten .sind entweder kurz darauf in Kämpfen „gefallen“ oder konnten nicht ausfindig gemacht werden. Nach dem Krieg ist neben dem niedergebrannten Dorf ein neues Oradour-sur-Glane errichtet worden.

Siehe auch: Die letzten Tage des “Führers”: Hitler tat alles, um seine erbärmliche Existenz zu verlängern, Kapitulation und Kriegsende 1945: Das Geschenk der Freiheit  

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