Bahn soll erhobene Gebühren an den “Zug der Erinnerung” spenden

Für die Unterstützung des Erinnerungsprojekts „Zug der Erinnerung“ tritt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in einem Antrag (16/12991) ein. Sie fordert darin die Bundesregierung auf, bei der Deutschen Bahn AG (DB AG) darauf hinzuwirken, dass die DB AG dem Verein „Zug der Erinnerung e.V.“ einen Betrag spendet, der der Höhe der anfallenden Trassen- und Stationspreise für die Jahre 2007 bis 2009 entspricht. Alternativ sollte dem Projektträger durch den Bund eine Zuwendung in Höhe der von der DB AG erhobenen Gebühren gewährt werden. Zudem fordern die Abgeordneten die Bundesregierung auf, bei der DB AG darauf hinzuwirken, dass der Zug mit der Ausstellung über die Deportation von Kindern in Vernichtungslagern nicht mehr wie in München behindert wird und auf Bahnhöfen an repräsentativen Orten gezeigt und sichtbar beworben werden kann.

Für die Fraktion ist der „Zug der Erinnerung“ eine vorbildliche zivilgesellschaftliche Initiative, deren ungewöhnliche Art des Gedenkens eine pädagogisch wertvolle Möglichkeit der Auseinandersetzung mit dem NS-Terrorregime ist. Das Erinnerungsprojekt sei ein Weg weisender Ansatz zur Vermittlung von Geschichte und Verantwortung, zumal es bald keine Zeitzeugen mehr geben werde, die über diese Zeit berichten könnten. Seit 2007 bemühe sich der Verein um die finanzielle Unterstützung durch die DB AG, da für die Nutzung des bundeseigenen Schienennetzes und den Aufenthalt auf den besuchten Bahnhöfen Trassen- und Stationsgebühren sowie Energiekosten fällig würden. Über den Antrag berät der Bundestag heute erstmals.

Bahn sperrte sich gegen Ausstellungen

Lange hatte sich die Bahn komplett gegen Ausstellungen gesperrt, die an die Rolle des Unternehmens bei den Transporten von Menschen in die Konzentrationslager thematisieren. Schließlich gab es doch eine Einigung, doch der Ärger ging weiter. Für die rollende Ausstellung “Zug der Erinnerung” mussten die Veranstalter Gebühren an die Deutsche Bahn zahlen.

Beate Klarsfeld, die sich für eine Ausstellung jahrelang eingesetzt hatte, sagte 2006 im Interview mit dem Autor zu der Ausseinandersetzung mit der Bahn, dem damaligen Chef Mehdorn fehle das Gefühl für Verantwortung. In Frankreich sei das Zeigen der Ausstellung kein Problem gewesen, so Klarsfeld, die Staatsbahn SNCF habe sich sehr kooperativ verhalten. Dort seien 18 große Reisebahnhöfe genutzt worden, um “die Kinder in die Wirklichkeit zurückzuholen. Die Reisenden sehen in der Ausstellung die Kinder vor der Deportation – lächelnde Kinder. Und sie lesen den Text, wann die Kinder deportiert und von ihren Eltern getrennt wurden. Denn Kinder wurden sofort vergast. Dann nehmen die Reisenden ihren Zug und denken: Vor 60 Jahren wurden auf diesen Strecken diese Kinder nach Auschwitz deportiert.“ Somit werde eine viel bedeutendere Beziehung zu den Ereignissen geschaffen, als wenn Menschen in ein Museum gingen.

Fotos aus der Ausstellung 11.000 Kinder. Homepage „Zug der Erinnerung“, Interview mit Beate Klarsfeld – „Wir holen die Kinder in die Wirklichkeit zurück“

Siehe auch: Zug der Erinnerung: Bahn verdient offenbar an Holocaust-Gedenken, Vom Ursprung deutschen Reichtums: Die Schaeffler AG, Ermittlungen gegen Ex-Angehörige der “Sonderbrigade Dirlewanger”, The Nazis and the “Final Solution” (Episode 5/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 4/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 3/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 2/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 1/5), Ausstellung: Züge in den Tod, Erinnerungspolitik: Kunst vs Pädagogik?, “Verstehen, was Menschen zu Tätern werden lässt”, “Geschichtspornografie” im ZDF: “Ein bisschen Nazi spielen”, Täterforschung im globalen Kontext: Blick auf moralische Umformatierung richten, Fundstück: Reichspogromnacht antisemitisch?, Auschwitz auf der Bühne, Auschwitz: Das präzedenzlose Verbrechen, Sobibor 1943: Aufstand in der Hölle