Schießerei in Nachtbar: Polizei ermittelt Herkunft der Pumpgun

Nach „umfangreichen Ermittlungen“ ist die Herkunft einer Pumpgun geklärt, die Neonazis Ende November 2008 bei einer Schießerei in einem Göttinger Nachtlokal verwendet hatten. Nach Polizeiangaben steht fest: Die Waffe stammt aus der illegalen Waffenschmiede eines 47 Jahre alten Mannes aus dem Landkreis Northeim. Dabei handelt es sich um einen „bislang polizeilich unbekannten Feinmechaniker und engagierten Sportschützen“. Kontakte zur rechtsextremistischen Szene hatte der Mann nach derzeitigen Erkenntnissen nicht.

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Ende April hatten Ermittler der „Soko ZAGI“ auf Anordnung des Amtsgerichts Göttingen die Wohnung des 47-Jährigen durchsucht. Im Keller des Hauses stießen die Beamten nach Polizeiangaben auf ca. acht Kilogramm Nitrozellulosepulver und ca. dreieinhalb Kilogramm Schwarzpulver. Die Menge der Substanzen habe die Erlaubnisgrenze nicht nur bei weitem überschritten, sie wurden darüber hinaus auch vorschriftswidrig in einem Raum aufbewahrt, heißt es weiter. Die Ermittler leiteten daher ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ein.

Den „entscheidenden Fund“ machten die Ermittler demnach in der Garage des 47-Jährigen. In einem Metallkoffer bewahrte der Northeimer hier mehrere mutmaßliche Schalldämpfer, Laufrohlinge, heraus getrennte Läufe aus Salut-Waffen, zwei Gewehr-Verschlussstücke, einen umgebauten ehemaligen Gas-Revolver und weitere Waffenteile auf. Auf Anordnung des Landkreises Northeim stellten die Beamten auch alle legal im Besitz des Sportschützen befindlichen und in seiner Wohnung aufbewahrten Schusswaffen sicher. Für den Abtransport des umfangreichen Waffenarsenals (sieben Kurzwaffen, elf Langwaffen und ca. 5.000 Schuss Munition unterschiedlichen Kalibers) war ein VW-Bus erforderlich.

Über zwei „Zwischenstationen“ gelangte die scharfe Pumpgun der Polizeimitteilung zufolge in die Hände des Rechtsextremisten aus Göttingen, der aufgrund des Einsatzes der Waffe in dem Nachtlokal derzeit wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes vor Gericht steht. Bei dem Vorfall am 30. November 2008 soll ein 34-jähriger Göttinger aus der rechtextremen Szene mit der Waffe auf den 43-jährigen Geschäftsführer des Nachtlokals geschossen haben. Nach dem Rauswurf der insgesamt fünf an der Tat beteiligten Rechtsextremisten aus dem Lokal, versuchten diese das Haus anschließend mit Brandsätzen anzuzünden. Bei den anschließenden Durchsuchungen fanden die Ermittler u. a. bei dem Schützen ein umfangreiches Waffenarsenal.

Siehe auch: Niedersachsen: Rechtsextreme orientieren sich neu, Prozessbeginn gegen Neonazis wegen Schießerei mit Pumpgun, Schwere Brandstiftung: Anklage gegen südniedersächsische Neonazis, Linke befürchtet terroristisches Neonazi-Netzwerk in Südniedersachsen, Anzeige gegen NPD-Vorstand Heise wegen Volksverhetzung, NPD-Bundesvorstandsmitglied Heise wirbt offenbar mit KZ-Szene, Waffenfunde bei Durchsuchungsaktion gegen Neonazis in Südniedersachsen, Niedersachsen: Neonazis unter Waffen, Südniedersächsische Neonazi-Szene nach Waffenfunden im Visier, Polizei stellt bei Hausdurchsuchungen Waffenarsenal sicher, Rechtsextreme beim Table-Dance mit Pumpgun und Brandsätzen, Niedersachsen: Kein Neonazi-Schwerpunkt im Südharz?