Die „Offenbahrungen“ der NPD

Die NPD Mecklenburg-Vorpommern gratuliert: „Bei der Lektüre von NPD Blog staunt der Leser oft nicht schlecht. Stimulierend wirken die geistigen Ergüsse des „G-Punkt“ allerdings nicht. Der junge Schreiberling, der diesen „G-Punkt „(gesetzt) hat, heißt Patrik Gensing und wurde just mit dem Preis des Axel Springer Verlages ausgezeichnet. Ob der Axel Springer Verlag auch die Tatsache ignoriert hat, daß in einem vom „G-Punkt“ mit zu verantwortenden Filmbeitrag über Spitzel in der NPD, Unwahrheiten dargelegt wurden, bleibt sein Geheimnis. Die NPD Mecklenburg und Pommern freut sich über weitere Offenbahrungen [sic!] des „G-Punkt“ und hofft, dass „G-Punkt“ bald auf selbigen kommt (auf den Punkt natürlich).“

Tatsächlich eine „Offenbahrung“ – mit schnarchigen Zweideutigkeiten,  ohne Argumente oder konkrete Beispiele. So will die NPD den „jungen Schreiberling“, dessen Namen sie auch noch falsch geschrieben hat, diskreditieren. Welche Unwahrheiten in dem Panorama-Beitrag „dargelegt“ wurden, verraten die Rechtsextremisten übrigens nicht. Zu diesem Bericht hatte die NPD allerdings im Februar 2009 eine eigene Meldung veröffentlicht. Darin hieß es:

Das Hätschelkind der “unabhängigen” Medien versuchte sich jüngst als Fachmann für Kommunikationstechnik.[…] So auch beim unlängst gesendeten Panorama-Beitrag des NDR vom 12. Februar 2009. Hier berichteten sattsam bekannte Journalisten wie Patrick Gensing von NPD-Blog.info, Dietmar Schiffermüller oder Britta von der Heide über Spitzel in der NPD und ihre Machenschaften. Seinen Auftritt hatte auch […] Fischer-Aharon über seine VS-Spitzeltätigkeit in der NPD.

“Es waren schlicht und ergreifend Berichte, die wir abgeschrieben haben aus allgemein zugänglichen Artikeln und Berichten über die neonazistische Szene in Internetforen und aus Webseiten, die die rechtsextremistische Szene beobachten, da wurden Berichte einfach abgeschrieben und dem Verfassungsschutz vorgelegt”. Soweit des mediale Wundertalent Jörg Fischer.

Über dreieinhalb Jahre soll Fischer den Verfassungsschutz als V-Mann an der “Schnüffelnase” herumgeführt haben. Fischer, der, wenn es um “Naziaussteiger” und “Sachkompetenz” in Punkto Rechtsextremismus geht, zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sein Gesicht in die Kamera hält, schreibt nun wohl an seiner Biographie […]

Dumm gelaufen für Jörg F. Fischer verließ die “Neonazi”-Szene nach eigenen Angaben im Jahr 1990. Das Internet, aus dem er so eifrig Berichte für den Verfassungsschutz abgeschrieben haben will, gab es aber erst mit dem “EUnet” 1992 erstmalig in Dortmund und mit dem Projekt “XLINK” 1993 in Karlsruhe. Ende 1991 ging mit einem “Mailboxsystem” das “Thule Netz” als erste nationale Informationsbörse in Betrieb. Es folgte 1993 “Widerstand BBS” als Infoportal.

Davor waren lediglich Universitäten per Nachrichtenaustausch mit einander verbunden. 1990 gab es also keinen Internetzugang für Jörg Fischer, geschweige denn Netzseiten, die sich mit der NPD befaßten oder auch Internetforen von oder über “Neonazis”. Folglich steckt in den Aussagen Fischers genauso viel Wahrheit, wie in vielen Beiträgen der Medien.

Dennoch möchten wir dem Politmagazin Panorama unsere Glückwünsche aussprechen, nicht nur das zuschauerstärkste, sondern auch gründlichste und glaubwürdigste Politmagazin in Deutschland zu sein. Wir schauen auf jeden Fall weiter zu – und hinterfragen!

Eine beeindruckende Rechercheleistung der NPD. Die Sache hat nur zwei kleine Haken: Niemand hat behauptet, Fischer sei selbst für den Verfassungsschutz tätig gewesen. Er hat einen (fingierten) V-Mann betreut. Weiterhin wurde nicht berichtet, der Versuch in Sachen VS habe sofort nach Fischers Ausstieg aus der Neonazi-Szene begonnen, dies war erst Jahre später der Fall. Lässt sich auch alles online nachlesen. Und hier noch der Beitrag um den es geht als Video: Nazis im Staatsdienst – die V-Leute des Verfassungsschutz.

Hetze gegen Linksfraktion-Mitarbeiter

Weniger lustig als diese Beispiele war ein Beitrag der NPD aus der vergangenen Woche. Darin hetzten die Neonazis gegen einen Mitarbeiter der Linksfraktion des Landtages in Schwerin. Die NPD bezeichnete ihn als “besonders feisten Gutmensch”, der “als Einpeitscher von Repressionsmaßnahmen gegen politisch mißliebige Mitmenschen und Unterstützern von nationalen Regionalaktivitäten in Erscheinung” getreten sei. Die NPD mokierte sich darüber, dass XY in Leserbriefen vor der rechtsextremen Bewegung warnte und spricht von “Hetzkundgebungen” und “Pogromaufrufe” – ohne sich selbst zu meinen, sondern eben XY, der sich als “bekennender Homosexueller” “nur allzu gerne mit JungantifaschistenInnen im Schulalter” umgeben habe.

Siehe auch: NPD deckt nach eigenen Angaben Fehler bei Panorama auf…, NPD hetzt gegen Mitarbeiter der Linken: “Homosexueller, der sich allzu gerne mit JungantifaschistenInnen im Schulalter umgibt”, Digitale Bohème war gestern: Heute sind die “Medienextremisten”, In eigener Sache: Gesnings Lebensstil, Ehrverletzende Äußerung: NPD-Funktionär darf Grünen nicht “Oberhetzer” nennen

2 thoughts on “Die „Offenbahrungen“ der NPD

  1. Irgendwie hat die NPD immer noch Schwierigkeiten mit Ihrem Namen – irgendwie wohl zu „undeutsch“. Ich erinnere an ein paar Monate vorher, Herr Gesnig, oder wie Sie damals hießen….

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