Kaufbeuren: Neonazis schlagen auf Passanten ein

Neonazis haben in der Nacht zum 03. Mai 2009 nach Polizeiangaben „grundlos“ zwei Passanten angegriffen und geschlagen. Die teils betrunkenen Männer und Frauen verletzten ihre Opfer nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung leicht. Polizeisprecher Christian Owsinski bezeichnete attackierten Jugendlichen als „Zufallsopfer“. Es habe sich weder um ausländische Menschen noch um „erkennbare Sympathisanten der linken Szene“ gehandelt. Die Täter müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Nach ersten Ermittlungen gingen die zehn „rechtsgerichteten“ Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 27 Jahren gegen 2.30 Uhr völlig grundlos mit Schlägen und Tritten auf die beiden Passanten los. Auch zwei andere Personen, die ebenfalls zufällig dieser Gruppe begegnet waren, wurden ohne Anlass angegriffen, blieben nach Angaben der Polizei jedoch unverletzt. Noch ungeklärt war gestern, ob der pöbelnden Gruppe ein weiterer Vorfall gegen 1 Uhr zugeschrieben werden kann. Dabei wurden zwei 25-Jährige von einer jungen Frau, die ebenfalls in einer Gruppe unterwegs war, geschlagen.

Bekannt sei, dass die Neonazis aus dem Großraum München und Augsburg sowie aus Oberbayern, Oberfranken und dem Allgäu kamen, berichtet das Blatt weiter. Sie seien bereits vor der Schlägerei aufgefallen. Zeugen berichteten demnach von Parolen mit „rechtsradikalen und gewalttätigen“ Inhalten. Der Hauptverdächtige, ein 25-jähriger Versicherungskaufmann aus Neubiberg, war dem Bericht zufolge mit zwei Promille Atemalkoholgehalt stockbetrunken. Die Polizeibeamten mussten sich handfeste Beleidigungen anhören, während sie die Personalien der Verdächtigen aufnahmen.

Nichts genaues weiß man nicht

Einen Zusammenhang mit einem Konzert vor zwei Wochen, bei dem zahlreiche Besucher aus dem rechten Spektrum nach Kaufbeuren gereist waren, sieht Owsinski laut Allgäuer Nachrichten nicht. Das Konzert einer „szenebekannten Bremer Band“ habe mehr oder weniger zufällig in Kaufbeuren und ohne Kenntnis des Halleneigentümers über die Besucherklientel stattgefunden, heißt es. Nach Angaben der Polizei gibt es in Kaufbeuren zwar einen „gewissen Personenkreis“, der dem rechten Spektrum zugerechnet wird. Dieser sei aber nicht außergewöhnlich groß oder auffällig. „In meiner Wahrnehmung gibt es in der Stadt keine verfestigte Szene“, sagt Oberbürgermeister Stefan Bosse.

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