55-Jährigen totgetreten: Zehn Jahre Jugendhaft für Neonazi

Im Prozess gegen zwei junge Rechtsextremisten aus dem uckermärkischen Templin wegen der Tötung eines Arbeitslosen sind hohe Haftstrafen verhängt worden. Der Richter hatte laut Tagesspiegel Mühe bei der Urteilsbegründung, sein Entsetzen zu formulieren. „Es war ein schreckliches Geschehen“, sagte Gert Wegner dem, Bericht zufolge, „es ist unfassbar, was dort in dieser Tischlerwerkstatt geschehen ist, äußerste Brutalität“. Die große Jugendkammer des Landgerichts Neuruppin fällte demnach ein hartes, aber differenziertes Urteil im Prozess zum gewaltsamen Tod des Alkoholkranken Bernd K., den zwei Neonazis in der Nacht zum 22. Juli 2008 in Templin massiv misshandelt hatten.

Der Angeklagte Sven P. (19) bekam als Haupttäter zehn Jahre Jugendhaft wegen Mordes, außerdem bezog die Kammer ein Urteil des Amtsgerichts Prenzlau wegen einer anderen Straftat (Körperverletzung) ein. Zehn Jahre sind im Jugendstrafrecht das Höchstmaß. Die Kammer bescheinigte P. „Mordlust“ und sieht eine direkte Verbindung zwischen der Tat und P.’s rechtsextremer Gesinnung. Christian W. (22) verurteilten die Richter zu neun Jahren und drei Monaten Haft. Der Angeklagte habe sich der Beihilfe zum Mord durch Unterlassen schuldig gemacht, sagte Wegner.

„Neonazistische Menschenbild“ spielte eine Rolle

In der Urteilsbegründung schilderte der Richter dem Bericht zufolge detailliert, wie der 55 Jahre alte Bernd K. vor allem von Sven P. getreten worden war und an schweren Kopfverletzungen starb. Die Kammer betonte, insbesondere bei P. habe „das neonazistische Menschenbild“ eine Rolle gespielt „bei der Auswahl des Opfers“. Bernd K. sei als „asozial eingestuft“ worden. Beiden Angeklagten „fehlt das normale Empathie-Vermögen“, sagte Wegner.

Staatsanwalt Kai Clement hatte in seinem Plädoyer auch Christian W. Mord angelastet und lebenslange Haft gefordert. Clement betonte, „die Hemmschwelle zum Töten von Menschen“ sei bei Christian W. und Sven P. angesichts ihrer Gesinnung „deutlich niedriger“. Die Angeklagten fühlten sich auch heute noch der rechten Szene verbunden, sagte Clement, und verwies auf die im Prozess verlesenen Briefe, die sich die in verschiedenen Gefängnissen inhaftierten W. und P. geschickt hatten. Da wurde „nordisch“ und „teutonisch“ gegrüßt und szenetypisch über die „ha ha ha Antifa“ hergezogen. Der Verteidiger von P. forderte für seinen Mandanten Freispruch und kündigte nun, wie auch der Anwalt von W., Revision an.

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