„Die Reihen fest geschlossen“ – Anatomie der Hamburger NPD und ihres Umfeldes

Diese Artikel stammt aus dem April 2009 und vermittelt Hintergrundwissen zu der von Jürgen Rieger geführten NPD in Hamburg. Der NPD-Landesverband ist einer der radikalsten und in Bezug auf die Größe aktivsten in der Bundesrepublik. In der Broschüre „Die Reihen fest  geschlossen“ – Anatomie der Hamburger NPD und ihres Umfeldes wird ausführlich die Struktur und Geschichte der Partei in der Hansestadt dargestellt.

Verdi-Landeschef Wolfgang Rose, Agnes Schreieder, bei der Gewerkschaft für den Arbeitskreis Antirassismus verantwortlich, sowie Felix Krebs von „Avanti – Projekt undogmatische Linke“ haben in Hamburg eine Broschüre über die NPD in der Hansestadt vorgestellt. Der Titel des mehr als 100 Seiten starken Werks – in Bezug auf Horst Wessel: „Die Reihen fest geschlossen“

Jürgen Rieger (re.) / T-Shirt-Aufdruck links: "Wir bleiben braun" (Quelle: Marek Peters)
Jürgen Rieger (re.) / T-Shirt-Aufdruck links: "Wir bleiben braun" (Quelle: Marek Peters)

Hamburgs NPD-Landesverband ist demnnach einer der radikalsten und in Bezug auf die Größe aktivsten in der Bundesrepublik. Die Zahl der Auftritte von extrem rechten Akteuren in der Öffentlichkeit sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2006 gab es 39, 2007 waren es 49 und im Jahr 2008 sogar mehr als 60 solcher Auftritte von NPD, DVU und „Freien Kameradschaften“ in der Hamburger Öffentlichkeit. Die Kader seien selbstbewusster geworden, die Neonazis gingen zu Attacken über.

Hamburger NPD mit besonderer Bedeutung

In der Broschüre wird ausführlich die Struktur und Geschichte der Partei in der Hansestadt dargestellt. Der Hamburger NPD komme in der bundesweiten Struktur durch die beiden Mitglieder des Bundesvorstandes Thomas Wulff und Jürgen Rieger eine besondere Bedeutung zu, sagte Krebs von Avanti. In Hamburg sei es der Partei gelungen, „auch das militante neofaschistische Spektrum mit einzubinden“.

Neben der Auseinandersetzung mit Weltbild und Programmatik sowie den Strategien der NPD werden in der Publikation auch Verbindungen innerhalb des extrem Rechten Lagers aufgezeigt, die in der Öffentlichkeit oftmals nicht thematisiert werden. Die Autoren hoben dabei zwei Burschenschaften in Hamburg hervor, die mit NPD-Mitgliedern zusammenarbeiteten. Zudem gehen die Verfasser auf die Extremismustheorie ein und kritisierten die Gleichsetzung von Links und Rechts scharf.

Teil der antifaschistischen Bewegung

Rose erinnerte an den 1. Mai letzten Jahres: „Im Jahr 2008 mussten wir erleben, wie Neonazis aus ganz Deutschland in Hamburg den 1. Mai, den Kampf- und Feiertag der Arbeiterbewegung, für ihre Propaganda zu missbrauchen versuchten. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Krise droht diese Agitation bei denen zu verfangen, die sich vor sozialem Abstieg, vor Arbeitslosigkeit und Armut fürchten. Deshalb müssen wir die Menschen aufklären und ihnen aufzeigen, dass die Slogans der Neonazis falsch und in ihrer Konsequenz menschenverachtend sind.“

Agnes Schreieder betonte, die NPD sei nur die Spitze eines Eisberges. „Rassismus und menschenfeindliche Ideologien sind weit verbreitet. Wir wollen vor allem in Betrieben aufklären und noch aktiver werden.“ Die Gewerkschafter unterstrichen, dass sie ihre „Arbeit gegen Rechts auch durch eine engere Zusammenarbeit mit dem Bündnis gegen Rechts und anderen Gruppierungen und Initiativen in der Stadt stärken“ wollten. Gefordert sei zudem ein entschlosseneres und konsequenteres Handeln von staatlicher Seite.

Rose meinte zudem, dem Kampf gegen die NPD komme eine besondere Bedeutung zu, da diese durch den „Kampf um die Parlamente“ versucht, öffentliche Gelder zu akquirieren. Die Broschüre sei auch ein Zeichen, dass sich die Gewerkschaft gemeinsam mit Avanti als einen Teil der antifaschistischen Bewegung in der Hansestadt sehe.

Die Reihen fest geschlossen – Anatomie der Hamburger NPD – Broschüre als PDF-Dokument

Siehe auch: Hamburg: Neonazi-Überfall auf Jugendorganisationen, Neonazi-Anwalt Rieger und die NPD: Von Krediten und Einfluss in der Partei, NPD-Vize Rieger entwaffnet, Hamburg: Zahl der rechtsextremen Gewalttaten verdoppelt sich, “Ab in den Busch, Nigger-Schlampe” oder neues vom Hasenpfau, NPD-Festredner Clemens spricht bei “Burschenschaft Germania”, Hamburg: Thor-Steinar-Laden macht wieder dicht, Hamburg: Weiterhin enge Zusammenarbeit zwischen NPD und Kameradschaften, Brandanschlag war offenbar vorgetäuscht, Hamburg: Ausschreitungen am 01. Mai mit politischem Nachspiel

3 thoughts on “„Die Reihen fest geschlossen“ – Anatomie der Hamburger NPD und ihres Umfeldes

  1. Die „undogmatische Linke“ wird sich zum 1.Mai angemessen zu Wort melden und sich – wo weit möglich – in ihren Handlungen von den Nationalsozialisten, abzugrenzen suchen.

    Ich bin dbzgl. gaanz sicher.

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