Bundespräsidentenwahl: Ersatz NPD-Kandidat Rennicke wollte offenbar auch nicht

Lange hat die Kür des Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl von NPD und DVU gedauert, während andere schon für sich warben – mehr oder weniger überzeugend – suchten die Rechtsextremisten noch nach einem Ersatz für ihren Wunschkandidaten Bernd Rabehl, der kurzfristig zurückgezogen hatte. Schließlich präsentierten sie den „nationalen Barden“ Frank Rennicke. Der wollte aber eigentlich auch gar nicht, wie er nun darlegt. „Wenn ich nun durch die Vertreter der NPD und DVU als Kandidat nominiert wurde, so geschah dieses nicht auf meinen Wunsch“, so Rennicke, der sich gleich noch in Verbindung mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes bringt: „Es war bislang nie ein Wunsch von mir, in dieser BRD ein Bundesverdienstkreuz oder gar das höchste Amt zu erhalten.“

Seine Chancen schätzt Rennicke aber realistisch ein: Mit Sodann verbinde ihn, dass er „garantiert nicht gewählt“ würde. Doch, so Rennicke weiter, es sei „für uns Nationaldenkende letztlich wie bei der Olympiade [Olympischen Spiele]: Dabei sein ist alles!“ Dann spielt Rennicke noch gedanklich durch, was er als Köhler-Nachfolger so machen würde: Nämlich wahnhafte Antisemiten und Holocaust-Leugner im Gefängnis besuchen. „Und nachdem Karl Carstens der Volkswanderpräsident war, wäre ich der Volkssängerpräsident.“ Also so einer wie Walter Scheel (Hoch auf dem gelben Wagen).

„Gebräu aus Atommüllbergen und Überalterung“

Weiterhin gibt Rennicke noch einige Plattitüden vom Kaliber „die Kinder von heute sind die Erwachsenen von morgen“ sowie apokalyptische Visionen zum Besten, die typisch für Rennicke, Jürgen Gansel und andere Neonazis sind: „Es ist in Anbetracht unseres sterbenden Volkes, inmitten von Überfremdung und Werteverfall nicht fünf vor zwölf – es ist längst halb drei! Unsere Kinder werden künftig das Gebräu der Weltkriegsgewinnler/Siegermächte mit multikrimineller Gesellschaft, Atommüllbergen, Überalterung und Heimatvernichtung auszulöffeln haben.“

Siehe auch: Wahl zum Bundespräsidenten: NPD und DVU schicken Rennicke ins Rennen, Sächsischer Landtag: Frank Rennicke als „Experte“ für JugendmusikNazi-Barde hat das Gefühl, in einem Konzentrationslager zu lebenWahl zum Bundespräsidenten: NPD-Kreisverband schlägt Horst Mahler als Kandidat vor, Biografie von Horst Mahler – eine mindestens doppelte Wandlung, Fast NPD-Kandidat Rabehl und die Bundespräsidentenwahl: Ein Rückzug und seine Gründe

5 thoughts on “Bundespräsidentenwahl: Ersatz NPD-Kandidat Rennicke wollte offenbar auch nicht

  1. „Mit Frank Rennicke einen Vertreter der deutschen Jugend ins Rennen schicken“.

    So liest man bei der NPD. Der „Vertreter der deutschen Jugend“ ist übrigens 45 Jahre alt.

  2. Hier kommt noch ein interessanter Artikel über diese Figur als „singender Parteipropagandist“:

    http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/debatte/rechtsblog/who-the-fuck-is-frank-rennicke/

    Wie gut, dass er keine Chance auf eine Wahl hat, sonst hätten wir demnächst noch eine gesungene Neujahransprache:

    „Mit Rudolf Hess ist uns ein Held geboren, er ist uns Lehrer, Vorbild und Garant! Die deutsche Jugend sollt‘ alles von ihm hören, damit Wahrheit und Lüge leicht erkannt… wir wollen immer stolz sein Erbe lehren, bis der Tag kommt, er allen Vorbild ist!“

  3. Inzwischen heult die NPD wieder über angebliche „Zensur“. Weil immer dann, wenn ihre Texte nicht nach Belieben überall veröffentlicht werden, nach ihrer Meinung Zensur vorliegt. Und nun?
    Der Bundestag hatte die original NPD-Propaganda zu Rennicke Wort für Wort bei der Vorstellung der Kandidaten übernommen – inklusive allem Schwachsinn, d.h. der Propaganda aus bekannten Textbausteinen der NPD. Was für den gesunden Menschenverstand an sich schon schmerzlich ist, das wird auf auf der Seite eines Verfassungsorgans unerträglich.
    Nach Beschwerden wurde diese irrsinnige Lobpreisung nun wieder gelöscht. Nur dass jetzt die NPD „eine rechtliche Prüfung des Vorgangs in Auftrag gegeben“ hat, weil das die Chancengleichheit beeinträchtige. Die NPD hat offensichtlich das Wahlverfahren nicht ganz verstanden. Denn es handelt sich hierbei nicht um Wahlwerbung für das Volk, welches sich über die Kandidaten eine Meinung bilden müsste. Der Bundespräsident wird von Mitgliedern des Bundestages und Bundesrates gewählt und die beziehen ihre Informationen und treffen ihre Entscheidungen wohl kaum wegen der Vorstellung der Kandidaten auf den Bundestagsseiten, da sie andere Informationsmöglichkeiten haben. Dass die NPD eine „moderne Opposition“ ist, glaubt ihr sowieso niemand. Und wie sie sich gleichzeitig ganz brav „getreu Artikel 20 des Grundgesetzes“ geben möchte und sich aber trotzdem „nicht angepasst“ geben will, lernen wir auch nicht. Aber: Sind das etwa relevante Informationen zu einer Wahlentscheidung?
    Also wieder einmal grußspurige, aber letztendlich inhaltsleere Empörung der NPD. Man ist sich nicht einmal einmal zu blöd, die Systempresse (den Tagesspiegel) als Beleg für die angebliche „Zensur“ heranzuziehen, obwohl dieses „Geschmeiß“ nach Meinung des letzten Parteitages und der dortigen Sprechchöre doch „lügt“. Aber was schert die NPD ihr Gepöbel von gestern…..

    Rennicke will sich laut NPD mit einem Brief an die Bundesversammlung wenden. Hoffentlich tut er das nicht mit seinen üblichen Textbausteinen. Denn seinen braunen Auswurf möchte man dort bestimmt nicht lesen.

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