Lebenslange Haft für Mord aus niedrigen Beweggründen

Das Landgericht Dessau hat laut taz einen 24-jährigen Mann wegen Mordes an einem Obdachlosen zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein 34 Jahre alter Mitangeklagter erhielt dem Bericht zufolge eine Freiheitsstrafe von 12 Jahren. Die beiden hatten im August 2008 ohne jeden Anlass einen 50-jährigen Obdachlosen vor dem Dessauer Hauptbahnhof zu Tode geprügelt. Das Opfer starb an Herz- und Lungenquetschungen.

Laut Gericht handelten die Täter aus niedrigen Beweggründen. Der Vorsitzende Richter sprach in der mündlichen Urteilsbegründung von einer besonders widerwärtigen Tat. Bei den Durchsuchungen der Wohnungen der Mnner hatten die Ermittler rechtsextreme Musik gefunden. Die Strafverfolgungsbehörden waren davon ausgegangen, dass auch eine menschenverachtende Haltung gegenüber sozial Schwachen zur Tat geführt hat.

Das Naumburger Tageblatt berichtet, während der Ermittlungen hatten sich die Angeklagten gegenseitig belastet. Im Prozess gestand ein Angeklagter wenige Tritte, zu denen der andere Angeklagte ihn gedrängt habe. Nach einem Gutachten, wonach Schuhsohlenspuren beider auf dem Kopf des Toten gefunden worden waren, mussten beide auch Tritte gestehen. „Es tut mir leid“, sagte ein Angeklagter. Sein Komplize, der auch mit einem Metall-Papierkorb auf das Opfer einprügelte, zeigte demnach keine Reue.

Als der 50-Jährige am Boden lag und die Angeklagten weiter zutraten, „haben sie ihn gewollt“, sagte Ankläger Christian Preissner: den Tod des Mannes, den sie missachteten. Zwei Männer, selbst mehrfach vorbestraft (F. wegen Gewaltdelikten) und am unteren sozialen Milieurand, seien auf jemanden getroffen, der „noch weiter unten“ war, so ein Verteidiger dem Blatt zufolge. Der für sie als vermeintlicher „Penner“ minderwertig war – eine Einstellung, wie sie aus der rechten Szene bekannt sei. Bei beiden wurde rechtsextremes Material gefunden, berichtet die Zeitung ebenfalls. Auch wenn das in der Urteilsbegründung nicht zur Sprache kam: Opferberater fordern nun die Aufnahme des Falls in die Statistik rechter Gewalt.

Während Journalisten und Opferberatungsstellen von mehr als 135 Todesopfern durch rechtsextreme Schlger seit 1990 ausgehen, führt die Bundesregierung in dieser Statistik „nur“ 40 Opfer auf. „Mit den veröffentlichten Zahlen der Bundesregierung wird die tödliche Dimension von Rechtsextremismus und Rassismus weiter verharmlost“, hieß es dazu in einer Erklärung von Projekten aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin.

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