V-Mann an rechtsextremer Radio-Hetze beteiligt

Unter den sechs Personen, die die Polizei im März wegen ihrer mutmaßlichen Tätigkeit für ein rechtsextremes Internetradio festgenommen hatte, befindet sich offenbar auch eine Vertrauensmann des Verfassungsschutzes. Das berichtete jetzt das Magazin Focus.

Von Kai Budler

Die Ermittler hatten zwei Frauen und vier Männer in Berlin und vier anderen Bundesländern im Alter zwischen 19 und 31 Jahren u.a wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung festgenommen. Ihnen werden insgesamt 250 Straftaten vorgeworfen.

Sie sollen auf dem Intenetsender “European Brotherhood Radio” (EBR) “rund um die Uhr ausschließlich rechte Musik” gesendet, Parolen aus dem Dritten Reich gerufen und den Holocaust geleugnet haben, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Unter den Festgenommen befindet sich auch die 31-jährige Sandra Franke aus Soltau, die nach Informationen des Focus auf der Gehaltsliste des Niedersächsischen Verfassungsschutzes (VS) steht.

Sie hetzte seit September 2008 bei EBR unter dem Pseudonym „Gefjon“, dem Namen der nordgermanischen Göttin der Jungfräulichkeit und der Fruchtbarkeit. Unter anderem hatte Franke zum Thema Holocaust erklärt, es seien „auch 200.000 bis 300.000 Juden ums Leben gekommen, meiner Meinung nach zu wenig“.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Rechtsextreme auf den entsprechenden Internetseiten behauptet, bei Franke handele es sich um eine Mitarbeiterin des VS. Zu diesem Zeitpunkt bewegte sich die heute 31-jährige noch unter dem Namen Sandra Habig in der Szene. Beispielweise nahm sie an dem gescheiterten Naziaufmarsch im Herbst 2005 in Göttingen teil, außerdem soll sie u.a. an dem rechtsextremen „Radio Germania“ beteiligt gewesen sein. Nach den ersten Diskussionen in den einschlägigen Foren hatten sich mehrere rechtsextreme Gruppierungen scharf von ihr distanziert. So hieß es: „Diese Person hat mit dem so genannten Staatsschutz kollaboriert und wird nie wieder eine mögliche Aktivistin in unsere Reihen sein.“

Eine wohl etwas voreilige Behauptung, wenn man seitdem Frankes Karriere als antisemitische Hetzerin bei EBR genauer beobachtet. Der niedersächsische VS wollte den Fall bislang offenbar nicht kommentieren. Der Focus zitiert den Präsidenten der Behörde mit den Worten: „Das Problem mit unseren Quellen ist, dass wir nicht immer wissen, was die sonst tun.“

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Zu den V-Leuten: Keine V-Leute bei NPD-Spitzen in Berlin und weiteren Bundesländern, Nazis im Staatsdienst – die V-Leute des Verfassungsschutz, V-Männer in der NPD: Linksfraktion scheitert mit Antrag, Abzug von V-Leuten aus der NPD: Union will Debatte beenden , Unterstützung für Vorstoß zu neuem NPD-Verbot, Bayern will beim NPD-Verbot offenbar Ernst machen, NPD-Verbotsdebatte: Kein Millimeter Fortschritt, Das Problem mit den V-Leuten

5 thoughts on “V-Mann an rechtsextremer Radio-Hetze beteiligt

  1. Na wenigstens weiß` „der Präsident der Behörde“, was der „V-Mann“ Schönbohm „sonst tut“, wenn er nicht gerade in Weikersheim referiert: Er ist als Innenminister verkleidet. 😉

    Nee, nee, der gute „Focus“: Immer eine rechte Schlagzeile zur „rechten Zeit“ … ein Musterbeispiel an investikativen Journalismus. – Wenn es den „Focus“ und seine Recherchen nicht gegeben hätte, dann wüssten wir auch heute noch nicht, dass das BfV nicht weiß`, was seine „Vertrauenspersonen“ ansonsten treiben.

    Eine „V-Frau“…? – Quasi vom Vach? *lol* 😉

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