NPD-Sonderparteitag: Anmerkungen vom Geschmeiß

Christoph Witzel hat in der Südthüringer Zeitung in der Rubrik Klartext einen lesenswerten Artikel veröffentlicht:

Von „Geschmeiß“ hat schon Joseph Goebbels gebrüllt, wenn er in seinen Hetz- und Hasstiraden auf Intellektuelle und Journalisten zu sprechen kam. Die heutigen Nachfahren der Nazis benutzen den Begriff nun einmal wieder. Das journalistische „Geschmeiß“ setzte die NPD am Wochenende bei ihrem Bundesparteitag in Berlin kurzerhand vor die Tür. Und Bilder gab’s auch keine, weil Fotoreporter nicht bereit waren, die von ihnen geforderten Personalausweise und Privatadressen vorzulegen. Immerhin drang aus dem Sitzungssaal heraus, dass es dort eine „Schlammschlacht“ um die künftige Führung der rechtsextremistischen Partei gegeben hat, die der bisherige Vorsitzende Udo Voigt für sich entschied. Und dass auch der parteiinterne Spendenskandal, der die Neonazis in allernächster Zeit in die Pleite führen könnte, Thema gewesen sei. Nachher gab’s auf einer Pressekonferenz dann doch noch die Verlautbarung, dass die NPD und ihre Gesinnungsgenossen von der DVU den braunen Liedermacher Frank Rennicke zur Wahl um das Bundespräsidentenamt aufmarschieren lassen wollen. (Nebenbei: Allein schon diese Nominierung zum Amt unseres Staatsoberhauptes ruft den berühmten Satz Max Liebermanns sofort wieder ins Gedächtnis: „Ick kann jar nicht so viel fressen, wie ick kotzen möchte.“) Die Bilanz des rechten Wochenendes:

Es ist wieder einmal deutlich geworden, dass die parteipolitisch organisierten braunen Horden wesentlich schlechter organisiert sind, als sie das nach außen immer weismachen wollen. Das mag man insgesamt begrüßen, es nützt nur nichts, wenn sie mit ihren taktisch geschickten Rattenfängermanövern dann doch so viele Wählerstimmen einfahren, dass sie in demokratische Parlamente einziehen können. Auch hier in Thüringen. Deshalb muss man den Menschen, die (aus welchen Gründen auch immer) mit den Neonazis sympathisieren, immer wieder vor Augen halten: Die Ideologie dieser Leute ist unmoralisch und menschenverachtend. Und die Truppen, die die vermeintlich heile deutsche Welt versprechen, sind chaotisch und gefährlich. Wer sie wählt, unterstützt Unmoral, Menschenverachtung, Chaos und Gefahr. – So viel zum braunen Berliner Wochenende vom Südthüringer Geschmeiß.

Siehe auch: NPD-Machtkampf geht weiter: Apfel und Gansel auf dem “sächsischen Weg”, Sonderparteitag: Voigt setzt “seinen” NPD-Bundesvorstand durchSonderparteitag: Voigt setzt auf die ganz braune Karte / NPD bricht Vertrag mit Bezirksamt, NPD-Parteitag: Drohungen und Debatten auf “unterstem Niveau”, Voigts Vorstandsliste: NPD auf Radikalisierungskurs

Alle Meldungen zum NPD-Sonderparteitag 2009.

4 thoughts on “NPD-Sonderparteitag: Anmerkungen vom Geschmeiß

  1. Vielleicht sollte man diesen Menschen auch sagen, dass sie, bei einem Wahlerfolg, wahrscheinlich diejenigen sein werden, die als erste unter den menschenverachtenden Einstellungen und Handlungsweisen der brauen Horden zu leiden haben werden. Nazis schaffen keine Chancengleichheit. Damit werden aber gerade die Gruppen ausgegrenzt, die die Nazis wählen, weil sie sich dadurch vielleicht eine Verbesserung ihrer Lebensumstände versprechen.

  2. „Anmerkungen vom Geschmeiß“… ich schmeiß mich weg.. :-) :-) :-) :-)

    Das ist noch besser als „Toiletten-Voigt“, wobei uns dieser Begriff inklusive Person ja jetzt noch einige Jahre erhalten bleibt. Leider hat er aber noch nicht in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden. Ich darf also bitten… :-)

  3. Allein die Aussage „Deshalb muss man den Menschen, die (aus welchen Gründen auch immer) mit den Neonazis sympathisieren, immer wieder vor Augen halten: Die Ideologie dieser Leute ist unmoralisch und menschenverachtend….“ wird nicht reichen den Geist des Nationalsozialismus und Hitlers zu verdrängen. Die französische Philosophin Simone Weil hat einmal geschrieben:
    „Die einzige Art, wie man Hitler bestrafen und ihn in den Augen der nach Größe dürstenden kleinen Jungen künftiger Jahrhunderte zu einem abschreckenden Beispiel machen könnte, bestünde in einer so vollständigen Umwandlung dessen, was als groß gilt, dass er davon ausgeschlossen wäre, … Es ist ein Wahn … zu glauben, man könne Hitler (bzw. den Nationalsozialismus) von der Größe ausschließen,
    ohne unter den heutigen Menschen den Begriff und die Bedeutung von Größe von Grund auf umzuwandeln.“
    Ich denke es ist eine Werteausrichtung wichtiger als bloßes Mahnen.

Comments are closed.