NPD-Machtkampf geht weiter: Apfel und Gansel auf dem “sächsischen Weg”

Die NPD-Landtagsabgeordneten Holger Apfel und Jürgen Gansel, die nicht mehr für den Bundesvorstand der rechtsextremen Partei kandidiert haben, wollen künftig „ohne Last der Zugehörigkeit zum Parteivorstand […] in kritischer Loyalität zum neugewählten Vorstand stehen und deutlicher als früher auf Fehlentwicklungen in der Partei hinweisen“.

In einer Erklärung heißt es weiter, die sächsischen NPDler wollten – offenbar im Gegensatz zum Bundesvorstand, der von offen neonazistischen Kräften dominiert wird – „der ganzen Partei bei den Kommunal- und Landtagswahlen die Erfolgsträchtigkeit des „sächsischen Weges“ […] beweisen“. Damit sollen „alle politikfähigen nationalen Kräfte auch über Sachsen hinaus“ angesprochen werden. Dieser „sächsische Weg“ stehe für einen „gegenwartsbezogenen und volksnahen Nationalismus, der die soziale Frage in der Mittelpunkt der Programmatik stellt und der sich von unpolitischer Nostalgiepflege, ziellosem Verbalradikalismus und pubertärem Provokationsgehabe abgrenzt“. Apfel und Gansel erteilten Spekulationen, dass „sächsische Abgeordnete und Funktionäre zum Bündnispartner DVU wechseln wollten, eine klare Absage“.

Die NPD-Funktionäre, die nach außen bürgerlich auftreten aber keineswegs als moderat bezeichnet werden können, hatten bereits im Vorfeld des Parteitages erklärt, im Falle einer Wiederwahl von Voigt dem Bundesvorstand nicht mehr angehören zu wollen. Ihrer Auffassung nach trage der alte und neue Parteivorsitzende „die Verantwortung für politische Fehlentwicklungen, Führungsdefizite und vor allem für die Finanzkrise der Partei durch klare Aufsichts- und Kontrollmängel gegenüber dem früheren Schatzmeister Kemna“. Apfel erklärte, dass „er wegen der fehlenden Transparenz, des auf Voigt und Kemna beschränkten Vieraugenprinzips und der ebenfalls zwischen Voigt und Kemna bestehenden Generalvollmachten für Kreditaufnahmen kaum eigene Handlungsmöglichkeiten im Parteivorstand hatte“.

Damit zeigt sich bereits einen Tag nach dem Parteitag, wie tief die Spaltung in der NPD ist. Die mächtigen Fraktionen in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern werden sich kaum noch von der Bundespartei etwas vorschreiben lassen. Gleichzeitig wird die Partei noch unberechenbarer. Was Apfel und Gansel als „Verbalradikalismus“ verniedlichen, war beim Parteitag in Form von Drohungen beim Parteitag einmal mehr zu vernehmen, speziell von JN-Chef Michael Schäfer.

Siehe auch: Sonderparteitag: Voigt setzt “seinen” NPD-Bundesvorstand durchSonderparteitag: Voigt setzt auf die ganz braune Karte / NPD bricht Vertrag mit Bezirksamt, NPD-Parteitag: Drohungen und Debatten auf “unterstem Niveau”, Voigts Vorstandsliste: NPD auf Radikalisierungskurs

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