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Wie antisemitisch ist die Linkspartei?

01. April 2009 07:45 252 mal gelesen Kein Kommentar

Der Fall spielte überregional keine große Rolle, dennoch wirft er ein grelles Schlaglicht auf die Linkspartei. Der Fraktionsvorsitzende und OB-Kandidat der Linkspartei in Duisburg, Hermann Dierkes, forderte den Boykott israelischer Produkte und weckte damit die Erinnerung an die Nazi-Plakate “Deutsche, kauft nicht bei Juden”. Trotz massiver öffentlicher Kritik wiederholte er den Boykottaufruf mehrmals und erklärte in einem islamistischen Internet-Portal, in dem gegen den “Pseudostaat” Israel gehetzt wird, Boykottaufrufe dürften “nicht verunglimpft werden”. Nachdem die Protestwelle immer größer wurde, legte der Politiker seine OB-Kandidatur nieder, blieb aber Fraktionschef. Weiterlesen beim Sprengsatz.

Siehe auch: Alarmruf gegen den globalisierten Antisemitismus, “Die Juden sind schuld”,  Die NPD und der Holocaust: Relativieren statt leugnenDER KRIEG GEGEN DIE JUDEN – Warum sich die globale Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet, Querfront-Träume: NPD bietet Elsässer Zusammenarbeit an, Finanzkrise als Nährboden für AntisemitismusAufruf Zusammen gegen den Al Quds-Tag – gegen antisemitische und antiisraelische Hetze, Antisemitismus: Yes, they can!, Darf man Israel in Deutschland kritisieren?,  Querfront: Vermeintliche Linke auf Abwegen , “Der Antisemit nimmt dem Juden nicht übel, wie er ist, sondern, dass er existiert” , Deutschland, Iran und die Linkspartei, 09/11, ZOG und “Judenpresse”: Wie baue ich eine Verschwörungstheorie?, Völkischer Antiimperialismus: Bei der NPD gut aufgehobenDie UN und der Antisemitismus: Noch kein Abschlussdokument von Durban 2001“Protokoll der Weisen von Zion” in der UN-Vollversammlung 

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  • Ant-Antideutscher Antifaschist (der Anti) said:

    Ein bissel mehr Recherche zum Thema wäre angebracht, denn viele Organisationen, auch jüdische, setzen sich für Hermann Dierkes ein:

    http://www.jungewelt.de/2009/02-27/034.php

    http://www.jungewelt.de/2009/03-13/030.php

    http://www.jungewelt.de/2009/02-27/035.php

    http://www.jungewelt.de/2009/02-26/005.php

    http://www.jungewelt.de/2009/02-27/036.php

    http://www.jungewelt.de/2009/02-28/003.php

    etc

  • Dennis K. said:

    Mhhh, schade, dass man so auf dem Dierkes rumhackt. Natürlich kann, darf und soll man den Boykottaufruf verurteilen – weil er alle Israelis für die verfehlte Politik der Regierung in Haftung nimmt, weil er mitunter die Falschen trifft, weil er im geschichtlichen Kontext ungünstig gewählt ist und und und…

    Es gibt viele gute Gründe für Kritik, ein Wort jedoch gehört hier definitiv nicht hin: Antisemitismus!

    Dieser Vorwurf wird der Person Hermann Dierkes bei Würdigung aller seiner Aktivitäten nicht gerecht. Hier wird sonst immer großer Wert auf die Begrifflichkeiten im Bereicht Rechtsextremismus gelegt – was ich gut finde – doch warum wird hier so unwissenschaftlich agiert? Es gibt mE keine Definition des Begriffs Antisemitismus, unter welcher sich die Person Hermann Dierkes subsumieren ließe, eben weil der Begriff des Antisemitismus mehr voraussetzt, als einen Boykottaufruf.

    Ein Boykottaufruf ist auch nicht die Negierung des Existenzrechts Israels. Und selbst manch ein Antizionist richtet sich nur gegen die nationalstaatliche Ausrichtung Israels, nicht gegen den Staat Israel selbst. Aber in diesem Konflikt zwischen Antideutschen und Antiimperialisten ist es leider normal geworden, dass mit Unterstellungen gearbeitet wird – schade. Und wenn’s gegen die LINKE geht, ist man mit Vorwürfen leider immer schnell dabei – gerade seitens der Presse.

  • Offener Brief jüdischer Friedensaktivisten said:

    * »Über Antisemitismus, Boykottmaßnahmen und den Fall Hermann Dierkes« – ein offener Brief von 351 jüdischen Friedensaktivisten aus Belgien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Israel, Italien, der Schweiz, Großbritannien und den USA:

    Wir sind Friedensaktivisten mit jüdischem Hintergrund. Einige von uns definieren sich typischerweise so, andere von uns nicht. Alle zusammen widersprechen wir allerdings jenen, die vorgeben, für alle Juden zu sprechen oder die den Vorwurf des Antisemitismus dazu benutzen, um legitimen Widerspruch zu verunglimpfen. Wir haben mit Bestürzung von den Anschuldigungen gegen den Gewerkschafter und Vertreter der Partei Die Linke, Hermann Dierkes, aus der deutschen Stadt Duisburg erfahren. Dierkes hatte im Zusammenhang mit dem jüngsten Angriff auf Gaza die Meinung vertreten, daß eine Maßnahme, den Palästinensern zu Gerechtigkeit zu verhelfen, darin bestehen könne, dem Aufruf des Weltsozialforums zu folgen und den Boykott israelischer Produkte zu unterstützen. Auf diese Weise solle Druck auf die israelische Regierung ausgeübt werden.

    Dierkes war infolgedessen von vielen Seiten auf ätzende Weise des Antisemitismus bezichtigt und beschuldigt worden, einer Wiederholung der Nazipolitik der dreißiger Jahre zum Boykott jüdischer Waren das Wort zu reden. Dierkes entgegnete darauf: »Die Forderungen des Weltsozialforums haben nichts gemein mit rassistischen Nazikampagnen gegen Juden, sondern zielen allein darauf ab, daß die israelische Regierungspolitik zur Unterdrückung der Palästinenser aufhört.« (…)

    Wir Unterzeichner haben unterschiedliche Ansichten darüber, ob ein Aufruf zum Boykott israelischer Produkte angeraten und wirksam ist. Einige von uns sind davon überzeugt, daß eine solche Maßnahme ein wesentlicher Bestandteil einer Kampagne zum Boykott, zum Desinvestment und zu Sanktionen ist, die die vier Jahrzehnte lange israelische Besatzung beenden kann; andere halten es für einen besseren Weg, die israelische Regierung durch einen gezielten Boykott unter Druck zu setzen, der sich gegen Institutionen und Konzerne richtet, die die Besatzung unterstützen. Alle von uns stimmen jedoch darin überein, daß es wesentlich ist, Druck auf die israelische Regierung auszuüben, um einen gerechten Frieden in Nahost herbeizuführen, und wir stimmen auch darin überein, daß der Aufruf zum Boykott Israels nichts gemein hat mit dem Aufruf der Nazis »Kauft nicht bei Juden«. (…)

    Die wachsende Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit ist indessen eine weitere und besorgniserregende Form des Rassismus in Europa. Sie richtet sich gegen die Migranten aus muslimischen Ländern. Dierkes steht seit langem in vorderster Front, um die Rechte der Migranten zu verteidigen, während einige von denen, die sämtliche Kritiker Israels des Antisemitismus beschuldigen, genau wie der israelische Staat und seine Regierung selbst bei dieser Art von Rassismus mitwirken.

    Der Holocaust war eines der schrecklichsten Ereignisse der modernen Geschichte. Allerdings darf diese humanitäre Katastrophe nicht als Knüppel benutzt werden, um Kritik an der menschenrechtswidrigen Unterdrückung der Palästinenser mundtot zu machen. Wir empfinden das als eine Entehrung der Opfer des Holocausts. (…)

    * Liste der Unterzeichner: http://www.zcommunications.org/znet/viewArticle/21016

  • Dennis K. said:

    Sehr schöner offener Brief. Was noch fehlt ist, dass hier der Vorwurf des Antisemitismus als politisches Argument genutzt wird. Gerade seitens der SPD ist man *LEIDER* oft bemüht, der LINKEN Antisemitismus zu unterstellen – mit diese Art des Wahlkampfes spielt sie allerdings den Rechtsextremen leider direkt in die Hände, was nicht im Interesse der SPD liegen dürfte. Aber was tut man nicht alles im Wahlkampf.

    Ich fände es daher schön, wenn sich der NPD-blog nicht auf dieses Niveau begeben würde.

    Also bitte in Zukunft die Terminologie – wie auch beim Rechtsextremismus – korrekt nutzen (wie gesagt, Antisemitismus liegt hier definitiv nicht vor…). Auch der Begriff des Antisemitismus als Waffe nutzt sich ab, wenn man immerzu auf vermeintliche Feinde damit eindrischt.