Neonazis marschieren erneut in Gräfenberg auf

Gräfenberg wird am kommenden Wochenende wieder in das Fadenkreuz der Neonazis genommen. Ehemalige Mitglieder der 2004 vom Bayerischen Innenministerium verbotenen „Fränkischen Aktionsfront“ um den Ebermannstädter Neonazi Lutz Passon haben nach Angaben des Gräfenberger Bürgerforums für den 28. März 2009 einen Aufmarsch angekündigt.

Diese erneute Provokation – es ist der 37. Aufmarsch von Rechtsextremisten seit November 2006 – beantworten die politischen Ortsverbände Gräfenbergs und das Bürgerforum mit einer Protestveranstaltung. Sie bitten die Vereine, Gruppen und die Bevölkerung Gräfenbergs und der Metropolregion Nürnbergs den demokratischen Protest ab 14.00 Uhr auf dem Gräfenberger Marktplatz zu unterstützen – die Veranstaltung steht unter dem Thema „Denkhilfetag für Neonazis“.

Dass es den Rechtsextremisten nicht etwa um ein Gedenken an die gefallenen Soldaten geht, sondern um eine Verehrung der NS-Wehrmacht und der nationalsozialistischen Ideologie, wurde erst kürzlich durch die Verurteilung von Matthias Fischer, der die meisten Aufmärsche in Gräfenberg in der Vergangenheit angemeldet hatte, offenkundig: Das Amtsgericht Forchheim verurteilte ihn und einen seiner sogenannten „Kameraden“ zu einer Geldstrafe wegen der Verherrlichung des Naziregimes.

Einschüchtern als Ziel

„Die Aufmärsche der Neonazis sollen die Bevölkerung einschüchtern und dazu beitragen, rassistisches Gedankengut auf die Straße zu tragen und zu mobilisieren“, so das Bürgerforum Gräfenberg. Dramatisch ist, dass es den Rechtsextremisten gelingt, zunehmend junge Menschen anzusprechen. Ein entschiedener Bürgerprotest soll deutlich machen: Wer den Nazis nachläuft, hört auf, ein freier Mensch zu sein, denn der Gleichschritt der Ideologie der Nazis verträgt sich nicht mit freiem und demokratischem Denken. Die primitiven Parolen der Rechtsextremisten verletzen die moralischen Grundlagen unseres Zusammenlebens in einer freien, demokratischen und pluralen Gesellschaft.

Das Bürgerforum Gräfenberg bittet um Wortbeiträge im Rahmen der Protestveranstaltung. Wie immer soll es ein demokratisches Podium geben, auf dem unterschiedliche politische Gruppen die Möglichkeit haben, ihre Perspektive auf rechtsextremistische Umtriebe, ihre Ursachen und Folgen, darzustellen. Es soll deutlich gemacht werden: Unsere Gesellschaft wird kein zweites Mal tatenlos das Erstarken einer rassistischen Bewegung hinnehmen.

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