NPD dementiert Übertritte zur DVU

Nach den Gerüchten um einen Übertritt mehrerer NPD-Funktionäre aus Sachsen zur DVU hat Fraktionschef Holger Apfel ein Dementi herausgegeben. Die Neonazi-Seite Altermedia aus Mecklenburg-Vorpommern hatte sich dabei auf einen anonymen Kommentar gestützt. In sächsischen NPD-Kreisen wird die Seite nur noch Spaltermedia genannt. Jürgen Gansel schrieb im November 2008 bezüglich Altermedia auf Anfrage von „Desinformations-, Verleumdungs- und Spaltungsversuchen“.

Im NPD-Machtkampf verlaufen die Fronten zwischen vor allem zwischen Dresden und Schwerin, nachdem Udo Pastörs, Fraktionschef in Mecklenburg-Vorpommern, die Kandidatur von Andreas Molau nicht mehr unterstützte hatte, sondern selbst in den Ring stieg. Außerdem gelten sowohl Apfel als auch Pastörs als tief zerstritten mit Jürgen Rieger aus Hamburg, dem ebenfalls Ambitionen auf den Chefsessel nachgesagt werden. Rieger und Pastörs hatten sich 2006 um den Posten des Fraktionschefs gestritten. Zwar betonte Pastörs bei seiner bereits bereits berühmten Rede in Saarbrücken, er habe und werde sich auch weiter mit Rieger unterhalten, da er sich “mit allen Nationalisten an einen Tisch” setze, “wenn es um maximale Wirkung für unsere Sache geht”. Andererseits erscheinen die Gräben sehr tief, wenn man sich einen Brief anschaut, den Rieger an Parteichef Voigt geschrieben hatte. Darin heißt es zu der Vergabe des Postens als Fraktionschefs in Mecklenburg-Vorpommern:

“Wenn angesichts dieser Situation zwei der Landtagskandidaten, nämlich Pasteurs und Andrejewski, erklären, nachdem sie wußten, daß ich […] meinen Fraktionsvorsitz als Bedingung stelle, sie wollten Pasteurs als Fraktionsvorsitzenden , mit anderen Worten mich nicht im Landtag haben wollen (wie mir Steiner im übrigen nunmehr erklärt hatte, hat Pasteurs schon vor diesem Gespräch, als noch völlig offen war, ob Dr. Frey den vierten Platz besetzen würde, ihm erklärt: Ich bin nicht bereit, mit Rieger zusammenzuarbeiten), dann gibt es nur zwei Gründe: Entweder, sie stellen ihre eigene Person über das Interesse der Partei, weil die Partei mit mir als Kandidaten mit Sicherheit höhere Stimmenzahl erreichen würde, oder aber sie arbeiten im Auftrage des Verfassungsschutzes”

In diesem Chaos versucht Parteichef Udo Voigt sich als Mann der Kontinuität und Verständigung zu präsentieren. Allerdings scheint er kaum über die Hausmacht zu verfügen, um die um sich schlagenden Flügel wieder zu beruhigen. Am Wochenende wird denn auch in Sachsen groß Wahlkampf gemacht: Udo Pastörs tritt im Rededuell gegen Udo Voigt an. Presse darf nicht anwesend sein, denn die Kameraden wollen Klartext hören. Und auch Jürgen Rieger ist im Freistaat unterwegs. Wie dieser Machtkampf ausgeht, ist weiterhin völlig offen. Klar erscheint nur: Nach einer Entscheidung wird es wohl weitere Rückzüge geben. So oder so.

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