Molau und Faust wollen eine “moderne nationale Partei” bilden

Der blick nach rechts berichtet in seiner Ausgabe 06/2009 über die Neuausrichtung der DVU. Andreas Molau und Matthias Faust wollten eine „moderne nationale Partei“ bilden, schreibt Tomas Sager in dem Beitrag. Den bnr gibt es hier im Abo.

Von Tomas Sager, bnr

Der neue DVU-Vorsitzende Matthias Faust hat sich eine Herkulesaufgabe vorgenommen. Aus der DVU soll eine „richtige“ Partei werden – und möglicherweise der Kristallisationspunkt einer neuen, größeren Rechtsformation. Faust startet den fast unmöglich erscheinenden Versuch aus einer Position der Schwäche.

26.000 Mitglieder zählte die DVU Anfang der 90er Jahre, inzwischen dürften es nur noch um die 6000 sein. Zumal Jüngere zieht es nicht zu einer Partei, deren Aktivitäten sich auf Hinterzimmer-Stammtische und Parteitage beschränken, zu denen busladungsweise eine überalterte Mitgliedschaft gekarrt wird. Auch Wahlerfolge blieben zuletzt aus. Nach dem Wiedereinzug in den brandenburgischen Landtag 2004 setzte es Enttäuschungen. In Sachsen-Anhalt reichte es 2006 trotz günstiger Voraussetzungen gerade einmal für 3,0 Prozent. In Bremen kam die DVU ein Jahr später auf 2,7 Prozent, was ihr nur dank einer Besonderheit des dortigen Wahlrechts ein Mandat in der Bürgerschaft bescherte. In Hamburg erzielte sie 2008 klägliche 0,8 Prozent.

Auch ihre „Hochburgen“ bröckeln. In Bremen suchte ihr Abgeordneter Siegfried Tittmann das Weite. Bei der Kommunalwahl in Brandenburg blieb die DVU mit 1,6 Prozent hinter der NPD (1,8 Prozent) zurück. In Dortmund wechselte mit Axel Thieme einer ihrer drei Stadtverordneten zur NPD. Seine Begründung: Die DVU sei „hoffnungslos überaltert“. Es sei falsch, „nochmals eine Ratsperiode von fünf Jahren abzuwarten, um dann aus Altersgründen der NPD sowieso das politische Feld in Dortmund zu überlassen“. In Thüringen lässt die DVU mangels realistischer Erfolgschancen der NPD den Vortritt bei der Landtagswahl.

Unübersehbar war das Parteimodell DVU in die Krise geraten. Ihr Gründer und autokratischer Chef Gerhard Frey (76) zog die Konsequenzen und ließ Faust (37) Anfang des Jahres als neuen Vorsitzenden küren. Das einstige CDU-, JU-, REP- und NPD-Mitglied war 2007 zur DVU gewechselt und zum Spitzenkandidaten bei der Hamburger Bürgerschaftswahl aufgestiegen. Das ernüchternde Ergebnis bei jener Wahl konnte seine DVU-Karriere nicht bremsen. Womöglich hat dies Frey einiges an Überwindung gekostet. Schließlich hatte der neue Hoffnungsträger noch Ende 2005 ein harsches Urteil über die Partei gefällt: „Die DVU ist für mich absolut nicht diskussionswürdig. Scheinbar besteht sie nur aus einem Herrn Dr. Frey, der meist in einer eher dümmlichen Art und Weise in die Öffentlichkeit tritt.“

Doch trotz solcher Lästereien wählten die Delegierten des Parteitags am 11. Januar Faust an die Spitze der DVU. Die Partei stehe für „eine verfassungstreue nationalliberale Linie“, gab ihm Frey mit auf den Weg. Damit freilich ist es nicht weit her. Faust verstärkt die Zusammenarbeit mit Teilen der NPD. Gerne bediente er sich der Unterstützung durch Christian Worch, mit dem er seit seiner Zeit in der Hamburger NPD befreundet ist. Und trotz seiner Klage über die „haltlosen Versuche, die DVU in die Nähe neonazistischer Agitatoren zu rücken“, deutet nichts darauf hin, dass Faust in Nordrhein-Westfalen gegen jene Parteifreunde vorgeht, die bei der Kommunalwahl in einer Front mit dem bekennenden Neonazi Axel Reitz auf dem Ticket der NPD kandidieren.

Faust trommelt für eine Einheit „aller vernünftigen nationalen und patriotischen Kräfte“. Mit Andreas Molau, dem gescheiterten Voigt-Gegenkandidaten aus der NPD, hat er sich dafür einen neuen Partner ins DVU-Boot geholt. Molaus Beitritt zur DVU sei „ein Zeichen des neuen Miteinanders“. Molau selbst, der sein NPD-Parteibuch behalten will, wird in der „Welt“ mit den Worten zitiert, er hoffe, seine Entscheidung habe eine „positive Sogwirkung“ auf die „vielen politikfähigen Kräfte in der NPD, denen der Revisionismus von Parteivize Jürgen Rieger auf den Sender geht“. Aus einer verstärkten Zusammenarbeit von DVU und NPD könne sich eine neue „moderne nationale Partei“ bilden. Die Rechnung ist einfach: Siegen die aus Molaus Sicht „politikfähigen Kräfte“ beim bevorstehenden NPD-Parteitag, steht einer noch viel engeren Zusammenarbeit – bis hin zur Fusion – nichts im Wege. Siegen hingegen Voigt und Rieger, könnten die aus der NPD herausgetriebenen „Politikfähigen“ bei der „neuen“ DVU Unterschlupf finden.

Siehe auch: NPD und Konsorten streben “Die Rechte” an – Name allerdings bereits vergeben, Fast NPD-Kandidat Rabehl und die Bundespräsidentenwahl: Ein Rückzug und seine Gründe, Ex-NPD-Bundesvorstand Molau offenbar noch nicht in die DVU eingetreten, Reibt Voigt sich wirklich die Hände?