Hausdurchsuchung nach Nazi-Überfall

Fünf Tage nach einem Angriff von Neonazis im niedersächsischen Wunstorf haben Polizeibeamte aus Hannover und Wunstorf am 19. März 2009 das alternative Kultur-und Kommunikationszentrum „Wohnwelt“ durchsucht.

Von Kai Budler

Kurz vor dem Angriff in der Nacht zum 15. März hatten Neonazis aus der Region im städtischen Jugendzentrum Bauhof auf einer unter falschem Namen angemeldeten Geburtstagsparty gefeiert. Parolen skandierend zog eine etwa 30-köpfige Gruppe von dort aus gegen 0.45 Uhr zu dem etwa 500 Meter entfernten Kulturzentrum, die Polizei spricht von etwa 20 Personen.

Als zwei Polizisten sich vor das Gebäude stellten, machten die Neonazis kehrt und griffen einen 21-jährigen Mann und seine 19 Jahre alte Begleiterin an, die auf dem Weg vom Bahnhof zur „Wohnwelt“ waren. Die beiden wurden durch Schläge, Tritte und Reizgas teils schwer verletzt. Bei einem der Haupttäter handelt es sich nach Augenzeugenberichten um den Neonazi Marco S., der gerade vor dem Amtsgericht Detmold zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt worden war. Weil der Anwalt des bekennenden Neonazis Berufung eingelegt hatte, befindet sich S. zurzeit auf freiem Fuß.

Unter Rufen wie „Ich schlag dich tot“ soll er auf die am Boden liegende junge Frau eingetreten haben. Er wurde durch einen Polizeibeamten von seinem Opfer weggezerrt und konnte flüchten. Kurz darauf erklärten „Autonome Nationalisten“ aus Wunstorf, Personen aus der „Wohnwelt“ hätten „die Konfrontation mit den Kameraden“ gesucht. Dabei sei die 19-jährige Frau „gestürzt“.

Bei der Hausdurchsuchung, die sich auch auf zwei Privatwohnungen bezog, sollen die Beamte „Abwehrwaffen“, eine Schusswaffe und Daten über Angehörige der rechtsextremen Szene gesucht haben. Erst im März dieses Jahres waren zwei Neonazis aus dem Umfeld der Wunstorfer „Autonomen Nationalisten“ wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Sie sollen im vergangenen Sommer zwei alternativ aussehende Jugendliche angegriffen und dabei verletzt haben. Die „Autonomen Nationalisten“ aus Wunstorf gehören zu einem in den vergangenen Monaten gewachsenen Netz der extremen Rechten in der Region Hannover.

Weitere Informationen bei hiergeblieben.de.

Siehe auch: Angriff von Neonazis: Verdächtiger erst vor kurzem verurteilt, Neonazis wollen JN in Niedersachsen reaktivieren, Schwere Brandstiftung: Anklage gegen südniedersächsische Neonazis, NPD Niedersachsen stellt Landesliste für Bundestagswahl auf, Neonazi-Schulungszentrum: Faßberg will Landhaus erwerben, “Als Haus wärst du `ne Hütte”: Neonazis bieten, Gemeinden zahlen