Erneut Ermittlungen gegen NPD-Funktionär Pastörs

Die Kriminalpolizei Anklam prüft nach einem Treffen der NPD-Landtagsfraktion mit rund 70 Anhängern am Wochenende im Lühmannsdorfer „Jagdkrug“ strafrechtliche Ermittlungen gegen Fraktionschef Udo Pastörs. Nach Informationen des Nordkuriers hatte Pastörs in einer Rede vor seinen Gleichgesinnten zumindest indirekt zu Gewalt aufgerufen. So soll er in seiner Rede ausgerufen haben: „Unser Glaube ist nicht der Glaube an den Gott der CDU oder der SPD. Unser Glaube ist fest mit unserer Waffe verbunden – unsere Waffe sitzt hier.“ Dabei habe Pastörs seinen ausgestreckten Zeigefinger an die rechte und linke Schläfe gehalten.

Ermittlungen auf gegen Xavier Naidoo? 

Das klingt allerdings nicht wirklich nach einem Aufruf zur Gewalt. Und wenn es einer sein sollte, wäre möglicherweise auch bald Xaivier Naidoo dran. Denn der „singt“:

„Unsere Waffe nennt sich unser Verstand!“

Es wäre höchst albern, wenn tatsächlich wegen dieser Äußerung im Zusammenhang mit dieser Geste ermittelt werden sollte. Interessanter erscheint da schon, dass was der Nordkurier weiter weiter berichtet. Bei der rund dreistündigen Veranstaltung habe neben diversem Propagandamaterial auch Adolf Hitlers „Mein Kampf“ und das Wirtschafts-Sofortprogramm der NSDAP aus der Feder ihres einstigen Reichspropagandaleiters Gregor Strasser zum Verkauf ausgelegen. Nach Angaben von Jana Hoffmann, der amtierenden Sprecherin der Polizeidirektion Anklam, hatten die Beamten zwar Informationen darüber, dass die NPD in der Region eine „Informationsveranstaltung“ plante – dass diese in Lühmannsdorf stattfand, habe man im Vorfeld nicht gewusst. Bereits vom NPD-Landesparteitag Ende Februar in Salchow war die Polizei überrascht worden. Erst vor wenigen Wochen war der Chef des Verfassungsschutzes in MVP abgelöst worden.

„Nichts mitbekommen“

Unterdessen bestätigte „Jagdkrug“-Inhaberin Birgit Rehwald gegenüber dem Nordkurier einmal mehr, auf wie viel Gleichgültigkeit die neonazistische Propaganda oft trifft. Sie sagte dem Blatt, dass die NPD und ihre Landtagsfraktion bei ihr zu Gast waren. Inhaltlich habe sie jedoch nichts mitbekommen, „die Saaltüren waren zu“. Lobend äußerte sie sich demnach über das Verhalten ihrer Gäste: „Wenn sich alle so benehmen würden, hätten wir keine Probleme.“

Die NPD stellt es in ihrem Bericht zu dem Treffen übrigens so dar, als sei dies eine öffentliche Veranstaltung gewesen: „Der NPD-Kreisverband Ostvorpommern lud am vergangenen Wochenende wieder einmal interessierte Landsleute zu einem gemeinsamen Nachmittag ein. Mehr als 80 Gäste folgten der Einladung. Für viele war es der erste persönliche Kontakt zur NPD. […] Zum Schluß dieser gelungenen Veranstaltung nutzten viele Teilnehmer die Möglichkeit, auch für Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen, Informationsmaterial der NPD mitzunehmen. Neben der „Deutschen Stimme“ fanden auch verschiedene Themenflugblätter und Bücher den Weg zu neuen Mitstreitern. Auch in Zukunft wird der NPD-Kreisverband solche Interessenten-Nachmittage durchführen, um die Idee von nationaler Solidarität weiter ins Volk zu tragen.“ Eine Ankündigung der Veranstaltung ist auf den Seiten der NPD-MV bzw. des betreffenden Kreisverbandes allerdings nicht zu finden.

Siehe auch: Verdacht auf Volksverhetzung: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen NPD-Funktionär Pastörs, Ermittlungen gegen NPD-Fraktionschef Pastörs: Landtag hat keine Einwände,  Dokumentation von Pastörs-Rede: “Wir wollen den Maximalschaden des Parteienstaats”, Von Versagern, Eierköpfen und Intriganten: Kandidatencheck mit Ex-NPD-Chef Deckert, TV-Tipp: Panorama über die Hetzrede von Udo Pastörs, Thüringen: Gefährliche Gleichgültigkeit