Berlin: rassistische Gewalt stieg 2008 um 40%

Für das Jahr 2008 registriert die Opferberatungsstelle ReachOut 148 rechte, rassistisch, antisemitisch und homophob motivierte Angriffe in Berlin. Die Zahl der bisher bekannt gewordenen gewalttätigen Angriffe und massiven Bedrohungen ist im Jahr 2008 im Vergleich zu 2007 gestiegen. Die Zahl der rassistisch motivierten Angriffe stieg massiv, um insgesamt 40 Prozent.

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Statistik: © ReachOut 2008*Unklar: Wenn Menschen unvermittelt, ohne es sich selbst erklären zu können, ohne dass es einschlägige Beschimpfungen gab von rechten TäterInnen angegriffen werden/ *Sonstige: Bspw. sexistisch motivierte Angriffe auf Frauen von rechten Tätern

ReachOut, die Berliner Beratungsstelle für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, verzeichnet für das Jahr 2008 insgesamt 148 Angriffe in Berlin. Bis Februar des vergangenen Jahres wurden 112 Angriffe aus dem Jahr 2007 registriert. Die Erfahrungen aus den vergangen Jahren zeigen, dass im Verlauf des Jahres noch mit umfangreichen Nachmeldungen für 2008 gerechnet werden muss. So zählen wir heute für das Jahr 2007 über 20 Angriffe mehr, als zu Beginn des letzten Jahres. Von den 148 Angriffen sind in der „Chronik rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Angriffe und Bedrohungen“ 133 Fälle dokumentiert. Einige der Opfer lehnen aus Angst vor weiteren Gewalttaten jede Form der Veröffentlichung des Angriffs ab.

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Statistik: © ReachOut 2008

In 65 (2007:39) Fällen wurden Menschen aus rassistischen Motiven angegriffen. Diese stellten mit Abstand die größte Gruppe dar. 26 Gewalttaten trafen Linke (2007: 30), vor allem AntifaschistInnen, gegen nicht-rechte, alternative Jugendliche und Erwachsene richteten sich 30 (2007: 28) Angriffe, 4 Angriffe waren antisemitisch motiviert. Der enorme Anstieg von rassistisch motivierten Angriffen ist besorgniserregend. Erfahrungsgemäß handelt es sich bei diesen Fällen nicht um klar eingrenzbare Tätergruppen. Angreifer, die der rechtsextremen Szene oder deren Umfeld zu zurechnen sind, greifen in erster Linie Linke oder alternative Jugendliche an. 86 (2007: 70) Angriffe fanden im öffentlichen Raum statt. Insgesamt 39 (2007: 25) Gewalttaten wurden in öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen verübt.
Die meisten Angriffe geschehen an den Wochenenden.

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Statistik: © ReachOut 2008

Friedrichshain ist mit 30 (2007: 24) Gewalttaten auch im Jahr 2008 der Bezirk mit der höchsten Angriffszahl. 15 (2007: 14) Attacken wurden für Lichtenberg) dokumentiert. Es folgen Pankow mit 14 (2007: 11), Marzahn mit 12 (2007. 7), Treptow (4) und Neukölln (2007: 5) mit je 9 Angriffen. Während in Friedrichhain die Angriffe gegen nicht rechte, alternative Jugendliche überwiegen, sind in Lichtenberg die meisten Angriffe rassistisch motiviert (7) oder richten sich gegen Linke bzw. gegen AntifaschistInnen (5). Auch in Marzahn und Neukölln ist der größte Teil der Angriffe rassistisch motiviert.Die Angriffszahlen der Berliner Ermittlungsbehörden für den Bereich „politisch motivierte Kriminalität rechts“ liegen bisher nicht vor.