Von Versagern, Eierköpfen und Intriganten: Kandidatencheck mit Ex-NPD-Chef Deckert

Auch Ex-NPD-Chef Günter Deckert hat sich zum Machtkampf innerhalb der NPD zu Wort gemeldet. In einem Brief schrieb Deckert über seinen Amtsnachfolger Udo Voigt, dass er diesen als „Blender, Wortbrüchigen wie auch als Versager einstufe und auch kennengelernt habe“.

Von Patrick Gensing

Hätte Voigt „Charakter und Format, dann wäre er sofort nach dem Geständnis Kemnas mit dem gesamten Parteivorstand zurückgetreten“. Doch „V. klebt an diesem gut dotierten Sessel, weil er ohne den NPD-Vorsitz nur 18 Monate ALG I und danach gar nichts mehr bekommen würde, da seine Frau noch eine Reinigungsfirma hat – es sei denn, diese wurde inzwischen auch heruntergewirtschaftet“.

Deckert greift weiter in die Tasten und rechnet mit seinen ehemaligen internen Gegnern ab: „Sollte die Partei diesen Versager, der (wie Apfel & Eigenfeld, auch Marx) bereits dem Pleite-PV [Parteivorstand, PG] unter RA MM [Ex-NPD-Chef Martin Mußgnug] als hauptamtlich (bezahlter) Schulungsleiter angehörte, erneut zum Vorsitzenden wählen, dann muß man feststellen, leider, daß nur noch eine Masse an politischer Dummköpfe als Delegierte zum Parteitag geschickt worden ist.“

„Mimosenhafter Eierkopf“

Aber auch sonst sieht Deckert nach seinem eigenen Abgang wenige fähige Köpfe in der Partei: „Man muß bedauerlicherweise auch feststellen, daß die Partei keine große Auswahl mehr hat. Vorzeigbare Köpfe mit Charakter und Format sind selten geworden, auch dank des Ächtungs- und Verfolgungsdrucks durch des „system“. Einen Andreas Molau, einen Quereinsteiger ohne Hausmacht, der sicherlich nicht dumm ist, als Vorsitzenden ins Spiel zu bringen, war entweder von Anfang nicht überlegt oder aber geplant, weil die Macher wissen mußten, was sie mit ihrem Vorschlag in der Partei wie im Umfeld lostreten würden. Das Ergebnis ist mittlerweile bekannt. Molau steht als Kandidat nicht mehr zur Verfügung. Er trägt sich sogar mit Austrittsabsichten. Würde zu meiner Einschätzung von ihm passen: kein politischer Frontsoldat, mehr der mimosenhafte Eierkopf!“

Auch an Holger Apfel lässt Deckert kaum ein gutes Haar. Diesen habe er „als Intriganten kennengelernt“, allerdings sei er „zumindest ein Taktiker, auch ein Lavierer und kennt die Partei seit jungen Jahren“. Ihm fehle aber, bescheinigt Deckert, „der geistig-politische Tiefgang und er kommt bei der Bevölkerung nicht an“. „Ich kenne Sachsen und die Sachsen sicherlich mittlerweile viel besser als jene „Volksvertreter“, die aus Dresden und vom „Kalten Büffet“ kaum weggekommen sind und den Kontakt zur Bevölkerung NIE gesucht haben.“

„Wo Geld ist, ist auch Marx!“

Erwartungegemäß knüpft sich Deckert auch noch NPD-Multifunktionär Peter Marx vor. „Wo Geld ist, ist auch Marx!“, urteilt Deckert. Er kenne Marx seit seinem 14. Lebensjahr, „dumm sei er nicht“. Deckert schätze „ihn mittlerweile aber als gerissen und hintertrieben ein“. Bislang habe er es verstanden, sich „jeder Lage anzupassen, d.h. immer von und über die Partei zu leben“.

Udo Pastörs könne er „(noch) nicht abschließend beurteilen“, da Deckert ihn nicht persönlich kenne. Auch er sei ein Quereinsteiger „der jüngsten Zeit und kam spät zur Partei“. „Als sie 1990/91 am Boden lag, gab es ihn nicht.“ Dass Pastörs in seinem Landesverband akzeptiert sei und im Schweriner Landtag keine schlechte Figur mache, spreche zumindest nicht gegen ihn, so das Urteil.

Doppelspitze Rieger Pastörs

Jürgen Rieger hält Deckert hingegen für geeignet, die NPD zu führen. Seine Argumente: „Rieger kenne ich bereits seit über 30 Jahren. Er wäre im Grunde genommen mein Mann, weil er wirklich „echt“ ist.. Für ihn spricht vieles, nicht nur solide rechtliche Erfahrung und Kenntnisse. Er ist ein Kämpfertyp, ein „Festzelt- wie Seminarredner“. Zudem bräuchte er, wie auch Pastörs, kein Chef-Gehalt, nur Ersatz der Spesen. […] Gegen ihn spricht z. Z. jedoch, daß niemand weiß, wie lange er noch in Freiheit ist.“ Deckert spielt damit auf mögliche Anklagen wegen Volksverhetzung gegen Rieger an.

Das abschließende Urteil des Ex-NPD-Chefs: „Insofern würde ich es begrüßen, wenn er sich mit Pastörs im Interesse der angeblich gemeinsamen SACHE ausspricht und irgendwie einigt. Man muß sich ja nicht immer Bruderküßchen geben. Auch in anderen Parteien geht es „deftig“ zu.“ Jede neue Lösung sei besser als ein Weiterwursteln mit einem abgewirtschafteten und unglaubwürdigen Udo Voigt!

Mutmaßungen über V-Mann-Tätigkeit von Pastörs

Ob sich allerdings Rieger und Pastörs wirklich einigen könnten, erscheint höchst fraglich. Zwar betonte Pastörs bei seiner bereits bereits berühmten Rede in Saarbrücken, er habe und werde sich auch weiter mit Rieger unterhalten, da er sich „mit allen Nationalisten an einen Tisch“ setze, „wenn es um maximale Wirkung für unsere Sache geht“. Andererseits erscheint das Verhältnis zwischen den beiden nicht das Beste zu sein, wenn man sich einen Brief anschaut, den Rieger an Parteichef Voigt geschrieben hatte. Darin heißt es zu der Vergabe des Postens als Fraktionschefs in Mecklenburg-Vorpommern:

„Wenn angesichts dieser Situation zwei der Landtagskandidaten, nämlich Pasteurs und Andrejewski, erklären, nachdem sie wußten, daß ich […] meinen Fraktionsvorsitz als Bedingung stelle, sie wollten Pasteurs als Fraktionsvorsitzenden , mit anderen Worten mich nicht im Landtag haben wollen (wie mir Steiner im übrigen nunmehr erklärt hatte, hat Pasteurs schon vor diesem Gespräch, als noch völlig offen war, ob Dr. Frey den vierten Platz besetzen würde, ihm erklärt: Ich bin nicht bereit, mit Rieger zusammenzuarbeiten), dann gibt es nur zwei Gründe: Entweder, sie stellen ihre eigene Person über das Interesse der Partei, weil die Partei mit mir als Kandidaten mit Sicherheit höhere Stimmenzahl erreichen würde, oder aber sie arbeiten im Auftrage des Verfassungsschutzes“

Siehe auch: NPD-Sonderparteitag: Erfurt, Zwickau, Berlin…, Reibt Voigt sich wirklich die Hände?, In eigener Sache: NPD-Machtkampf, NPD zeigt sich selbst an, NPD-Rechenschaftsbericht 2007 offenbar mit massiven Fehlern, NPD-Machtkampf: “Nalis”, “Porno-Affäre” und ausgesperrte Journalisten, NPD-Sonderparteitag: Absage auch aus Zwickau, Poppenkontakte & Huren24 – Erpressung bei der NPD?, Andreas Molau: Wolf im Lambswoolpullover, Von der “mitteldeutschen Volksfront” bzw. der “Volksfront von Mitteldeutschland”NPD-Machtkampf: Bräuniger springt Voigt zur Seite, NPD und Pro NRW? Abfuhr für Molaus Strategie als ParteichefIst die NPD erledigt?, Wer übernimmt die Vogtei von Berlin-Köpenick?, Die NPD zwischen Pragmatismus und Propaganda, Erledigt sich die NPD selbst?

5 thoughts on “Von Versagern, Eierköpfen und Intriganten: Kandidatencheck mit Ex-NPD-Chef Deckert

  1. Ist das zitierte ein echter Brief von Rieger? Also schreibt er Pastörs immer falsch?!? Oder ist das die angebliche Fälschung, die mal die Runde gemacht hat? Mhh, merkwürdig…

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