Millionen-Geschäft Rechtsrock: Bundesweite Razzia in Wohnungen und Läden

Mehr als 200 Wohnungen und Läden von Rechtsextremisten haben Ermittler am 04. März 2009 n allen Bundesländern durchsucht. Im Visier der Behörden waren vor allem verfassungsfeindliche Musik-Produkte. Mehr als 45.000 CDs und etwa 170 Computer wurden laut einem Bericht von redok bei über 100 verdächtigen Personen beschlagnahmt, gefunden wurden auch rund 70 Waffen.

Die Aktion wurde von der Staatsanwaltschaft Stuttgart geleitet, die bereits seit mehreren Monaten ermittelt habe. Eingeschaltet ist auch das Bundeskriminalamt. Laut dem Hessischen Rundfunk hatten die Ermittler im Vorfeld der Durchsuchungen eine Internet-Tauschbörse ausgehoben, auf der auch verfassungsfeindliche Musiktitel angeboten wurden. Diese Tauschbörse soll mittlerweile geschlossen sein.

Millionen-Geschäft

„Die Musik bildet das Tor, durch das junge Menschen gelockt werden sollen“, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Siegfried Mahler laut HR. Durch die Produktion und den Vertrieb von Tonträgern mit rechtsextremistischer Musik werden laut Mahler jährlich mehrere Millionen Euro umgesetzt. Dadurch sei eine zentrale Finanzquelle der rechten Szene entstanden.

Der Leitende Kriminaldirektor des BKA, Carsten Voß, sagte laut der Agentur ddp, eine derartige Aktion habe es „so in der Bundesrepublik bisher gegen rechte Musik nicht gegeben“. Man habe eine ganze Vertriebsplattform „aufgerollt“. Das BKA sei noch weiteren Vertriebsnetzen rechtsextremer Produkte im Internet auf der Spur und habe „noch andere Maßnahmen in Vorbereitung“, sagte Voß laut dem Agenturbericht. Er wies darauf hin, dass der illegale Handel mit den verbotenen Tonträgern ein lukratives Geschäft sei.

Nach Medienberichten wurden in Berlin bislang sieben Objekte durchsucht, vor allem in den Bereichen Friedrichshain, Kreuzberg, Neukölln, Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick. In Hessen sollen elf Wohnungen durchsucht worden sein, in Sachsen-Anhalt waren 16 Wohnungen und Geschäftsräume Ziele der Fahnder. An zehn Orten fanden in Mecklenburg-Vorpommern Durchsuchungen statt, nach Informationen des NDR unter anderem in Rostock und im Kreis Vorpommern. In Niedersachsen gab es nach diesen Angaben unter anderem Durchsuchungen in Hannover, Braunschweig und Hildesheim. Auch in Hamburg waren die Fahnder aktiv. Laut einer Mitteilung in einem Neonazi-Forum soll in Bayern beim „Sturmversand“ in Murnau der gesamte Warenbestand, Computer und Geschäftsunterlagen beschlagnahmt worden sein. Die 104 Beschuldigten sind zwischen 21 und 45 Jahre alt und als rechtsextrem bekannt, so die Ermittler.

Schlagzeuger von Neonazi-Kultband

Bei der Tauschbörse handelt es sich laut redok um die Internetplattform „Unser Auktionshaus“. Der entscheidende Tipp gegen die Plattform sei vom Bundesamt für Verfassungsschutz im Jahr 2007 gekommen, berichtete demnach dpa. Polizeibeamte hätten damals den Server, die Computerfestplatten und CDs mit rechtsextremen Inhalten beschlagnahmt und werteten sie aus. Die Internetplattform „Unser Auktionshaus“ ist demnach bereits seit einiger Zeit nicht in Betrieb. Szenekenner wollen wissen, dass das „Auktionshaus“ über 2.400 registrierte Mitglieder gehabt hatte. Seit geraumer Zeit verspricht der „Auktionshaus“-Inhaber seiner Kundschaft: „Das Original kommt wieder“.

Neben diesem Internet-Auktionshaus betreibt der 34-jährige Mann aus dem schwäbischen Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) auch den Versandhandel RACords in Stuttgart. Laut Informationen von Antifa-Gruppen soll er Schlagzeuger der Band „Carpe Diem“ sein und auch bei der Gruppe „Noie Werte“ mitgespielt haben. Die Produkte der beiden Bands werden von RACords vertrieben und waren auch auf der „Schulhof-CD“ der NPD für den Wahlkampf 2005 enthalten.

Serie von Razzien

In den vergangenen Monaten waren mehrere Großrazzien gegen Rechtsrock-Strukturen durchgeführt worden. Zudem wird auch gegen Geschäftspartner in Skandinavien ermittelt, die bei der Herstellung und dem Vertrieb von Neonazi-CDs involviert sind. Mehrmals war auch NPD-Bundesvorstand Thorsten Heise von Durchsuchungen betroffen.

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