Neonazis streiten um Germanen-Einheit

Noch zum Jahreswechsel galt die für den 7. März 2009 geplante Demonstration zum 2000. Jahrestag der Varusschlacht im Teutoburger Wald in Neonazi-Kreisen als ambitionierter Versuch, „alle Teile des Nationalen Widerstandes“ in Norddeutschland zu motivieren. Nicht einmal vier Wochen später geben die Demonstrationsvorbereitungen vor allem einen tiefen Einblick in die Zerrissenheit der norddeutschen Neonazi-Szene.

Von Kai Budler

Dabei bietet sich der damalige Sieg übe die Römer in der kruden Gedankenwelt der rechtsextremen Szene geradezu an, wenn es darum geht, demonstrativ die „Einheit des deutschen Volkes“ zu beschwören. Immerhin war es dem Cheruskerfürsten Arminius im Jahre 9 n. Chr. gelungen, die germanischen Stämme der Cherusker, Marser, Chatten und Brukterer zu einem Bündnis zu bewegen. Dieses war die Grundlage für den Sieg über den römischen Statthalter Varus und dessen Legionen in der unwegsamen Region des Teutoburger Waldes.

Für die NPD Osnabrück ein Beweis für den frühen Sieg im Kampf um das Dasein des deutschen Volkes. War es früher der „römische Imperialismus“, gegen den „ein kleines Volk, geschart um einen großen Führer“ angetreten war, halluziniert die Partei Parallelen zum globalen Kapitalismus, „US-Imperialismus und die Überfremdung unseres Landes durch Ausländer“. Doch die so sehr beschworene Einheit im Schatten des Hermannsdenkmals bröckelt rapide und macht Platz für den internen Zwist. Kritik kommt u.a. von dem norddeutschen Neonazi Thomas „Steiner“ Wulff, der zu einem Boykott der Veranstaltung aufrief. Der Grund: Auf der Rednerliste ist neben Udo Pastörs und Peter Naumann auch Andreas Molau vorgesehen. Dies sei eine Verhöhnung des Cheruskerfürsten und seiner Bemühung um Einheit „im Kampf gegen die Feinde unseres Volkes“, wettert Wulff und wirft dem ehemaligen Kandidaten für den NPD-Bundesvorsitz Spaltung der eigenen Reihen vor. Statt nach Osnabrück zu fahren, solle man am 7. März lieber an einem Neonazi-Aufmarsch in Dessau teilnehmen.

Scharfe Kritik übt auch der Neonazi Christian Worch, der es ablehnt, den Demonstrationsaufruf zu verbreiten und auf dessen Anhang hinweist. Darin wird ebenso der Verzicht auf Anglizismen gefordert wie auf „Kleidungsstücke, deren Aufdrucke Anglizismen enthalten oder zur Gewalt aufrufen oder diese verherrlichen“. Für Worch als regelmäßiger Anmelder von Märschen für „Autonome Nationalisten“ (AN) ein Versuch, dieses Klientel gemäß den Wünschen der NPD von der Veranstaltung auszuschließen. Eine schlechte Ausgangslage für das Anliegen der Osnabrücker NPD, „alle Eigen- und Parteiinteressen zu überwinden und als einiges Volk von Brüdern den Kampf um Freiheit und Dasein unserer Nation aufzunehmen“.

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Axel Reitz und Christian Worch vor Transparent „Revolution nicht mehr/weniger! Autonome Nationalisten“
Bild: Marek Peters

Der Rat der Stadt Osnabrück jedenfalls weist in einer einstimmig verabschiedete Resolution eine solche Einheitsidee von sich und ruft zu einer Demonstration gegen den Neonazi-Aufmarsch auf. Nach einem Hinweis von Osnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius könnten den Anmelder und NPD-Unterbezirksvorsitzenden Dirk Heimsoth auch noch strafrechtliche Konsequenzen erwarten. Pistorius hatte auf der Ratssitzung am 10. Februar auf ein vermeintlich an Kleist angelehntes Zitat in dem Aufruf hingewiesen, in dem es heißt „Solang ein Feind noch in Germanien trotzt, ist Hass mein Amt und meine Tugend Rache“.

Nach Pistorius‘ Angaben findet sich dieser Satz wörtlich in einem so genannten „Wochenspruch der NSDAP“ vom März 1939. Nachdem daraufhin offenbar die Staatsanwaltschaft aktiv wurde, warnte Carsten Steckel vom NPD Landesvorstand auf den einschlägigen Neonazi Seiten bereits: „Wenn sich besagtes Zitat auf Euren Netzseiten oder in anderen Demoaufrufen befindet, so ist es, um Ärger zu vermeiden, umgehend zu entfernen.“

Siehe auch: In eigener Sache: NPD-Machtkampf, Orientiert Pastörs sich am an slawischen Bewohnern in MVP aus dem 11. Jahrhundert?, Edathy: Völkisches Denken im Staatsbürgerschaftsrecht seit 1871, 60. Internationaler Menschenrechtstag: Sind “Volkstum und Kultur” die Grundlagen für die Würde des Menschen?

4 thoughts on “Neonazis streiten um Germanen-Einheit

  1. ich finde oftmals traurig mit anzusehen wenn menschen das gleiche ideal und ziel verfolgen aber sich wegen kleinigkeiten meinungsverschiedenheiten immer und immer wieder in die wolle bekommen müssen, wenn man sich endlich einig sein würde würde man viel mehr erreichen.

    ist schliesslich unser deutschland….

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