Einschüchtern und Verletzen – mehr rechtsextreme Gewalt 2008 in MVP

Der Beratungsverein LOBBI hat nach eigenen Angaben im Jahr 2008 in Mecklenburg-Vorpommern mehr als einhundert rechtsmotivierte Angriffe dokumentiert. Mehr als 300 Menschen seien von den Angriffen direkt oder indirekt betroffen gewesen, so LOBBI. Damit erreiche das Ausmaß der Gewalt wieder das Niveau aus dem Jahr 2006. Im Jahr 2007 waren 78 Attacken registriert worden.

Unter den 102 Angriffen im Jahr 2008 fallen demnach 40 Körperverletzungen, beispielsweise Angriffe auf Jugendliche in Friedland und Waren/Müritz oder ein Überfall am Bahnhof Bad Kleinen nach einem Neonazi-Aufmarsch am 01. Mai in Hamburg. Die LOBBI erfasste 31 mal versuchte Körperverletzungen, Nötigung oder schwerwiegende Bedrohungen, wie Flaschenwürfe auf einen libanesischen Asylbewerber in Neustrelitz.

Mindestens 29 Brandstiftungen und gegen bestimmte Personen gerichtete Sachbeschädigungen dokumentierte die LOBBI, wie beispielsweise die offenbar planmäßig ausgeführten Attacken auf Fahrzeuge von Polinnen und Polen in Löcknitz oder auf Dönerstände und Asiaimbisse. Regionale Schwerpunkte waren den Angaben zufolge Boizenburg und Gadebusch. Die Angriffe richteten sich mehrheitlich gegen alternative Jugendliche, bei einem Viertel der Attacken war Rassismus das Motiv.

Gezielte Einschüchterung befürchtet

Die LOBBI hat im vergangenen Jahr über 600 mal Menschen beraten, bei Behördengängen und Anträgen unterstützt, zu Gerichtsverhandlungen begleitet und zu lokalen Interventionsmöglichkeiten informiert. Über 200 Betroffene, Zeugen und Zeuginnen sowie Angehörige nahmen das Angebot in Anspruch.

LOBBI betont, dass im Jahr 2008 auch Menschen und Einrichtungen, die sich gegen Rassismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus engagieren, zum Angriffsziel rechter Gewalt geworden seien. Vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen und erster ähnlicher Vorfälle in diesem Jahr sei zu befürchten, dass sich gerade die gezielte Einschüchterung von politischen Gegnern auch 2009 fortsetzt.

Siehe auch: Ukazał się poradnik w języku polskim dla ofiar prawicowej przemocy, Rechtsextreme Straftaten auf Rekordniveau, Hamburg: Zahl der rechtsextremen Gewalttaten verdoppelt sich, UN-Menschenrechtsrat: Berlin muss Fragen zum Rechtsextremismus beantworten, Bewährungsstrafe für Angriff von Rechtsextremisten auf Polizeiwagen, “Bundesregierung verharmlost weiter tödliche Dimension von Rechtsextremismus und Rassismus”, Beobachtungsstelle nach EU-Vorbild gefordert, UN-Experten kritisieren mangelhafte Maßnahmen gegen Rassismus, Neonazis und die Drohung als Mittel der Politik, Debatte: Brutalisierung und Modernisierung bei Neonazis?, Offizielle Zahlen: Mehr als 17.500 rechtsextreme Straftaten im Jahr 2007