Reibt Voigt sich wirklich die Hände?

In einigen Einschätzungen zum Rückzug von Andreas Molau als Kandidat für das Amt des NPD-Bundesvorsitzenden heißt es, Parteichef Udo Voigt reibe sich nun die Hände oder lache sich ins Fäustchen. Dies erscheint allerdings äußerst fraglich. Zwar hat Voigt weiterhin die Chance, weitere Jahre in seinem Amt zu bleiben. Doch selbst wenn er den geplanten Sonderparteitag als Vorsitzender überstehen sollte, sind die Aussichten alles andere als rosig.

 

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Udo Voigt in Dresden
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Sein Projekt, die „Volksfront von rechts“, liegt in Trümmern. Voigt hat kaum noch einflussreiche Verbündete in der Partei. Die mächtigen Fraktionschefs in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern haben sich gegen ihn positioniert, genauso der gewiefte Strippenzieher Peter Marx. Die wenigen Spitzenfunktionäre, die über ein überdurchschnittliches Potenzial verfügen, wenden sich mit Grausen ab.

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„Trauergäste“ in Dresden: Holger Apfel und Peter Marx
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Zudem steht die NPD offenbar kurz vor der Pleite. Die Bundespartei dürfte auf Jahre hinaus finanziell gelähmt sein, während in den Fraktionen das öffentliche Geld in die Kassen der NPD fließt. Während die DVU eine Dame ohne Unterleib war, ist die NPD eine ohne Kopf. Was auch das derzeitige Niveau der Auseinandersetzung in der völkischen Partei zeigt. Voigt kann es zwar in Sachen „Probleme aussitzen“ mit dem ewigen Kanzler oder – aktuell – Roland Koch aufnehmen. Mehr als aussitzen und hoffen bleibt ihm aber auch nicht übrig.

Siehe auch: NPD zeigt sich selbst an, NPD-Rechenschaftsbericht 2007 offenbar mit massiven Fehlern, NPD-Machtkampf: “Nalis”, “Porno-Affäre” und ausgesperrte Journalisten, NPD-Sonderparteitag: Absage auch aus Zwickau, Poppenkontakte & Huren24 – Erpressung bei der NPD?, NPD-Machtkampf soll in Erfurt entschieden werden: Bundesparteitag am 28. und 29. März geplant, NPD in Sachsen-Anhalt auf neonazistischem Kurs / Parteitag am 28. Februar, Andreas Molau: Wolf im Lambswoolpullover, Von der “mitteldeutschen Volksfront” bzw. der “Volksfront von Mitteldeutschland”NPD-Machtkampf: Bräuniger springt Voigt zur Seite, NPD und Pro NRW? Abfuhr für Molaus Strategie als Parteichef, Molau begrüßt Wahl von Faust zum DVU-Chef, NPD-Machtkampf: Molau betont erneut Distanz zu militanten Neonazis, Ist die NPD erledigt?, Wer übernimmt die Vogtei von Berlin-Köpenick?, Die NPD zwischen Pragmatismus und Propaganda, Erledigt sich die NPD selbst?, NPD-Machtkampf: Molau betont erneut Distanz zu militanten Neonazis, NPD-Machtkampf: Parteichef Voigt sucht Unterstützung der “Freien Kräfte”, NPD-Vorsitz: Apfel und Pastörs werfen Molaus Hut in den Ring, NPD-Bundesvorsitz: “Rohrkrepierer” bei Focus-Online, Stellungnahmen zur Kemna-Affäre: Die Leidensgeschichte der NPD (Nachtrag: Voigt in der SZ), Kemna-Skandal: Voigt gerät weiter in die Schusslinie, Kemna-Skandal: Razzia beim Deutsche-Stimme-Verlag, Der Spiegel: Weitere Verstöße der NPD gegen das Parteiengesetz?, Intrige? “System” schützt NPD vor eigenem Finanzchaos

3 thoughts on “Reibt Voigt sich wirklich die Hände?

  1. Hallo,

    ich kann ja nur hoffen, dass Du Recht hast. Aber jetzt schon das Ende der Volksfront zu verkünden, ist das nicht etwas gewagt? Man konnte auf NPD-Blog schon viel lesen: Das „Voigt alleine im Auto sitzt“, die DVU nur eine Geldbeschaffungsmaschiene ist und das Andreas Molau wahrscheinlich neuer
    NPD-Vorsitzender wird. Alles stimmte dann doch nicht so ganz.
    Die Volksfront steht momentan noch: Selbst Kritiker Wulff ist noch NPD-Funktionär, Molau wurde in Niedersachsen zum Spitzenkandidaten gewählt (mit wessen Stimmen ?). Matthias Faust bekräftigte den Deutschlandpakt. Es gibt bisher nur wenige Abspaltungen von der NPD.
    Das „intellektuelle Potential“ der NPD ist im Vergleich zu anderen neofaschistischen Organisationen immer noch hoch. Da solltet Ihr mal die DS mit der NZ vergleichen, um zu sehen wo die schlaueren Köpfe sitzen.
    Ob und wie die NPD weiter besteht, wird sich frühestens nach dem Bundesparteitag, eher jedoch nach den Wahlen entscheiden. Und hier sind neben der Bundestagswahl die Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen von besonderer Bedeutung. Gelingt der NPD hier ein (Wieder-)Einzug, dann ist ihre Position wahrscheinlich als Regionalpartei gefestigt, eventuell auch bundesweit. Momentan gibt es Prognosen, welche 4-6 % für möglich halten. Der Ausgang der Wahlen ist u.U. auch unabhängig vom Wahlkampfetat der NPD. Wichtiger sind die Einstellungen der WählerInnen in Sachsen und Thüringen. Der Aufmarsch in Dresden hat doch auch gezeigt, welches Potential die Neofaschisten noch haben und welches ihre Gegner. Und der Großteil, auch der Kameraden, ist mit der NPD marschiert und nicht am Freitag.
    Außerdem: Wer soll für neofaschistische WählerInnen denn die Alternative sein, die CDU, die REP oder irgendeine Kleinstpartei?
    Die NPD wurde schon zu häufig totgeschrieben und ist dann wieder auferstanden. Übrigens war die NPD in ihrer Geschichte auch eher dauerpleite, als liquide. Wenn sich die NPD in Wahlen behaupten kann, dann werden sich auch wieder viele mit ihr arrangieren können. Der Streit im neofaschistischen Lager ist doch seit Jahrzehnten notorisch, nur dass er Dank des Internets und der Doofheit der Nazis nun in der Öffentlichkeit ausgetragen wird. Wenn die NPD nicht gewinnt, dann werden die Karten sicher neu gemischt.
    Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich obige Prognose für gewagt, im schlimmsten Falle für gefährlich. Sie bestärkt eventuell Positionen, welche meinen das Problem NPD würde sich von alleine lösen.
    Zu guter Letzt: Mir haben Kohl und Koch als ewiger Kanzler und Ministerpräsident gereicht, was soll eigentlich der Vergleich?

  2. Hallo,

    zur „Volksfront“: In Dresden ist das Konzept voll aufgegangen, auch in vielen Bundesländern läuft es weiterhin. Doch in vielen Regionen gibt es auch offene Konflikte. Weiterhin gibt es einen unlösbaren strukturellen Konflikt, was die Außendarstellung angeht.

    Mir ging es in diesem Artikel vor allem darum, aufzuzeigen, dass Voigt sich nicht bequem zurücklehnen und die Hände reiben kann.

    Die Wahl in Sachsen hat auf jeden Fall überragende Bedeutung. Wenn die NPD den Wiedereinzug schafft, kann sie rechtsextremen Intellektuellen langfristige Perspektiven bieten. Ich fürchte ebenfalls, dass sie das schafft, da sie trotz oder gerade wegen der militanten Neonazis ihr Kreuz bei der NPD machen.

    Ansonsten stimme ich weitestgehend zu. Mehr dazu hier:

    http://npd-blog.info/2009/02/19/in-
    eigener-sache-npd-machtkampf/#more-2855

    Daraus:

    „Der Nationalsozialismus und die NS-Zeit bleiben für die extreme Rechte in Deutschland die zentralen Bezugspunkte, davon kommen sie nicht weg. Seit dem Ende der Nazi-Zeit streiten sich NS-Flügel und andere Rechtsextremisten um den richtigen Kurs. Die NPD setzt fort, was schon seit 60 Jahren läuft. Vielen Wählern in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern scheint dies egal zu sein“

    Allerdings stimmt es nicht, dass ich die NPD für tot erklärt habe, denn ich schreibe ja auch eindeutig, dass in den Fraktionen das Geld fließt. Nur die Bundespartei kann wenig bis gar nix machen. Der Hinweis, dass die NPD notorisch knapp ist, ist korrekt, allerdings hat sie über viele Jahre auch keine Rolle gespielt.

    Dass sich das Problem NPD von alleine lösen wird, glaube ich nicht. Mehr dazu hier:
    http://npd-blog.info/2008/09/04/erledigt-sich-die-npd-selbst/

    und hier:
    http://npd-blog.info/2009/01/08/ist-die-npd-erledigt/

    Es ist weder förderlich, die NPD einfach für tot zu erklären. Allerdings sollte sie auch nicht größer geschrieben werden, als sie ist. Ihr fähiges Personal reicht für etwas mehr als eine Landtagsfraktion, dann wird es schon eng. Das kann sich – wie erwähnt – ändern, wenn die Wahl in Sachsen erfolgreich für die NPD verläuft.

    Gruß
    Patrick Gensing

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