Neue Karte im Führungspoker der NPD

Nach den teils heftigen Streitereien um das Amt des Parteivorsitzenden der Bundes-NPD hat Andreas Molau seine Kandidatur zurückgezogen. Der 40-jährige Stellvertreter im Landesvorstand der niedersächsischen NPD zieht damit nach eigenen Angaben die Konsequenzen aus seinen bisherigen Bemühungen, den amtierenden Vorsitzenden Udo Voigt abzulösen.

Von Kai Budler

 Der Entschluss des NPD Landesverbandes in Mecklenburg Vorpommern, Molaus Kandidatur nicht zu unterstützen, habe ihm den letzten Anstoß gegeben, schreibt der ehemalige Waldorflehrer. Gleichzeitig kritisiert er Teile der Bundespartei scharf. Voigt sei „nur noch eine willfährige Marionette des Börsenspekulanten [Jürgen] Rieger“ und sei als Bundesvorsitzender der NPD weder glaubwürdig noch seiner Verantwortung nachgekommen. Dafür weist Molau auf die Finanzskandale der NPD in der jüngsten Zeit hin: Voigt habe nicht einmal gemerkt, dass hohe Geldbeträge aus den Parteikassen verschwunden seien.

Auch Voigts Stellvertreter Jürgen Rieger muss sich von Molau deutliche Worte gefallen lassen. Der Hamburger Anwalt sei unfähig Politik zu machen und habe es nicht geschafft, „auch nur eine einzige Immobilie für den politischen Kampf vor Gericht zu erstreiten“. Rieger habe gemeinsam mit Voigt und dem Büroleiter der Parteizentrale, Eckart Bräuniger, eine Verleumdungskampagne gegen ihn losgetreten, beklagt Molau, und beschuldigt den Rechtsanwalt, die NPD zugrunde zu richten.

Pastörs als Kandidat aufgestellt

Unterdessen hat der NPD Landesverband in Mecklenburg Vorpommern eine neue Runde im Führungspoker eingeläutet und den Fraktionsvorsitzenden im Landtag von Mecklenburg Vorpommern, Udo Pastörs, ins Rennen geschickt. In der momentanen Situation der NPD komme nur Pastörs für die Führung der Bundespartei in Frage. Auch der Fraktionsvorsitzende selbst kündigte inzwischen an, gegen Voigt anzutreten. Wie dieser Streit endet, wird der Öffentlichkeit wahrscheinlich verborgen bleiben: Ein weiterer Beschluss des Landesverbandes sieht vor, die Presse beim kommenden Bundesparteitag auszuschließen.

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