Molau zieht zurück: Braucht Rieger ein neues Betätigungsfeld?

Der Liedermacher Konstantin Wecker darf die NPD gerichtlich abgesegnet „Pack und Verbrecherbande“ nennen. Wecker hat gewiss seine helle Freude an den Vorgängen, die die rechtsextreme Partei jetzt erschüttern. Mit sofortiger Wirkung hat nämlich der als „Hoffnungsträger der Partei“ gehandelte Andreas Molaus aus Groß Denkte bei Braunschweig seine Kandidatur für den Posten des NPD-Bundesvorsitzenden zurückgezogen.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Der ehemalige Waldorflehrer Andreas Molau (38) war im niedersächsischen Landtagswahlkampf Spitzenkandidat der rechtsextremen Partei. Ihm wurden gute Aussichten eingeräumt, den langjährigen Vorsitzenden der NPD, Udo Voigt abzulösen, dem innnerparteilich eine Mitwisserschaft bei den Finanzmanipulationen des rechtskräftig verurteilten NPD-Schatzmeisters Erwin Kemna angelastet wurden. Als Molaus Förderer gilt der Fraktionsvorsitzende der NPD im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, der die Kandidatur Molaus unterstützt hatte, und der Molau als bezahlten Sprecher der NPD-Landtagsfraktion beschäftigt.

Ausgerechnet aber Pastörs NPD-Landesvorstand fiel Molau in den Rücken und sprach sich gegen eine Kandidatur Molaus aus. In seiner schriftlichen Rückzugserklärung äußert Molau den Verdacht, dass die NPD von „eigenen Leuten ausgeplündert wird“. Wie naheliegend diese Mutmaßung ist, machen Informationen aus Parteikreisen deutlich, wonach der NPD-Vorstand erst kürzlich eine „Selbstanzeige bei der Bundestagsverwaltung“ eingereicht hat. Grund dafür sei das „unerklärliche Verschwinden von rund einer Million Euro vom Parteikonto“. Dies könnte Rückzahlungsforderungen der Bundestagsverwaltung an die NPD wegen mißbräulicher Verwendung von Parteispendengeldern zur Folge haben.

Braucht Rieger ein neues Betätigungsfeld?

Schon jetzt ist die Partei nach Angaben aus Szenekreisen so gut wie pleite. Die Parteizentrale habe zur Zeit nicht einmal das Geld, Flugblätter und Werbematerial zur Verfügung zu stellen, heißt es. „Die Parteizentrale könnte zur Zeit nicht einmal einen Infotisch veranstalten“, heißt es aus Insider-Kreisen. Tatsache ist auch, dass sogenannte „Freie Kräfte“ bislang vergeblich auf die Auszahlung von insgesamt rund 7000 Euro warten, die sie vom niedersächsischen Landesverband der NPD für die Unterstützung im Landtagswahlkampf 2007 einzufordern haben. Als Nutznießer dieser Entwicklung gilt der rechtsextreme Rechtsanwalt Jürgen Rieger aus Hamburg, der ebenfalls Bundesvorsitzender der Partei werden will.

Rieger sieht in Mannheim voraussichtlich einem Gerichtsverfahren wegen Volksverhetzung entgegen, an dessen Ende ihm der Entzug der Anwaltszulassung drohen könnte. Offenbar in Erwartung dieser Gerichtsentscheidung hatte Rieger im Gespräch mit Parteifreunden seine Kandidatur für den Parteivorsitz damit begründet, dass er nach dem Entzug der Zulassung ein neues Betätigungsfeld benötige. Als Gegenkandidat wird ihm voraussichtlich jener Mann gegenüberstehen, dessen NPD-Landesvorstand dem Niedersachsen Molau den politischen Dolchstoß versetzte: Udo Pastörs.

Konstantin Wecker hat gewiß seine helle Freude an diesen Vorgängen.

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