Molau will doch nicht NPD-Chef werden

Der Machtkampf in der NPD nimmt immer absurdere Züge an. Der finanzielle Sumpf in der Partei, die so gerne gegen die „korrupte Politikerkaste“ wettert, ist offenbar noch tiefer als schon bekannt und Andreas Molau will doch nicht gegen Parteichef Udo Voigt kandidieren. Laut einem Bericht der taz sagte Molau: „Ich stehe für das Amt nicht mehr zur Verfügung.“ Der amtierende NPD-Bundeschef Udo Voigt dürfte nur kurz erleichtert gewesen sein. Denn Molau erzählte sogleich, das die NPD beim Deutschen Bundestag eine Selbstanzeige erstatten musste – es geht einmal mehr um die Finanzen der rechtsextremen Partei.

Nun erklärte Molau laut taz, die Bundesführung könne sich den Verbleib eines Millionenbetrages nicht erklären. Das Geld, das wohl in den Rechenschaftsbüchern auftaucht, solle schlicht und einfach fehlen. Glaubt man den Gerüchten, dann hat die NPD schon vor längerem die Selbstanzeige gestellt. Im einem Jahr der Wahlen sei das für die NPD ein schwerer Schlag. Ein Parteivorsitzender, so der ehemalige Gegenkandidat Molau, „der nicht merkt, dass Beiträge in hunderttausender Größe aus den Parteikassen verschwindet, hat die Legitimation zur Führung der Partei verloren“.

Warum Molau dennoch nicht mehr um das Amt streiten will, muss nicht spekuliert werden. Der ehemalige Waldorfschullehrer sei verbittert, meint die taz. Fühle sich offensichtlich verraten. Denn der mecklenburg-vorpommerische Landesverband unterstützt ihn überraschend nicht mehr. Statt dessen hat der Landesverband beschlossen, ihre Fraktionschef Udo Pastörs als Bundesvorsitzende vorzuschlagen. Pastörs gehörte aber zu jenen NPD-Größen, die mit dem sächsischen Fraktionschef Holger Apfel Molau erst ins Rennen um das Amt geschickt hatten. „Ich kämpfe nicht um die Verantwortung in der NPD“, sagte Molau deshalb, „wenn keine Unterstützung von jene gewährt wird, die mich zur Übernahme der Verantwortung aufgerufen haben“.

Als Drahtzieher gegen seine Kandidatur macht Molau aber vor allem Jürgen Rieger aus. Im Internet hatte der Hamburger Landeschef und Bundesvize jüngst offen gegen Molau als „Achteljuden“ gewettert. Die Parteibasis, so Rieger, würde keinen zum Bundesvorsitzenden wählen, „der im Dritten Reich nicht mal hätte Blockwart werden können“. Rieger nimmt Molau seit dem letzten Bundesparteitag 2008 in Bamberg übel, das er dessen Wahl zum Bundesvize als „politische Katastrophe“ bezeichnete.

Für Molau ist indes klar, dass Rieger „die Partei zuerst in finanzielle Abhängigkeit gebracht“ habe, um sich eine „Position in der Partei“ zu verschaffen und die Partei mit seinem „politischen Narrentum zugrunde“ richten würde. Riegers „krude Vorstellungen zwischen einer unreflektierten Hitler-Verehrung und einem darwinistisch geprägten Wirtschaftliberalismus sichern höchstens das Null-Komma-Ghetto“, so Molau. Voigt ist für Molau indes nur noch eine „willfährige Marionette“ Riegers. Auch er soll Diffamierungen über Molau verbreitet haben.

Molau hatte noch im November auf Anfrage betont, er werde nicht für den Vorsitz kandidieren, dann doch, nun wieder nicht. The show must go on!

Siehe auch: NPD-Rechenschaftsbericht 2007 offenbar mit massiven Fehlern, NPD-Machtkampf: “Nalis”, “Porno-Affäre” und ausgesperrte Journalisten, NPD-Sonderparteitag: Absage auch aus Zwickau, Poppenkontakte & Huren24 – Erpressung bei der NPD?, NPD-Machtkampf soll in Erfurt entschieden werden: Bundesparteitag am 28. und 29. März geplant, NPD in Sachsen-Anhalt auf neonazistischem Kurs / Parteitag am 28. Februar, Andreas Molau: Wolf im Lambswoolpullover, Von der “mitteldeutschen Volksfront” bzw. der “Volksfront von Mitteldeutschland”NPD-Machtkampf: Bräuniger springt Voigt zur Seite, NPD und Pro NRW? Abfuhr für Molaus Strategie als Parteichef, Molau begrüßt Wahl von Faust zum DVU-Chef, NPD-Machtkampf: Molau betont erneut Distanz zu militanten Neonazis, Ist die NPD erledigt?, Wer übernimmt die Vogtei von Berlin-Köpenick?, Die NPD zwischen Pragmatismus und Propaganda, Erledigt sich die NPD selbst?, NPD-Machtkampf: Molau betont erneut Distanz zu militanten Neonazis, NPD-Machtkampf: Parteichef Voigt sucht Unterstützung der “Freien Kräfte”, NPD-Vorsitz: Apfel und Pastörs werfen Molaus Hut in den Ring, NPD-Bundesvorsitz: “Rohrkrepierer” bei Focus-Online, Stellungnahmen zur Kemna-Affäre: Die Leidensgeschichte der NPD (Nachtrag: Voigt in der SZ), Kemna-Skandal: Voigt gerät weiter in die Schusslinie, Kemna-Skandal: Razzia beim Deutsche-Stimme-Verlag, Der Spiegel: Weitere Verstöße der NPD gegen das Parteiengesetz?, Intrige? “System” schützt NPD vor eigenem Finanzchaos

6 thoughts on “Molau will doch nicht NPD-Chef werden

  1. Kürzlich gefunden bei MUT:
    „Der seit vergangenem Jahr in Berlin ansässige schwedische Geschäftsmann und Initiator der neurechten „Kontinent Europa Stiftung“ soll sage und schreibe 20 Millionen Euro Unterstützung für den Fall in Aussicht gestellt haben, dass Molau Parteivorsitzender wird.“

    Wenn das so weitergeht wird der Vorstand der NPD demnächst nicht mehr gewählt, sondern die Posten werden einfach an den meistbietenden verkauft. 😉

  2. Irgendwie ganz großes Realsatire-Kino, wenn die das wirklich so veranstalten. Könnte man glatt verfilmen, vielleicht als Daily-Soap oder Dallas bzw. Denver-Clan. Was für ein Hin und Her…
    Lustig ist aber, dass anscheinend der Begriff „Kameradschaft“ unter den Braunies wohl „Einer gegen alle, alle gegen einen und alle gegeneinander“ bedeutet…

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  3. Soap passt schon,da man sie unendlich weiterführen kann.Eine Telenovela endet nach einer gewissen Folgenanzahl und geht immer gut aus,was ich aber dem braunen Pack nicht wünsche.
    Aber vielleicht erleben wir das Ende der NPD noch dieses Jahr?

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